Produktionsland,-jahr:
USA, 2002
Regie:
Larry Clark
Drehbuch:
Larry Clark, Harmony Korine
Darsteller:
Adam Chubbuck, James Bullard, Seth Gray
Story:
Ken Park (Adam Chubbuck), Shawn (James Bullard), Peaches (Tiffany Limos) und deren Freunde sind scheinbar normale Jugendliche, die ihr Leben in einer kleinen Stadt in Kalifornien führen. Hinter der Fassade tun sich jedoch Abgründe auf: Ken erschiesst sich, Peaches wächst ohne ihre Mutter auf, dafür aber mit ihrem geisteskranken Vater, und Shawn hat nicht nur ein sexuelles Verhältnis mit seiner Freundin, sondern auch zusätzlich noch mit deren Mutter ...
Meinung und Hintergründe zum Film:
Eines muss man Regisseur Larry Clark lassen: er schafft es, zu provozieren. Sein Erstling "Kids" hat eine ähnliche Thematik wie der vorliegende "Ken Park": als Momentaufnahme erhält der Zuschauer einen Einblick hinter die Fassade scheinbar normaler Jugendlicher, dabei wird darauf geachtet, dass die Art der Inszenierung möglichst skandalös ist. In "Ken Park" wird daher in Großaufnahme onaniert und ejakuliert, Gruppensex betrieben und gepinkelt.
Eine erotische Seite ist den expliziten Sexszenen jedoch nicht abzugewinnen, geradezu mechanisch sind diese geraten. Wenn der Zuschauer dann noch Zeuge wird, wie Tate (James Ransone) sich zwecks sexueller Luststeigerung halb stranguliert, und sich beim Gestöhne von im TV Tennis spielenden Frauen selbstbefriedigt, weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Unverständlich auch, inwiefern solche Szenen den ohnehin mit wenig Handlung ausgestatteten Film voranbringen sollen. Es liegt der Verdacht nahe, dass solche Bilder einfach nur den Sinn haben, den Zuschauer ohne Sinn und Verstand zu schockieren. Etwas interessanter ist da schon die Episode um Claude (Stephen Jasso) und seinen trinkenden und arbeitslosen Vater (Wade Williams) geraten, der, abgesehen von Bier und Body Building, keine Interessen hat, außer seinen Sohn zu triezen. Eines Nachts eskaliert die Beziehung zwischen den beiden, als der Vater volltrunken und lüstern in das Bett seines Sohnes steigt. Auch die Geschichte um Peaches (Tiffany Limos) und ihren Vater (Julio Oscar Mechoso) kann überzeugen. Peaches Mutter starb früh, seitdem wohnt sie allein mit ihrem Vater zusammen. Dieser wirkt zunächst zwar etwas neben der Spur, da er sich vollkommen in die Religiösität flüchtet, macht aber ansonsten einen ruhigen und sympathischen Eindruck. Wie man sich als Zuschauer täuschen kann, wird im Laufe des Films schockierend gezeigt ..
Die Darsteller sind zum überwiegenden Teil Laienschauspieler. Regisseur Larry Clark beabsichtigt mit diesem Kniff wohl, seinem Film etwas mehr Authentizität zu verleihen - vielleicht war aber einfach nur kein echter Schauspieler bereit, sich derart vor der Kamera zu entblößen. Letztendlich hilft diese Idee dem Film aber nicht, weil die Geschichten überwiegend unglaubwürdig und maßlos übertrieben sind. Würde die Jugend wirklich nur aus Geistesgestörten und Psychopathen bestehen, wie sie in "Ken Park" gezeigt werden, wäre es um die Zukunft der Menschheit schlecht bestellt. Zum Glück sieht die Wirklichkeit anders aus, und so kann sich, wer mag, 90 Minuten lang von Larry Clark in "seine" Welt entführen lassen und sich mehr oder weniger interessante Geschichten ansehen, die keinen Anfang und kein Ende haben, dafür aber zwischendurch Genitalien in Großaufnahme zeigen. Man kann es aber auch bleiben lassen.
http://www.ofdb.de/view.php?page=rev...2368&rid=94868