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Raritäten für Cineasten
Fitzcarraldo (1982) von Werner Herzog [Avi (DivX)] Info & Review
Inhalt: Der Exzentriker Brian Sweeney Fitzgerald, genannt Fitzcarraldo, ist von der Idee besessen, in einem trostlosen Nest mitten im unberührten Amazonas-Dschungel ein großes Opernhaus zu errichten. Von den Ersparnissen seiner Freundin, der Bordell-Besitzerin Molly, kauft Fitzcarraldo einen verrotteten Flussdampfer. Mit ihm will er in ein unerschlossenes Kautschukgebiet schippern, um dort das Geld für den Bau zu erwirtschaften. Um die unpassierbaren Stromschnellen einer Flussmündung zu umgehen, entwickelt der Besessene einen atemberaubenden Plan: Hunderte von Indios sollen das riesige Schiff über eine unpassierbare Urwaldhöhe transportieren.
Kritik: Die filmische Realisation dieser Abenteuergeschichte gewinnt Reiz und Spannung aus der gewaltigen Kulisse und dem Widerstand einer exotischen Urlandschaft. Von Werner Herzog sehr aufwendig in den Mitteln, aber mit unspektakulärer Ruhe und scheinbarer Leichtigkeit inszeniert.
Lexikon des internationalen Films
Bundesfilmpreisgekröntes, visionäres Abenteuer.
TV Spielfilm
Werner Herzog hat wieder einmal mehr seine Kritiker mundtot gemacht und mit seinem jüngsten Film all die zum Verstummen gebracht, deren Anschuldigungen und Verleumdungen das schwierige Projekt während seiner vierjährigen Entstehung begleiten. So ist dieser Film über einen liebenswerten Träumer und Phantasten, der mitten im peruanischen Urwald Berge versetzt, indem er ein Schiff über einen solchen zieht, ein visuelles Kunstwerk ersten Ranges, wo der Mensch in der Konfrontation mit seinen Grenzsituationen Würde, Größe und Aufrichtigkeit erlangt. Wie im Märchen ist es der Außenseiter und "Spinner", der die scheinbar normale Welt auf den Kopf stellt und ihre Relativität entlarvt.
J. M. Thie
Brian Sweeney Fitzgerald träumt von der großen Oper an den Ufern des Amazonas und ist willens, Himmel und Hölle, wenigstens aber einen großen Raddampfer in Bewegung zu setzen, um sein Ziel zu verwirklichen. Am Schluss kriegt er den Kahn zwar über den Berg und durch den Dschungel rüber auf den anderen Flussarm und umschifft so tödliche Stromschnellen, scheitert aber dennoch am Willen des Schicksals. Als Optimist und Lebenskünstler kriegt er es dennoch fertig, in Begleitung dröhnender Opernklänge wieder den Ursprungshafen anzulaufen und einen großen Bahnhof inklusive Claudia Cardinale zum Empfang genießen zu dürfen. Unschwer ist zu erkennen, dass sich dieser Mann nahtlos in die Herzogsche Galerie großer und närrischer Helden einreiht, nur dass er, anders als sein struppiger Cousin Don Lope de Aguirre, nicht am Schluss geistesverwirrt auf einem Floß dahintreibt, sondern zufrieden eine Zigarre schmauchen und sich brüsten darf, das Unmögliche wenigstens für kurze Zeit vollbracht zu haben. Die inhaltliche Substanz dieses ganzen Unterfangens ist, wie nicht selten bei Herzog, eher dürftig, aber was auf optischer und akustischer Ebene abläuft, ist schon einen Kinobesuch wert. Berauschende Tableaus aus den Wäldern des Amazonas und weihevoll sphärische Klänge von Popol Vuh, der Hausband in solchen Angelegenheiten, sorgen für eine solch sinnliche Intensität, dass man den im Grunde unsinnigen Anlas für all das Treiben rasch vergessen hat und sich allein dem Genus hingibt. Für Freunde von Klaus Kinski sei dazu gesagt, dass sich sein Wahnsinn diesmal in gemäßigten und durchaus sympathischen Bahnen bewegt, er sogar eine heitere und euphorische Stimmung um sich herum verbreitet, die ihn nur ganz selten im Stich lässt, etwa wenn die rätselhaft fremden Indianer nicht so wollen, wie er will, oder wenn schließlich das Schiff doch noch in die Stromschnellen gerät, denen es ja eigentlich ausweichen sollte. Diverse zeitgenössische Berichte über Missstände bei den Dreharbeiten mit Amazonasindianern lassen sicherlich die Frage aufkommen, ob Aufwand und Absichten bei Herzog in einem vernünftigen Verhältnis gestanden haben, aber wenn man mal unterstellen will, dass nicht viel dran ist an der üblen Nachrede, so halte ich das rein filmische Ergebnis für eindrucksvoll. Es unterstreicht Herzogs Rang als der letzte große Abenteurer des deutschen Kinos, der allein mit seinen Bildern eine ganze Geschichte erzählen und den Zuschauer in seinen Bann ziehen kann.
Frank Buschmann
Für weitere Infos: OFDb imdb Filmbesprechungen Jump-Cut Entstehungsgeschichte Video Infos Screenshots Download PW
Als Bonus hier die Dokumentation über die Dreharbeiten: Die Last der Träume (1982) von Les Blank [Avi (DivX)] Info & Review
Burden of Dreams dokumentiert den teils chaotischen, teils dramatischen Schaffungsprozess Werner Herzogs wahnwitzigen Filmprojekts Fitzcarraldo (Deutschland/Peru, 1982). Eine der vielen Legenden besagt, Herzog habe sich selbst bei der Konzipierung des Films als den opernbegeisterten Fitzcarraldo im Sinn gehabt, der mitten im Dschungel Lateinamerikas ein Opernhaus errichten und dort Enrico Caruso auftreten lassen will. Dass letztendlich, nachdem Jason Robards krankheitsbedingt ausscheiden musste, Klaus Kinski diese Rolle übernahm, kam dem Film zugute, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der wahre Fitzcarraldo nach wie vor Herzog selbst ist: Genau dies macht Les Blanks Dokumentation offenkundig. Seien es die dramatischen politischen Umstände, die den ersten Dreh - bereits im Jahr 1979 - sabotierten, sei es Robards' Ausscheiden aus der Produktion nach bereits drei Monaten Dreharbeit oder aber die Sysiphosarbeit, die Indianer, die zum Teil noch nie ein Kino zu Gesicht bekommen hatten, von dem Projekt zu überzeugen, wie, dem angeschlossen, die unwahrscheinliche logistische Arbeit, ein Schiff nicht nur durch Stromschnellen zu jagen, sondern, analog zur titelgebenden Figur, unter Inkaufnahme größter Risiken über einen Berg zu ziehen. Eine Zitterprobe, dieser Film, drei beschwerliche Jahre lang, der zusehends seine Spuren in Herzogs anfangs noch geradezu jugendlichem Gesicht hinterlässt. Les Blanks Film über diese Dreharbeiten ist ein spannendes Dokument, zum Teil nervenaufreibender als Herzogs Meisterwerk selbst und voller Fragen der Moral und der Notwendigkeit der steten Positionierung in einem Projekt wie diesem. Weder Herzog noch dieser Film weichen ihnen aus, immer wieder erlebt man Herzog alleine, weitab von den Dreharbeiten, über sein Projekt und seine Legitimität, sein Verhältnis zu diesem Land, dieser Kultur sinnierend. Abenteuerfilme, gerade solche, die von der Reise aus dem Herzen der eigenen Kultur hinaus in das Unbekannte erzählen, haben immer auch die Aufgabe, vom Einzelnen und seinem Schicksal abstrahierende Fragen zu stellen. Indem er das Abenteuer Fitzcarraldos zu seinem eigenen machte, den Dreharbeiten eines Abenteuerfilms ein wahrhaftiges Abenteuer zur Bedingung der Möglichkeit machte, wird Herzog - in einem anderen, in diesem Film - selbst zu jener archetypischen Figur. Ob es das alles wert war? Ein anderer Film ist die Antwort.
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gruß evilemo |