Wecker, Konstantin - Die Kunst des Scheiterns
Wecker, Konstantin - Die Kunst des Scheiterns

Kurzbeschreibung
Guter Rat scheint heutzutage nicht mehr teuer. Literarisch gesehen. Beschreiten die einen den schon reichlich ausgetretenen Jakobsweg, um von ihrer Selbstfindung Meldung zu machen, so empfehlen andere Zeitgenossen, sich selbst mehr zu lieben. Innehalten, Loslassen, Selbsterkenntnis, Läuterung, das moderne Mantra der Menschwerdung. Der Mann, um den es hier geht, weiß es allerdings besser. Er hat die Tiefen, präziser, die Untiefen des Daseins mehr als gründlich ausgelotet. Und wenn eine Koryphäe wie der berühmte Psychoanalytiker Arno Gruen von einem „bewegenden Buch“ spricht, „voller Kühnheit, Mitgefühl, Kreativität […] und politische[r] Intelligenz“ – dann spürt man ein wenig vom Gewinn, der jedem Scheiternden winkt. Konstantin Wecker hat ein großes Hörbuch inkl. Songs vorgelegt!
Doppel Audio-CDs
340mb
Laufzeit ca. 9:15 Stunden.
mp-3
Bitrate 320
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Rezension :
Dem Blick Weckers auf dem Titelbild konnte ich nicht ausweichen. Dem Titel noch weniger. Also las ich mein erstes Wecker-Buch, was natürlich nicht genau stimmt, da mich seine poetischen Liedertexte beinahe so lange begleiten wie die von Bob Dylan. Allerdings verlor ich den Anschluss in den Neunzigerjahren nach einem Konzert, das offenbar in die Phase fiel, in der Konstantin Wecker Kunst und Leben nicht mehr so auf die Reihe brachte. Das ganze Drogentheater interessierte mich dann so wenig, dass ich nicht einmal merkte, dass es irgendwann wieder vorbei war.
Nun wird der Wecker also sechzig und erinnert mich daran, wie lange mein eigener Lebensfaden bereits ist. Doch wenn ich die acht Bilder betrachte, die Weckers biografische Stationen exemplarisch wiedergeben, wirkt er 2006 sehr viel jünger als 1995. Zumindest zufriedener. Scheitern als Notwendigkeit zur Selbstfindung? Herbe Schicksalsschläge führen umherirrende Menschen nicht automatisch ins Paradies der Gelassenheit. Zum Schicksal gehört auch, ob eine Krise genutzt wird. Wie weit wir darauf überhaupt Einfluss haben, weiss ich nicht. Aber die Lektüre von Konstantin Weckers Buch bestätigt zumindest meine eigenen Erfahrungen vom Scheitern. Nichts und niemand waren für meinen Weg wichtiger als meine Tochter. Und dennoch, ein behindertes Kind wünscht man sich ebenso wenig wie den Absturz in die Drogenhölle.
Wenn sich alte Wecker-Fans darüber ärgern, dass ihr Held nicht mehr bei jeder Demo dabei und bei jedem bürgerlichen Anlass draussen ist, haben sie wohl wenig von seinen Texten begriffen. Widerstand hat viele Formen. Auf die Präsentation selbst gebackener Erfolgsrezepte zu verzichten, ist eine davon. "Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben", meinte Goethe. Die Kunst des Scheiterns besteht darin, in das Gelächter der Götter über unsere Illusionen einzustimmen. Konstantin Wecker als lächelnder Rebell gegen die Erfolgsmacher und Glückstrainer, das gefällt mir und deutet auf Seelenverwandtschaft hin.
Mein Fazit: Wären Bewertungen nur der Massstab, wie weit sich Glaubensmodelle decken, könnte ich den meisten Lebensratgebern nicht mehr als einen Stern verleihen. Gerade weil Konstantin Wecker kein Rezeptbuch verfasst, wie das eigene Leben zu meistern sei, setzt er Zeichen, an denen wir uns orientieren können. Zumindest jene Leser, die nicht daran glauben, das Leben lasse sich durch positives Denken und merkwürdige Übungen in den Griff kriegen. Die Lektüre dieses Buches hat mich berührt. Schön, dass nun wieder Wecker-Lieder durch die Räume klingen.
Über 30 Jahre Erfolg als Liedermacher, Poet, Musical- und Filmmusikkomponist, Schauspieler, Systemkritiker. Und doch: Das Leben ist nichts weiter als eine Reihe von Niederlagen... Was Konstantin Wecker in seinem neuen Buch meint, ist: Die Niederlagen, das Scheitern, die Fehltritte bringen dich im Innern weiter - Erfolge sind rasch eingestrichen und bald schon vergessen. An Krisen reift man. Krisen bewältigt man, und eben weil dieses Bewältigen Arbeit ist, ist man danach, in seinem Dasein, in seinem Leben einen bedeutenden Schritt weitergekommen. Vielleicht gereinigt, vielleicht geläutert, in jedem Fall näher bei sich. Näher an der Frage: Wer bin ich eigentlich? Was will ich? - Keine Angst: Konstantin Wecker hat kein bleischweres Sachbuch geschrieben, wohl aber fast schon altersweise Erkenntnisse versammelt, die mal in lockerer Anekdotenform, mal nachdenklicher und tiefsinniger geschrieben sind. Vor allem aber: Immer stilsicher. Und augenzwinkernd, selbstironisch, gelassener, als ihm das früher möglich gewesen wäre. "Mein Ego ist mir heute nicht mehr ganz so heilig" sagt er im Interview (auf eine Textzeile aus "Genug ist nicht genug" anspielend). Und es stimmt: Jetzt erst - mit 60 und als zweifacher Vater - läßt er ganz neue Töne und Bilder an sich heran, reflektiert vieles mit mehr Abstand. Ohne Anspruch und Biß verloren zu haben. Mit "Die Kunst des Scheiterns" ist Konstantin ein wunderbar lesbares und zugleich geist- und wertvolles Buch gelungen. - Wenn mir dieses Buch nicht beim ersten Anlesen schon so sehr ans Herz gewachsen wäre, ich würd's weiterverschenken, an einen Freund, eine Freundin auf der Suche nach sich selbst. Das Buch trägt Erkenntnisse ein!
Mai 2007 - endlich erscheint das neue Wecker-Buch. Nach dem Roman "Der Klang der ungespielten Töne" dieses Mal ein Buch mit kurzen und kurzweiligen, interessanten und wunderschönen Kapiteln, in denen er wortgewaltig und vom Schreibstil her fast schon romanhaft aus seinem Leben berichtet: So erfährt der Leser Episoden aus Weckers Kindheit, den uferlosen Zeiten im Kaffee Giesing und seinem Scheitern als Inhaber, vom Eispalast in Grünwald, von den meditativen Augenblicken in der Stille bis hin zu dem Erzogenwerden durch die eigenen Kinder.
60 Jahre Wecker, 40 Jahre Bühne und ein neues, wundervolles Buch im Jubiläumsjahr, das man an einem Sonntagnachmittag durchlesen kann, weil man es einfach nicht mehr weglegen mag - 5 Sterne!