Früher waren die Simpsons die Größten - heute sind sie bigger than life. Nicht mal das Überfahren von Landesgrenzen rettet einen dieser Tage vorm gelben Filmplakatwald und vor um sich greifender Donuthysterie. Nicht, dass man sich unbedingt Rettung wünschte. Schließlich ist es schön, dass die Springfielder Chaotensippe nach erfolgreich auskurierter Witzabwanderung zu Matt Groenings geflopptem Zweitprojekt "Futurama" wieder obenauf ist. Aber dass einem just zum Filmstart auch in der Sachbuchabteilung Simpsons-Lektüre mit dem hochtrabenden Zusatz "und die Philosophie" in die Hände fällt, fordert Skeptizismus. Doch der ist angesichts des vorgelegten Bändchens so ungerechtfertigt wie das Serien-Aus von "Futurama". Denn die Essaysammlung, zu der fast ein Dutzend (Assistenz-)Professoren beitrugen, ist bereits sechs Jahre alt - und alles andere als ein hastig zusammengestümpertes Buch zum Hype. Zwar ersetzt die Lektüre weder das Simpsons-Gucken noch den Philosophiekurs, aber Homer mal durch die Aristoteles-Brille zu sehen, Nietzsches Tugenden des Bösen auf Bart anzuwenden oder die kantsche Perspektive des familiären Moralgefüges zu beleuchten kitzelt auf angenehme Weise den Geist. Und ja: Lustig ist's auch noch. (kab) kulturnews.de