Originaltitel: More
Deutscher Titel: Mehr, immer mehr
Land: Deutschland/Frankreich
Jahr: 1969
Regisseur: Barbet Schroeder
Länge: 111 Minuten
Darsteller: Michel Chanderli, Heinz Engelmann, Mimsy Farmer, Klaus Grünberg, Georges Montant, Louise Wink
Sprache: englisch, teilweise deutsch
Musik: Pink Floyd
Der naive und unerfahrene Student Stefan aus Deutschland macht Urlaub in Paris und lernt im Nachtleben der Metropole die unkonventionelle Amerikanerin Estelle kennen. Er verliebt sich in die hübsche Frau und reist ihr nach Ibiza nach. Wenig später findet Stefan heraus, dass Estelle heroinabhängig ist, und wird von ihr gedrängt die Droge ebenfalls auszuprobieren. Zunächst widerstrebend, lässt sich Stefan schließlich darauf ein und verfällt dem Heroin... (ofdb.de)
Der Grund, warum es die beiden frühen Spielfilme des iranischstämmigen Regisseurs Barbet Schroeder nun endlich in Deutschland auf DVD geschafft haben, ist groß auf dem Cover von La Vallée (1972) und More (1969) vermerkt: »Originalmusik: Pink Floyd« prangt direkt unter dem Titel. Und tatsächlich sind beide Filme heute vor allem deshalb bekannt, weil die Floyds sich an den Soundtracks beteiligt haben. Daß die Musik der Bombast-Rockband (die sie Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre auch schon ein wenig gewesen ist: »The Dark Side of the Moon«, das »Obscured by Clouds« folgt, beweist dies endgültig) sich nur schwer in Schroeders Filme integrieren lassen hat und zahlreiche Songs daher einfach als Source Music eingebaut sind, ist hier weniger erwähnenswert als die Tatsache, daß sich die Musk recht kontrapunktisch zu den Plots der Filme verhält. Es lohnt sich allerdings, auch über die Kooperation mit Pink Floyd hinaus einen Blick auf beide Filme zu werfen, denn sie verhalten sich zu ihrer Entstehungszeit in etwa so, wie sich die Musik von Pink Floyd zur ausgehenden Hippie-Ära verhält.
Sowohl More als auch La Vallée beziehen in aller Deutlichkeit Stellung zur Ideologie der Hippie-Bewegung. Überaus bitter ist Schroeders Gegenwartsanalyse und zeigt sich mit fast 40 Jahren Abstand als luzide kulturelle Analyse. Es sind die unkritischen, ja, undialektischen Denkgebäude einer Generation, die sich von der vorherigen dadurch abzugrenzen versucht hat, daß sie einfach genau das Gegenteil für richtig gehalten und gemacht hat wie ihre Eltern. Daß sie sich damit auf dasselbe Werte- und Bezugssystem stützt (indem sie es negiert), ist eine Erkenntnis, die sich gerade Anfang der 1970er Jahre als große Ernüchterung in der Hippie-Bewegung breitgemacht hat. Die verzweifelte Flucht ins Reich des Spirituellen (nicht selten realisiert über Drogenerfahrungen) oder des Anderen (durch geographische oder religiöse Auswanderung) ist zutiefst Ausdruck eines westlichen Bewußtseins, das einzig auf dem Denkgebäude der Neuzeit, genau genommen auf dem sich durch alle Bereiche des Lebens ziehenden Dualismus gründen konnte. Die zwanghafte Andersartigkeit fließt also notwendiger- und konsequenterweise in ihr Gegenteil zurück: eine spießige Konformität aus dem Bewußtsein des »Anti«. (schnitt.de)