Der Hoover Damm ist ein Kind der großen Depression
Der Staudamm würde genug Strom und Wasser liefern, um die Wüsten des Westens erblühen zu lassen und das Antlitz Amerikas für immer zu verändern. Doch seine Träume wurden bald zu Alpträumen: Zwanzig Jahre vergingen mit juristischem Tauziehen und Finanzierungsstreitigkeiten, bis er das Projekt schließlich verbittert aufgab. Erst die verheerende große Depression führte zur Wiederbelebung des Plans, der für Tausende zum Symbol der Hoffnung wurde.
Harte Arbeit bei Temperaturen von 50 Grad im Schatten
Mehrere Ingenieure bewarben sich für das Projekt, doch einer überragte sie alle: der unerbittliche und von seiner Arbeit besessene Frank Crowe. Er konnte unter Tausenden Not leidender Arbeiter wählen, die Schlange standen, um für ein paar Dollar bei Wüsten-Temperaturen von 50 Grad Celsius arbeiten zu dürfen. Es kostete viele Menschenleben, den gesamten Colorado für die Dauer der Bauarbeiten umzuleiten. Mit neu entwickelten Bohrwagen wurden vier riesige Tunnel durch rund 1,5 Kilometer Fels getrieben. Die mit übereinander gestapelten Reihen von 24-30 Bohrern bestückten Wagen bohrten Löcher in die Felswand, die dann mit Sprengstoff gefüllt wurden. Immer wieder kam es zu Kohlenmonoxidvergiftungen und Verletzungen durch Tunneleinbrüche, während die Arbeiter tief im Erdinneren mit schwerem Werkzeug und Dynamit hantierten. Geschwindigkeit ging vor Sicherheit.
Für seine Arbeiter war Frank der liebe Gott und Satan zugleich: sie verpassten ihm den Spitznamen "Hurry Up Crowe" (Macht-voran-Crowe). Am 14. November 1932 (11 Monate früher als geplant) waren sie schließlich so weit, den tosenden Colorado umzulenken. Nun konnten die Arbeiten am eigentlichen Damm beginnen. An seinem Fuß huben einige der ärmsten Arbeiter gut 380.000 Kubikmeter Schlamm aus, bis die Felssohle erreicht war - viele von ihnen starben an Hitzeerschöpfung.
112 Menschen ließen beim Bau der Talsperre ihr Leben
Am gefährlichsten waren die spektakulären Einsätze der so genannten "High Scalers", die sich an den Seitenwänden des Canyons abseilen mussten, um den Fels, an den der Damm angrenzen sollte, durch Sprengarbeiten zu glätten. Man erzählt sich von einer besonders heldenhaften Rettungsaktion, bei der Oliver Cowan, der in schwindelnder Höhe am Seil baumelte, sich weit hinaus schwang, um einen Stürzenden am Bein zu packen. Die Felswand war ein einziges Durcheinander aus Luftschläuchen, Stromkabeln und Kletterern; die meisten Todesopfer gab es durch herabstürzende Gegenstände. Bald bastelten die Arbeiter sich erste, improvisierte Schutzhelme, indem sie Mützen mit Teer bestrichen.
Im Juni 1933 war man so weit, den Beton zu gießen. Das Fundament wurde Pfeiler für Pfeiler errichtet - hätte man es in einem gegossen, wäre so viel Hitze entstanden, dass es erst nach 125 Jahren wieder abgekühlt wäre. Crowe entschied sich für eine ungewöhnlich trockene Betonmischung, die zwar größere Festigkeit versprach, den Arbeitern aber nur wenig Zeit ließ, bevor sie zu erhärten begann. Um diesem Problem zu begegnen, entwickelte Crowe ein neues, komplexes System von Kränen, Seilen und Eimern, um den Beton möglichst schnell zum Einsatzort zu befördern.
Ein Tierney war der erste und der letzte Tote der Baustelle
Die nächsten beiden Jahre gossen die Arbeiter rund um die Uhr Beton - 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Nach sechs Milliarden Kilogramm Beton war der Damm fertig. Am 1. Februar 1935 wurden die Umleitungstunnel gesperrt. Der Colorado floss zurück in sein ursprüngliches Bett, und der Damm wurde in Betrieb genommen. Frank Crowe wurde mit Ruhm überschüttet und kassierte eine Bonuszahlung in Höhe von 350.000 Dollar. Doch der Preis für seinen großen Triumph war hoch. Die vier mörderischen Jahre hatten über 100 Menschenleben gefordert. Eine seltsame Laune des Schicksals: Kurz nach Roosevelts Rede zur Einweihung des Damms stürzte als letztes Opfer des Projekts ein Mann namens Patrick Tierney zu Tode, dessen Vater 13 Jahre zuvor das erste Todesopfer des Dammbaus gewesen war.