England 1123-1173, eine Zeit blutiger Auseinandersetzungen zwischen Krone und Adel, Klerus und Volk. Der junge Prior Philip träumt von einem Zeichen des Friedens, von einer gotischen Kathedrale. Doch bis der kühne Traum Wirklichkeit geworden ist und in Kingsbridge das großartige Gotteshaus endlich emporragt, müssen der Klosterherr, sein Baumeister Tom und die Grafentochter Aliena sich in einem Kampf auf Leben und Tod gegen ihre Widersacher behaupten.
In einem weiten Tal am Fuße eines Hanges, gleich neben einem Bach mit frischem, perlendem Wasser, errichtete Tom ein Haus.
Die Mauern waren bereits drei Fuß hoch und wuchsen schnell. Die Sonne schien, und die beiden Maurer, die Tom angeworben hatte, arbeiteten in gleichbleibendem Rhythmus. Ratsch - platsch - peng machten ihre Kellen, während der Träger unter dem Gewicht der schweren Steinblöcke schwitzte. Alfred, Toms Sohn, mischte den Mörtel und zählte Schaufel um Schaufel den Sand, den er gerade auf ein Brett häufelte. Auch ein Zimmermann war zugegen; er stand neben Tom an der Werkbank und bearbeitete sorgfältig einen Buchenholzblock mit einem Breitbeil.
Der vierzehnjährige Alfred war groß und schlank wie sein Vater. Tom überragte die meisten Männer um Haupteslänge, und Alfred, der noch im Wachsen war, hatte ihn schon fast erreicht. Die beiden sahen einander überhaupt sehr ähnlich, hatten beide hellbraunes Haar und grünliche Augen mit braunen Flecken. Ein hübsches Paar, die zwei, sagten die Leute, wenn sie ihnen begegneten. Sie unterschieden sich im wesentlichen dadurch, daß Tom einen lockigen, braunen Bart trug, während sich auf Alfreds Oberlippe erst ein feiner blonder Flaum zeigte. Tom erinnerte sich voller Zärtlichkeit daran, daß einst auch das Haupthaar seines Sohnes so blond gewesen war.
Alfred wurde nun langsam zum Mann, und Tom hätte es gern gesehen, wenn sein Sohn mit etwas mehr Fleiß und Bedacht bei der Sache gewesen wäre. Der Junge mußte noch eine Menge lernen, wenn er ein Steinmetz werden wollte wie sein Vater. Bisher hatten ihn die Regeln der Baukunst allenfalls verwirrt oder gelangweilt.