
Review
Tony Conrad - The Flicker (USA, 1965) ofdb
Tony Conrads "The Flicker" beinhaltet kein einziges herkömmliches Bild, so wie es im traditionellen Erzählkino vorkommen mag. "The Flicker" besteht, mal abgesehen von den anfänglichen Titelkarten, nur aus einzelnen schwarzen und weißen Filmbildern, die abwechselnd und in stetig variierenden Rhythmus gezeigt werden. Diese erzeugten Lichtblitze steigern sich im Laufe des Films immer wieder zwischen einer Rate von 4 Blitzen pro Sekunde, bis hin zu 24 pro Sekunde. Dadurch erreicht Conrad einen flimmernden Stroboskopeffekt, der uns wortwörtlich halluzinieren lässt. Am Höhepunkt des Films hat jeder konzentrierte Zuschauer seine individuelle "Flicker"-Erfahrung: Durch die extremen Rhythmen wird direkt das zentrale Nervensystem des Menschen angesprochen, das im Hirn Formen, Farben und Verschiebungen kreiert, die von Vorstellung zu Vorstellung und von Zuschauer zu Zuschauer inkongruent auftreten.
Zu Beginn steht eine Warnung. Epilepsiekranke mögen den Vorführungsraum bitte verlassen und jede Vorstellung von "The Flicker" sollte nur mit einem Arzt in der Nähe beginnen. Im Vorfeld des Films wurde aber bereits bestätigt, dass sich diese erste Titelkarte nur an eine Person unter 15000 richtet. Für die restlichen, gesunden Zuschauer bleibt die Warnung kuriose Panikmache. Die restliche Zeit des Films besteht aus den oben erwähnten Schwarz-Weiß-Bildern, die untermalt werden von einem elektrischen Ton, der durch Conrad ohne ein traditionelles Musikinstrument erschaffen wurde. Dadurch, dass er nur an Maschinen Schaltungen vornahm, entsteht ein rhythmischer Ton, der den hektischen Sound des Filmprojektors nachstellt.
Filmtheoretisch ist "The Flicker" ein Meisterwerk ohne Gleichen. Er verschiebt die Aufnahme der "Filmbilder" aus dem sensorischen Bereich, in den neuralen. Die sensationellen Formen, Kreise, Spiralen, Rechtecke, die verschiedenen Farben und die scheinbare Veränderung in der Größe des Bildschirms, die durch die direkte Stimulanz unserer Physiologie hervorgerufen werden, sind die ersten Filmbilder, die wir erst im Gehirn erschaffen, anstatt sie nur vorgefertigt über unsere Augen erfassen. "The Flicker" ist vielleicht der beste des strukturellen Films, eine Erhebung über jegliche Narration oder komplizierte Produktion des Bildes, nur bestehend aus variierenden Frequenzen zwischen Schwarz und Weiß. Ohne ein Bild, einen
Plot, eine Aussage, einen Willen zu vermitteln, fasziniert "The Flicker" durch seine einzigartige Verschmelzung und Beanspruchung unserer ureigenen Lebensvorgänge.
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