Peter Timm - Der Zimmerspringbrunnen Xvid 
Regisseur: Peter Timm
Darsteller: Götz Schubert, Simone Solga, Gustav-Peter Wöhler
D 2001
Videoinfo: Filminfo:
Schon in Go, Trabi, Go hat der ehemalige Kabarettist Peter Timm die Marotten und Sehnsüchte seiner Landsleute nach der Wende liebevoll-komödiantisch auf die Schippe genommen. Mit Der Zimmerspringbrunnen, seiner Verfilmung von Jens Sparschuhs gleichnamigen satirischen Roman, kehrt er nun, gut zehn Jahre später, in die fünf neuen Bundesländer zurück und geht dabei der Frage nach, was sich dort inzwischen verändert hat. Nicht sehr viel und doch auch wieder alles.
Nach der Wende hat Hinrich Lobek (Götz Schubert) seinen Job als Wohnungsverwalter für die Marzahner Plattenbausiedlungen verloren. Nun sitzt er den ganzen Tag in der eigenen Plattenbauwohnung und strapaziert damit die Nerven seiner Frau Julia (Simone Solga). Als Angestellte eines erfolgreichen Architekturbüros kann sie Hinrichs Desinteresse an den neuen Gegebenheiten nicht verstehen. Auf ihr Drängen nimmt er einen Job als Vertreter einer rheinischen Firma an, die scheußlich kitschige Plastik-Zimmerspringbrunnen herstellt. Zusammen mit dem erfahrenen Klinkenputzer Strüver (Gustav Peter Wöhler) soll er den "ostdeutschen" Markt erobern. Eine nahezu unmögliche Aufgabe, bis er zufällig auf die Idee für ein DDR-Modell kommt, das in den Zeiten der allgemeinen "Ostalgie" zum Verkaufsschlager wird.
Der Zimmerspringbrunnen markiert für Peter Timm eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Mehr noch als bei seinen früheren Filmen setzt er hier auf klassische kabarettistische Elemente, die wie die Szene, in der zwei Vertreter im Rahmen eines Firmenseminars ein typisches Verkaufsgespräch simulieren sollen, durchaus auch als Nummern in einem Kleinkunst-Programm denkbar wären. Aber bei aller Selbstständigkeit stehen sie doch nie für sich allein. Jede dieser Nummern dient Timm zugleich zur Charakterisierung seiner Figuren. So etabliert er in dem simulierten Verkaufsgespräch gleich die Gegensätze zwischen Lobek und Strüver. Und man ahnt, dass diese so verschiedenen Männer nur die besten Freunde werden können.
In seiner Darstellung deutscher Befindlichkeit schreckt Peter Timm vor keiner satirischen Vergröberung zurück. Er bringt die Auswüchse eines gedankenlosen westdeutschen Gewinnstrebens, das alles hervorbringen kann, nur keine "blühenden Landschaften", genauso bissig auf den Punkt wie die versponnene DDR-Nostalgie, mit der Menschen wie Lobek auf die gesamtdeutsche Wirklichkeit reagieren. Aber trotz aller extremen Pointierungen und überspitzten Gags verliert Timm nie sein Auge für die Figuren und ihre hervorragenden Darsteller. Die "Wessis" und "Ossis", deren Erfahrungen in Der Zimmerspringbrunnen auf höchst unterhaltsame Weise immer wieder miteinander kollidieren, sind alle auf die eine oder andere Art Verlierer, selbst wenn sie am Ende dann doch noch als Gewinner dastehen. Und es sind gerade ihre Unzulänglichkeiten, ihre meist ziemlich skurrilen Macken, für die man sie umso mehr liebt.
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