Es ist doch schön, wenn Eltern die künstlerischen Ambitionen ihrer Kinder unterstützen. Auch die Mutter von Michio tut alles, damit der Junge seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Michio ist nämlich nicht nur traurigerweise blind und etwas verschroben, sondern auch Künstler. Insbesondere der menschliche Körper hat es ihm angetan, speziell die weibliche Version. In Ermangelung seines Augenlichts gibt es für Michio denn auch nichts Schöneres, als hübsche, weibliche Körper zu begrabbeln. Entsprechend fasziniert ist er von dem Fotomodell Aki, seiner Meinung nach die Frau mit dem schönsten Körper überhaupt. Wie gesagt, Mutti kann Michio keinen Wunsch abschlagen, und so hilft sie ihrem Sohn, Aki zu entführen und in dessen surrealem Atelier gefangen zu halten.
Auf der Grundlage einer Novelle des japanischen Autors Rampo Edogawa entwickelt Yasuzo Masumura mit BLIND BEAST ein abgründiges Psycho-Drama über Masochismus, Gewalt und Verzweiflung.
Im kompletten Film tauchen nur die schon genannten drei Figuren auf, und auch die Schauplätze sind überschaubar: Bis auf die kurze Vorgeschichte der Entführung spielt das ganze grausame Geschehen in Michios Atelier. So entsteht eine extrem dichte Atmosphäre, die mit ihrer klaustrophobischen Wirkung stellenweise an eine Theaterinszenierung erinnert.
Masumura lässt BLIND BEAST fast schon anstrengend langsam beginnen, um dann aber das Tempo immer weiter zu steigern.
So schafft er es, den Zuschauer mit diesem dunklen Machwerk gnadenlos zu fesseln, sodass dieser gar nicht anders kann, als gemeinsam mit Michio und Aki kopfüber in die abgründige Spirale aus Lust und Verachtung und Abhängigkeit zu stürzen, um am Ende mit weit aufgerissenen Augen, angehaltenem Atem und dem Sofakissen zwischen den Zähnen das grausame Finale über sich ergehen zu lassen. Wirklich gut gemachtes Psycho-Kino. Und das alles im Jahre 1969, als über deutsche Leinwände „Horror“filme wie „DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR“ flimmerten. Wie überaus avantgardistisch!
Regie: Yasuzo Masumura
Drehbuch: Yoshio Shirasaka (nach einer Geschichte von Edogawa Rampo)
Produzent: Masaichi Nagata, Kazumasa Nakano, Hiroaki Fuji
Darsteller: Eiji Funakoshi, Mako Midori, Noriko Sengoku
Land: Japan