Mifune - Dogma 3 erzählt die Geschichte einer Heimkehr. Der junge Karrierist Kresten erfährt am Morgen nach der Hochzeitsnacht vom Tod seines Vaters, den er der Braut verheimlicht hat. Er reist von Kopenhagen nach Lolland, um die Nachlassverwaltung mit einer Haushälterin, die er kurzfristig engagiert, in ein paar Tagen zu klären. Auf dem verwahrlosten Erbhof begegnet er seinem geistig zurückgebliebenen Bruder Rud -- und der gemeinsamen Vergangenheit, die ihn nicht mehr loslässt.
Wacker versucht Kresten die Maske des arrivierten Yuppies zu wahren, die Marotten seines Bruders zu bändigen und bei der Hühnerjagd eine gute Figur vor der Ex-Prostituierten Liva abzugeben. Nichts davon klappt -- Kresten muss machtlos mit ansehen, wie die Inszenierung seines Lebens scheitert. "Back to the roots" lautet das Motto -- schon bald spielt Kresten mit Rud wieder Mifune, ein Spiel ihrer Kindheit. Mifune, eine Fantasiegestalt zwischen Samurai und Außerirdischem, wird dabei zur Chiffre für Glück und Geborgenheit jenseits der Lüge. Begriffe wie Verantwortung und Liebe füllen sich für den unfreiwilligen Aussteiger wieder mit Inhalten. Seine Entwicklung scheint wie ein surreales Märchen und beinhaltet doch eine gute Portion Zivilisationskritik.
Mifune ist nach Idioten und Das Fest der dritte Film, der sich an die Forderungen des "Dogma 95"-Manifests hält: Einsatz von Handkamera und Direktton, Verweigerung von Kunstlicht und Kulissen. Doch was S?ren Kragh-Jacobsen mit augenzwinkernder Leichtigkeit inszeniert, nimmt sich im Vergleich zu den Dramen seiner Vorgänger wie ein Satyrspiel aus. An die Stelle von Verstörung treten Humor und Ironie, anstatt konventionelle Sehgewohnheiten zu schockieren, setzt die realistische, hochexpressive Erzählung ein Plädoyer für Glück und Optimismus. Ein Film wie frischer dänischer Küstenwind!
Kritiken
* "Der Spiegel" (21/1999) meint, der Film von S?ren Kragh-Jacobsen sei braver ausgefallen als die vorhergehenden Dogma 95-Filme "Das Fest" und "Idioten". "So wird aus innovativen Billigfilmen schnell konventionelles Autorenkino."
* Im Lexikon des Internationalen Films findet der Filmkritiker Ralf Schenk an Mifune "ungetrübtes cineastisches Vergnügen". An Stelle abgrundtiefer Verstörung bei den anderen Dogma-Filmen sieht er hier die Lust am Komischen, an Stelle der spröden Verunsicherung das unterhaltsame Plädoyer für Glück durch Harmonie. Unverkennbar sei aber bei allen Dogma-Filmen, so auch bei "Mifune", die Nähe zu Ingmar Bergman.
* Filmspiegel.de: "Einfühlsame, humorvolle Charakterstudie mit bemerkenswerten Darstellern. Technisch stilisiert."