Synopsis:
The Quays? masterpiece, STREET OF CROCODILES is adapted from a short story by Bruno Schulz, and was their first film shot on 35mm. A museum keeper spits into the eyepiece of an ancient peep-show and sets the musty machine in motion, plunging the viewer into a nightmarish netherworld of bizarre puppet rituals among the dirt and grime.
Review:
Die "Straße der Krokodile" ist eine Welt, jenseits unserer rationalen Vorstellungskraft. Im ländlichen Polen, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, da liegt jene "Straße der Krokodile". Diese Straße ist allerdings ein ganzes, bevölkertes Land ? hier leben eigenartige Porzellanpuppen, die jedoch seelenlos sind. Das Land an sich ist ein lebender Organismus, während sich seine Bewohner immer mehr von humanoiden Verhaltensweisen entfernen und sich nur noch wie Maschinen bewegen können. In Gang gebracht werden die unheimlichen Vorgänge der Krokodilstraße erst, als ein Fürsorger, der dieses Land unter einem Kinetoskop in einem alten Museum entdeckt hat, in das Miniaturland hineinspuckt. Die menschliche Spucke aktiviert und startet diesen unfassbaren, faszinierenden Film: "Street of Crocodiles".
Stephen und Timothy Quay haben mit "Street of Crocodiles" ihr Meisterwerk gedreht. Basierend auf den polnischen Schriftsteller Bruno Schulz entwickelten sie eine alptraumhafte Welt, die aber durch den Schnitt und die Kamerabewegungen zu einer nicht zu hinterfragenden Realität wird. Der Protagonist der Parabel, die animierte Figur, die optisch und gestisch noch am ehesten an die Spezies Mensch erinnert, wandert erschreckt durch jene Welt, die wie ein Ghetto aus einem fantastischen Niemandsland aussieht. Um ihn herum, dreckige, befleckte Glasscheiben, verkommene, dunkle Gassen und verselbstständigte, rostige Schrauben. Während seiner Erkundung der "Straße der Krokodile" bleibt die Kamera meist hinter dem erkundenden Wesen, bewegt sich vorwärts, wenn es sich selber vorwärts bewegt, harrt aus, wenn es ebenso ausharrt. Die berühmten, präzisen vertikalen und horizontalen Schwenks, die als "point-of-view"-Einstellungen zu interpretieren sind, lassen uns direkt aus der Sichtweise des Protagonisten sehen und erleben. Dadurch, dass die Kamera selten statisch das Geschehen beobachtet, sondern sich immer um die Ereignisse herumkreist und uns in diese mit hinein bezieht, vergessen wir schnell, dass die Handlung einer animierten Puppenminiatur entspringt und keinen realistischen Ort mit für uns passförmigen Ausmaßen darstellt. Die Quays spielen mit unserer Sichtweise und mit unserer Akzeptanz für Raum und Zeit durch die Kamera, wie mit ihren Marionetten und Puppen. Dadurch wird ihre "mise en sc?ne" zu einem dritten Puppenspieler, der uns nicht nur die Illusion der Bewegung der Puppen, sondern auch die Illusion der Wahrhaftigkeit vermittelt.
Das perfekte Publikum für "Street of Crocodiles" ist mit Schulz' Werk vertraut, denn eine wirklich nachvollziehbare und komplett deutbare Narration bieten uns die Quay-Brüder nicht. Es sind eher visualisierte Assoziationsfetzen, deren Bedeutung für den nicht mit Schulz bekannten Zuschauer schwer verständlich sein dürfte. Sicherlich aber funktioniert "Street of Crocodiles" auch als poetischer Animationsfilm lediglich über seine Bilderflut. Die filmische Verzauberung von banalen Alltagsgegenständen, wie etwa die Schrauben, deren langweilige Gewöhnlichkeit hier durch die surreale Animation ad absurdum getrieben wird, wirkt auch ohne literarische Vorkenntnisse. Die Szenen zwischen der menschlichen, dem Autor Bruno Schulz nachempfundenen Puppe und den schrecklichen Porzellanfiguren, denen die Augen fehlen, sind faszinierend, enigmatisch und fesselnd ? auch ohne profundes Wissen über die Vorlage.
"Street of Crocodiles" ist mit Sicherheit einer der besten Animationsfilme aller Zeiten. Sein Porträt eines Polen voller Schrecken und Furcht, inklusive der herannahenden Bedrohung eines totalitären Regimes, ist erschreckend, furchteinflössend und klaustrophobisch. Und doch dank der flüssigen Animation, der technisch versierten Schnitt- und Kameratechnik und des eindringlichen Scores von Lech Jankowski ist "Street of Crocodiles" vor allem eins: Faszinierend. Eine faszinierende, filmische Erfahrung voller Ideen und Bedeutungen ? selten war Animation so rein und ausnahmslos Filmkunst wie hier.
Für weitere Infos:
http://www.imdb.com/title/tt009...tt0092020/