Lilja 4-ever ist ganz schön hartes Futter. Lukas Moodysson (Fucking Amal)zeichnet ein düsters und realistisches Bild eines heruntergekommenen, jungen Lebens. Lilja wird von der Mutter im Stich gelassen, die sich mit ihrem neuen Freund auf und davon macht und nur leere Versprechungen für ihre Tochter bereithält. Und wer soll sich nun um Lilja kümmern, wenn nicht sie selbst? Doch woher soll eine 16-jährige, die noch zur Schule geht, die Erfahrungen und die Kraft nehmen, ein eigenes Leben aufzubauen, vielmehr ein Überleben zu erkämpfen an einem Ort, der kaum Zukunft verspricht? Die Tante hat weder die Kraft noch den Willen und so ist nur Volodya Artyom Bogucharsky mit Verständnis und Freundschaft zur Seite, seinerseits noch jünger und längst selber an familiären Auseinandersetzungen gescheitert. Lilja schlittert in den Rotlichtbereich ab, aber endlich kann sie sich etwas leisten. Was für ein radikaler Gegensatz für ein Mädchen, das in seiner ersten grossen Liebe endlich ein besseres Leben zu sehen meint und der absehbaren Konsequenz nichts entgegenzuhalten hat.
Es kommt nicht von ungefähr, dass eine solche Geschichte in den Händen von Lukas Moodysson kaum zu überschwenglichem erfüll-dir-deine-Träume Kitsch verkommt. Der Film bleibt durchgehend auf seiner beklemmend brutalen Realitätslinie, verharrt in grauen, unheilvollen Bildern, umkreist von depressiven Stimmungen und zeichnet ein zutiefst menschliches, aber auch rücksichtsloses Abbild der Aussichtslosigkeit. Ein hartes, aber ebenso wertvolles Stück Kino, für den Europäischen Filmpreis als bester ausländischer Film nominiert.