Straub und Fassbinder begegnen sich 1967 in München. Mit seiner Bearbeitung des von Fassbinder vorgeschlagenen Stücks »Krankheit der Jugend« von Ferdinand Bruckner und dem, um die Antitheater-Inszenierung herumgebauten Film »Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter« (1968) liefert Straub einen scharfen, bis heute gültigen Kommentar zur 68er-Bewegung. Konfrontativ gegen die vermeintlich sexuell und anderweitig befreiten Verhältnisse, wie sie Fassbinder, der hier in der Rolle des Zuhälters zu sehen ist, als nie endendes Sado-Masospiel inszeniert und propagiert hat, setzen Straub/Huillet das Sakrament der Ehe. Sie zeigen quasi dokumentarisch und in voller Länge die kirchliche Trauung der Hauptdarstellerin mit einem Schwarzen. Fast 30 Jahre später, in der Verfilmung von Schönbergs Oper »Von heute auf morgen« (1996) wird die Frage, ob und wie neue Beziehungsmodelle die Chancen zwischenmenschlicher (Liebes-) Verhältnisse zerstören können, noch einmal aufgeworfen.