Living in Oblivion – ein phantastischer, unheimlich sympathischer kleiner Beitrag zur Welt des Independentkinos. Tom DiCillo ließ den in New York hervorgekommenen Comedian Steve Buscemi als Regisseur über ein chaotische Filmset einen Low-Low-Bugdet-Streifen drehen – und herausgekommen ist ein künstlerisch wertvolle Alternative zum altbackenen Mainstream, auch in echt mit wenig Geld finanziert, aber doch mit einem interessanten Besetzungsstab aufwartend: neben Buscemi versuchen sich unter anderem Catherine Keener und Dermont Mulroney vor und hinter der Kamera.
Der Witz des Films ist sehr unterschwellig und eher zitierend, dabei aber sehr charmant und geistreich. Mehrere Szenen müssen immer und immer wieder wiederholt werden, weil immer irgendetwas anderes schief läuft – so scheitert die desperate Crew ein ums andere Mal an der Technik, aber auch aufgrund exzentrischer Extrawünsche von egomanischen Hauptdarstellern – und am Ende ist es die aus dem Heim entflohene Mutter des Chaosregisseurs, die als einzige den Film retten kann.
Ein weiteres innovatives Feature ist die Farbgebung, die sich nahezu keiner Regel zu unterwerfen scheint: zunächst zeigt der Regisseur die Szenen hinter der Kamera in schwarzweiß und die Aufnahmen in Farbe, wenig später ist es dann aber umgekehrt, und schließlich bleiben Blicke durch die Kamera im Film gänzlich außen vor. Dazwischen stehen neben den Aufnahmen beim Dreh im Hinterhofstudio, die den Großteil des Films ausmachen Szenen außerhalb des stickig anmutenden Kabuffs, die mehr Einblick in die Hintergründe der Hauptcharaktere und deren Beziehungen zueinander erläutern, die – neben den unzähligen anderen Hindernissen – ebenfalls einem flüssigen und reibungslosen Dreh im Wege stehen.
Die Darsteller liefern erstklassige Leistungen ab, allen voran Steve Buscemi. Alle vermitteln glaubwürdiges B-Flair und beweisen ihre Herkunft lupenrein. Heutzutage sieht man viele der Darsteller in großen und teuren Millionenproduktionen, damals, Mitte der Neunziger, sah das für die meisten noch anders aus! Zahlreiche Filmgrößen werden hier nicht nur als Vorbilder zitiert, sondern auch durch den Kakao gezogen: während Jim Jarmusch und Quentin Tarantino zu erstgenannten gehören, stehen Richard Gere und Tom Cruise eher auf der Abschussliste.
Insgesamt auf jeden Fall ein totaler Geheimtipp für Fans des Unbekannten. Mainstreamer sollten gleich die Finger davon lassen und da bleiben, wo der Pfeffer wächst.
von
Thurgod
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