Cascara - eine kleine Karibikinsel, formeller Bestandteil desglorreichen britischen Empire... nur leider haben Königin undVaterland den windigen Felsbrocken mehr oder weniger vergessen.Gouverneur Thwaites bringt sich gelegentlich mit verärgerten Memosin Erinnerung, pflegt ansonsten seine Grasplantage und plagt sichgelegentlich mit der zwei Mann starken "Cascara-Befreiungsarmee"des "singenden Rebells" Delgado Fitzhugh. Doch eines Tagesüberschlagen sich die Ereignisse - Karrierediplomat Sir Malcolm hatdem debilen Außenminister die Zusage abgerungen, Cascara evakuierenund als Atommüllkippe verwenden zu dürfen, die amerikanischeÖlfirma Spenco, die vor dreißig Jahren mal vergeblich nach Ölgesucht hat, dreht einen Werbespot auf der abgehalftertenBohrplattform, was Delgado fälschlicherweise annehmen lässt, manhätte tatsächlich schwarzes Gold gefunden und ihn sofort einZweckbündnis mit professionellen kubanischen sozialistischenUmstürzlern schließen lässt. Tatsächlich bohrt das Spenco-Team einunterirdisches Reservoir an, doch statt Öl sprudelt allerfeinstesMineralwasser aus der Quelle. Clever handelt Thwaites einen Dealmit den Yankees aus, der den Fortbestand der Insel gewährleistet.Das wiederum kann sich die britische Premierministerin nicht bietenlassen und beauftragt Sir Malcolm, heimlich die revolutionärenTruppen Delgados zu unterstützen, doch dazu kommt er gar nichterst, da der prophylaktisch eingeknastelte Revoluzzer, dermittlerweile von einer amerikanischen Umweltaktivistin, die reinzufällig die Tochter des Spenco-Bosses, moralisch unterstützt wird,von den Kubanern befreit wird. Thwaites, bei der Befreiungsaktionzufällig anwesend, wird gekidnappt, doch auf der Flucht in dieBerge gelingt es dem Gouverneur, die Kubaner auszutricksen und sichmit Delgado zu verbünden. Ehe er sich's versieht, findet sich diebeschauliche Insel im Mittelpunkt der Weltpolitik wieder und wirdvon amerikanischen Marines, britischen Spezialtruppen undfranzösisch bezahlten Söldnern (da die Franzmänner ihrMineralwasser-Monopol gefährdet sehen) bedroht...
Der Film: Ein weiteres Exemplar aus der Abteilung "essentielle80er-Filme". Die satirische Polit-Comedy aus der Werkstatt vonGeorge Harrisons "Handmade Films" gehört zu den von vielengeliebten Streifen, die lange, viel zu lange auf eineDVD-Auswertung warten mussten. Sunfilm sei dank wurde dieseempfindliche Lücke im Regal genialer britischer Komödien nunendlich (und mit ewiger Verspätung) geschlossen.
Dabei ist "Wasser", vom scharfzüngigen Witz mal abgesehen, vom"Feeling" her absolut unbritisch (aber das Klischee des steifenBriten nimmt der Film auch selbst aufs Korn). "Wasser" ist, seinerLocation angemessen, eine entspannte Angelegenheit imReggae-Rhythmus, die sich idealerweise mit einem der auch in Bezuggenommenen leckeren Drinks mit einem Schirmchen drin und (optional,soll ja keiner behaupten, ich würde Drogenkonsum propagieren) 'nemkleinen Joint zwischen den Lippen genießen lässt.
Und das interessanterweise gemacht von Leuten, die man nichtunbedingt auf der Rechnung haben musste, es sei denn, man warwirklich Experte britischen Comedy-Fernsehens, das nicht aus derMonty-Python-Ecke kommt (im übrigen wollen wir einen Vergleich malgleich aus dem Weg räumen - "Wasser" und Monty Python sind ungefährso gut vergleichbar wie die Tagesthemen mit den "Freitag NachtNews"; bei den Pythons regierte der Wahnsinn, da wusste man nie,was als nächstes passiert, während "Wasser" einfach schön im Flussist) - Dick Clement und Ian LaFrenais (Regisseur/Co-Autor undCo-Autor) arbeiteten schon seit Mitte der 60er Jahre anverschiedenen TV-Comedy-Formaten zusammen ("The Likely Lads","Porridge") und waren 1979 auch für die ziemlich verkorkstePeter-Sellers-Adaption des Abenteuer-Standards "Der Gefangene vonZenda" schreiberisch verantwortlich, außerdem legten sieunkreditiert Hand an den "inoffiziellen" Connerey-Comeback-Bond"Sag niemals nie". LeFrenais schrieb später den Kult-Klassiker "TheCommitments". Der amerikanische Co-Autor Bill Persky hatte sichseine Sporen als Funny-Writer mit den US-Comedyshows "McHale'sNavy", "The Julie Andrews Show" und Arbeiten für Dick van Dyke undBill Cosby verdient.
"Wasser" ist, wie schon erwähnt, eine Satire, deren Zielobjektunschwer zu definieren ist - einerseits die Kolonialpolitik desbritischen Empire in seinen allerletzten Zuckungen (klar, dass auchdie Falklands angesprochen werden), andererseits, nur notdürftigstgetarnt, die Öl-Politik der Großmächte und -konzerne. Dabei gelingtdem Streifen das Kunststück, trotz aller angebrachten satirischenÜbersteigerungen im Grunde glaubhaft zu bleiben (im Vergleich z.B.zur zwar auch unterhaltsamen, aber im direkten Vergleich geradezukindlich-plumpen Holzhammer-Satire "Whoops! Apocalypse" aka "Zuspät! Die Bombe fliegt!", ebenfalls aus britischer Manufaktur)."Wasser" hat nur ganz selten groben Humor nötig (z.B. wenn's gegendie von allen Briten immer heißgeliebten Franzosen geht), sondernverlässt sich ansonsten auf subtile Spitzen und das herausragendecharacter interplay zwischen Klischeefiguren wie dem äußerlichsteifen, hippokritischen Diplomaten, der hysterischen Gouverneurs-Gattin und dem naiven Umweltseelchen auf der einen und neuen,unverbrauchten, frischen Charakteren wie dem kiffenden Gouverneuroder dem Möchtegern-Revolutionär, der nur noch singendkommuniziert. Das sorgt für jede Menge gute Laune - man wird sichnicht permanent auf die Schenkel schlagen vor Lachen (obwohl einigegrandiose Gags enthalten sind), aber mit ziemlicher Sicherheit überdie komplette Laufzeit ein wohlwollendes Grinsen spazierentragen,dafür sorgen gelungene, pointierte Dialoge, geschickt eingesetzteSituationskomik und, wenn's der Sache dienlich ist, auch malSlapstick - eine nahezu perfekte Mischung mit vielen vielenmemorablen Szenen und Witzen.
Dick Clement kann da auf dem Regiestuhl schon fast nichts mehrfalsch machen, weil das Script einfach hervorragend funktioniert.Demzufolge verzichtet er auch auf inszenatorische Mätzchen, sondernüberlässt das Feld seinem gut aufgelegten Darstellerensemble undder eindrucksvollen Naturkulisse des Drehorts St. Lucia. SeineRegie ist unauffällig, drängt sich nicht auf, leistet sich aberauch keine Ausfälle. Das Tempo des Streifens ist angenehm, nicht zurasant - man läuft also kaum Gefahr, mal einen Gag zu verpassen -,aber auch nicht zu träge, um Langeweile aufkommen zu lassen.
Die Musik ist der Location angemessen reggaelastig, für die meistenSongs zeichnet Eddy Grant (80er-Reggae- Pop-Ikone, "ElectricAvenue", "Gimme Hope Jo'Anna") verantwortlich; für das Finale wirdsogar eine Allstar-Band mit Ringo Starr, George Harrison, EricClapton und Jon Lord aufgefahren, da tränen dem Rockfan die Augen.
Schauspielerisch wird Ansehnliches geleistet - Michael Caine, derin seinem Leben neben etlichen Klassikern auch einiges an Schrottabgedreht hat (man denke an "Der weiße Hai IV") ist als kiffenderGouverneur einfach umwerfend - er muss nicht übertreiben, verfälltnicht in dumpfes Overacting, sonder ist ganz einfach, ichwiederhole mich, fürchte ich, "entspannt". Im krassen (und imKontext absolut passenden) Gegensatz dazu steht Brenda Vaccaro("Airport '77", "Capricorn One", "Supergirl") als seintemperamentvoll-hysterisches Eheweib. Valerie Perrine ("Superman","Der elektrische Reiter", "Was Frauen wollen") fällt alsnaiv-blondes Umweltengelchen etwas ab (wobei ihr die Rolle auch nureine wirklich gute Szene angedeihen lässt), dafür ist BillyConnolly ("Lemony Snicket", "Der letzte Samurai", "Bullshot") alssingender Rebell Delgado einfach hinreißend lustig. LeonardRossiter ("2001", "Britannia Hospital"), der die Premiere des Filmsleider nicht mehr erlebte, brilliert als verknöcherter Diplomatmit, ehm, obskuren sexuellen Fetischen. In einer Mini-Nebenrolle als französischer Söldner ist übrigens Alfred Molina ("Magnolia","Grabgeflüster", "Spider-Man 2") zu entdecken.
Bildqualität: Sunfilm liess sich mit der Veröffentlichung desTitels laaaange Zeit (angekündigt wurde der Film schon mit demersten Schwung von Handmade-Titeln wie "Time Bandits" und "FiveCorners"), aber das Warten hat sich gelohnt, denn nun liegt einsuperbes High-Definition-Master der englischen Kinofassung vor,dessen anamorphe (1.85:1-) Abtastung über jeden Zweifel erhaben istund "Wasser" schlichtweg fantastisch aussehen lässt. Der kleineWermutstropfen ist, dass diese Fassung eine dreißigsekündige Szeneentbehrt, die in der deutschen Kino- und Fernsehfassung enthaltenist (im Gegensatz zu ca. 8 Minuten Material, auf das wir Krautsbislang verzichten mussten). Da aus qualitativen Erwägungen eine"seamless branching"-Lösung offensichtlich nicht gangbar war,machte Sunfilm aus der Not eine Tugend und liefert die altedeutsche Fassung (open matte, in nicht wirklich guter Bildqualität)auf einer eigenen DVD mit (etwas rätselhaft ist allerdings dieEntscheidung, die "kurze" und qualitativ schlechtere deutscheFassung zur "DVD 1" zu machen und die vollständigere und wesentlichbessere englische Version zum "Bonusmaterial" zu machen). Diedefinitive "Wasser"-Fassung kann das 2-Disc-Set also nichtanbieten, ich verzichte allerdings in diesem Fall dankend auf dieeine fehlende Szene in der UK-Version, denn in Sachen Bildqualitätlässt sich die wohl kaum noch steigern und wenn ich die Wahl habezwischen 8 "neuen" Minuten und 30 "fehlenden" Sekunden, ist meineWahl eindeutig...
Fazit: Ich war gespannt, ob "Wasser", einer meiner persönlichen80er-Kultfilme, die ich aber seit Ende der 80er nicht mehr gesehenhatte, dem Zahn der Zeit erfolgreich widerstehen konnte - es gibtgenügend Filme aus dieser Dekade, die nicht unbedingt zu ihremVorteil gealtert sind. "Wasser" allerdings erweist sich auch anno2006 noch als Volltreffer, ist vielleicht in seiner politischenAussage aktueller denn je und vor allen Dingen - immer noch einRiesenspaß. Kein laugh-a-minute, kein Film der ganz großenBrüllergags, aber einfach eine extrem lässige und trotzdem nettsubversive Komödie mit blendend aufgelegten Stars wie Caine undConnolly und unheimlich groovendem Reggae- Soundtrack. Gepaart mitder superben Qualität der englischen Kinofassung kann das nur einsergeben - eine felsenfeste Kaufempfehlung!
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