King Kong und die weisse Frau (1933) von Merian C. Cooper/Ernest B. Schoedsack Fantasy-Abenteuer - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 910 MB - 95 Minuten
Info & Review
Ein amerikanisches Filmteam und die Diva Ann Darrow reisen zu Dreharbeiten auf eine Dschungel-Insel. Die Insel ist das Reich unzähliger Urwelttiere und der Riesenaffe King Kong wird von den Eingeborenen als Gottheit verehrt. Von Zeit zu Zeit bringen sie ihm Menschenopfer dar. Eines Nachts wird die schöne Ann entführt und von den Wilden zur Opferstätte gebracht. Der Affenkönig verschleppt sie in den Dschungel. Nach der dramatischen Befreiung des Mädchens wird King Kong betäubt nach New York gebracht. Dort soll er in einer Show als das 8. Weltwunder präsentiert werden. Doch mit seinen gigantischen Kräften kann er sich losreißen und flieht mit Ann als seiner Gefangenen durch die Großstadt...
Für weitere Infos: OFDb imdb Wikipedia filmzentrale
Video Infos
Sprache: Deutsch/Englisch
Untertitel: Deutsch
Dateigröße: 910 MiB
Format : Audio Video Interleave
Gesamte Bitrate: 1309 Kbps
Spielzeit: 1h 35min
Verwendetes Programm: VirtualDubMod 1.5.4.1 (build 2178/release)
verwendete Encoder-B: VirtualDubMod build 2178/release
IAS1: Deutsch
IAS2: English
Wer die Nachtigall stört (To Kill a Mockingbird) von Robert Mulligan, 1962 - dt. & engl. - DVDRip - XviD
Infos & Links
Wer die Nachtigall stört
To Kill a Mockingbird, USA 1962
Start: 28.06.1963
Regie: Robert Mulligan
Drehbuch: Horton Foote
Schauspieler: Gregory Peck (Atticus Finch), Mary Badham (Jean Louise „Scout” Finch), Phillip Alford (Jeremy „Jem” Finch), Robert Duvall (Arthur „Boo” Radley), ...
Wer die Nachtigall stört wird in Amerika ganz oben auf der Liste der besten hundert Filme aller Zeiten geführt und ist eines der besten familienorientierten Dramen, das jemals produziert wurde. Der Film, der eine wunderschöne und tief bewegende Adaption des Romans von Harper Lee ist, die für diesen Roman den Pulitzer-Preis bekam, ist von so zeitloser Qualität, dass seine in der Vergangenheit angesiedelte Geschichte (Rassismus in der Zeit der Depression des Südens) auch heute noch, mit seiner Verfechtung von Toleranz, Gerechtigkeit und verantwortlicher Elternliebe, Gültigkeit hat. Es ist verführerisch, diesen Film als einen Film mit einer wichtigen Botschaft zu bezeichnen, der von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen verbindlich angesehen werden sollte, aber dieses fesselnde Gerichtsdrama ist alles andere als unverdaulich oder pedantisch.
Als Atticus Finch, Anwalt in einer kleinen Stadt in Alabama und verwitweter Vater zweier Kinder, bietet Gregory Peck eine seiner besten schauspielerischen Leistungen mit seiner leidenschaftlichen Verteidigung eines Schwarzen (Brock Peters), der fälschlicherweise der Vergewaltigung und des Angriffs auf eine weiße Frau angeklagt ist. Während seine Kinder Scout (Mary Badham) und Jem (Philip Alford) die Realitäten von Rassenhass und irrationalen Vorurteilen kennenlernen, lernen sie ebenfalls, ihre Furcht vor dem Unbekannten, personifiziert durch ihren geheimnisvollen, meistens unsichtbaren Nachbarn Boo Radley (Robert Duvall in seinem brillanten, fast wortlosen Filmdebüt), zu überwinden. Dieses beschwörende und hervorragend fotografierte Drama stellt die Quintessenz der Themen von Harper Lees konsequentem Roman heraus. Der Film bietet den Rahmen für das Beste, was an schauspielerischer Leistung jemals in einem Film zusammengekommen ist und eine seltene Qualität von menschenfreundlichem künstlerischem Talent (eingeschlossen Horton Footes glänzendes Drehbuch und Elmar Bernsteins hervorragende Filmmusik), etwas, was im chaotischen Morast des modernen Kinos fast ganz verloren gegangen ist. --Jeff Shannon
Ripped mit AutoGK (2 Pass Encoding)
Die Video Quali halte ich sehr gut. Obwohl bei der Audioberechnung mir ein Fehler passiert ist, halte ich den Ton für passabel.
Dateigröße: 900 MiB
Format: Audio Video Interleave
Gesamte Bitrate: 1016 Kbps
Spielzeit: 2h 3min
Lawrence von Arabien (1962) von David Lean - Restaurierte Fassung Biographie/Abenteuer/Krieg/Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 2,2 GB - 218 Minuten
Info & Review
Wenn die Welt um einen herum zusammenbricht, ist eine gute Möglichkeit, sich in Traumwelten zu flüchten. Wo ginge das besser als in einem Kino, mit einem wirklich grandiosen Film, der zudem neue Sichten eröffnet? Mir ist das vor fast fünfzehn Jahren so gegangen, als gerade die restaurierte Fassung von ?Lawrence von Arabien? erschienen war. In meiner Heimatstadt fiel das zusammen mit der Wiedereröffnung des restaurierten Premierenkinos, zum ersten Mal in meinem Leben habe ich auf einem Balkon gesessen, modernen Sound und Großbildleinwand genossen, und gezeigt wurde dieser Film, der bis heute ein absoluter Lieblingsfilm geblieben ist, weil er alles in sich vereint, was das Kino für mich ausmacht: Grandiose Schauspieler in noch grandioserer Landschaft, eine packende Geschichte mit Aussage, Musik, die auch nach dem Film noch im Ohr klingt und selbst auf der Soundtrack-CD ein eigenes Leben entfaltet, ohne vom Film unabhängig zu sein, dazu natürlich Überlänge, Brüche, lebensechte Figuren und Sätze, die man nach dem ersten Hören schon mitsprechen kann.
?Lawrence von Arabien? ist im besten Sinne das, was man einen Monumentalfilm nennen kann, und ist im Jahre 2001 in einer Luxusausgabe von Columbia-TriStar auf Doppel-DVD erschienen, die diesem Film mehr als gerecht wird und Maßstäbe für alles weitere setzen kann.
Lawrence von Arabien ist T.E. Lawrence, zunächst ein ganz normaler britischer Offizier im Stabsbüro der britannischen Streitkräfte in Kairo zur Zeit der Kriege in Arabien am Beginn des 20. Jahrhunderts. Ernsthaft interessiert an der arabischen Welt, Mentalität, Lebensweise und Geschichte, bekommt er seine große Chance, als er als beobachtender Assistent in die Wüste in ein Camp geschickt wird. Dort trifft er nicht nur Ali, Diener des Fürsten Feisal, der später sein bester Freund werden wird, sondern ist auch Zeuge eines ersten Aufeinandertreffens zwischen den divergierenden britischen und arabischen (Stammes-)Interessen. Fast bedingungslos stellt Lawrence sich auf die von ihm als rechtmäßig empfundene Seite und bietet sich an, einen Trupp Männer durch eine verrufene Wüste zu führen, um eine für die arabischen Interessen zentral wichtige Hafenstadt einzunehmen und absolviert diese Mission auch erfolgreich. Doch im weiteren Verlauf wird es für ihn immer schwieriger, zwischen britischer Loyalität und arabischer Freundschaft einen gangbaren Weg zu finden, und mit der Eskalation des Kriegs eskaliert auch die Persönlichkeit des nun als ?El Aurens? arabisierten Offiziers und findet grausame Ausflüsse gegenüber Freund und Feind.
Grandios werden in diesem Film die private und die öffentliche Seite der Biographie des Lawrence von Arabien verfolgt. Die große Politik spielt eine Rolle: Entscheidungen von großer Tragweite finden sich beispielsweise in den Szenen, die in Damaskus spielen und in denen Lawrence verzweifelt versucht, die Araber zu vereinigen, oder in denjenigen, in denen die willkürliche Grenzziehung der Engländer und Franzosen beleuchtet wird, die jenseits historischer und ethnischer Gegebenheiten willkürliche Demarkationen vereinbaren, ein Problem, mit dem heute noch gekämpft wird und das etwa in Afrika zu blutigsten Kriegen geführt hat (man denke etwa an Ruanda). Daneben wird aber auch die innere Persönlichkeit des Briten dargestellt, seine ganz persönlichen Kämpfe etwa in der Freundschaft mit Ali oder seine Verzweiflung, als er einen seiner jungen ?Diener?, der in Wirklichkeit eben doch viel mehr ist, im Treibsand verliert. Diese Mischung ist es auch, die den Film über seine überdimensionierte Laufzeit von dreieinhalb Stunden trägt und dafür sorgt, daß der Spannungsbogen nicht zu sehr abfällt.
Damit wären wir dann auch beim Kompositionsprinzip: Der Film ist ganz klassisch aufgeteilt in zwei Hälften, deren zweite etwas kürzer ist, es ist also schon vom Regisseur eine Pause vorgesehen. Begonnen wird mit einer Ouvertüre zu schwarzer Leinwand: Nur Musik stimmt zunächst auf den Film ein, ehe überhaupt zum ersten Mal Bilder zu sehen sind. Zum ersten, aber beileibe nicht letzten Mal übernimmt hier die Musik eine wichtige Funktion. Insgesamt zeigt aber schon diese äußere Ordnung, daß hier eine Orientierung an der klassischen Kultur und insbesondere der Oper erfolgt. Auch das innere Ordnungsprinzip nimmt hierauf Bezug: Einem glanzvollen Aufstieg (im ersten Teil) folgt der tiefe Fall (im zweiten). David Lean, klassisch gebildet auch als Theaterregisseur, zeigt sich hier als Meister der Gattungen und Genres, inszeniert ?Lawrence von Arabien? sowohl mit den Mitteln, die sich die europäische Hochkultur über Jahrhunderte erarbeitet hat, als auch mit explizit filmischen Mitteln, die zu neuen Höhepunkten geführt werden. Die Einführung des Ali etwa gehört wohl zum Aufregendsten, das jemals gedreht wurde, und wirkte stilbildend: Zunächst ist nichts als Wüste zu sehen, in die der einheimische Führer des Lawrence plötzlich erschreckt schaut. Die Kamera verharrt auf dem Horizont, doch weiterhin kann man nichts erkennen, Lawrence selbst greift zum Fernglas, ist aber auch nicht schlauer als wir Zuschauer. Nach endlos erscheinender Zeit taucht ein schwarzer Punkt auf, wird größer und von einer Staubwolke umgeben. Erst nach einigen Minuten werden Umrisse erkenntlich, und dann geht alles ganz schnell, es kommt zu einer Schießerei mit anschließender lakonischer Unterhaltung zwischen Ali und Lawrence. Die Charakterisierung aber ist umwerfend gelungen, denn wer diesen Ali so kennenlernt wie wir Zuschauer ihn hier dank David Lean erleben dürfen, wer dann wie wir Zuschauer die wenigen sich anschließenden gesprochenen Worte hört, weiß genau, mit was für einer Art Person wir es hier zu tun haben. Und der Film gibt uns dann ja auch Recht. Die Regie also ist sowohl in der Personenführung als auch in der Wahl der Mittel meisterhaft, weil eben auch das Beste verschiedener Welten zu einer neuen Einheit verschmolzen wird.
Das nächste Element, das für die Wirkung des hier besprochenen Films garantiert, sind die Bilder. Lean und sein Kameramann legten sich, als der Streifen gedreht worden ist, ganze Tage auf die Lauer, nur um ein bestimmtes Bild, einen bestimmten Sonnenaufgang, drehen zu können, entsprechend hat sich auch die vorgesehene Zahl von Drehtagen vervielfacht. Das Ergebnis aber kann sich sehen lassen, denn es ist nicht anders als perfekt zu nennen: Naturaufnahmen, wie sie kein Wüstenfilm zuvor und hernach jemals wieder hinbekommen hat, nah am Kitsch, aber kontrastiert mit härtester Realität, die das Abgleiten verhindert, etwa in Kampfszenen militärischer oder innerer Natur. Wer etwa den neueren Film ?Hidalgo? gesehen hat und ?Lawrence von Arabien? kennt, weiß, wie stilbildend die Bilder des letzteren gewirkt haben und wie erbärmlich die neuere Kopie dagegen abschneidet, schon von der Kamera her, ganz abgesehen vom Film als Gesamtkunstwerk.
Außerdem ist die Musik ganz entscheidend: In kaum einem anderen Film, abgesehen vielleicht von einigen Werken Stanley Kubricks, ist der Soundtrack und die Tonspur so gekonnt und künstlerisch eingesetzt wie in ?Lawrence von Arabien?. Maurice Jarre hat hier ein Werk geschaffen, das alleine ausgereicht hätte, ihn unsterblich zu machen, hat allerdings auch in seinen späteren Musiken noch weitere Highlights komponiert und mit David Lean etwa auch in ?Dr. Schiwago? zusammengearbeitet. Ich habe schon erwähnt, daß der Film mit einer mehrminütigen Ouvertüre beginnt: Der meisterhafte Charakter der Musik zeigt sich schon alleine darin, daß diese Klänge exakt die Bilder im Kopf des Zuschauers generieren, die der Film anschließend auch einfängt. Die exotischen Klänge des Nahen Ostens werden konterkariert mit düsteren Klängen der eher kriegerischen Motive und klassischer Monumentalfilmmusik. Wenn dann Bilder auf der Leinwand erscheinen, ist das wie ein Sturz in kaltes Wasser, denn statt der erwarteten orientalischen Landschaft erscheint England. Der Zuschauer fühlt genau das, was wohl auch die nun sichtbare Hauptfigur gefühlt haben mag: Es stimmt etwas nicht. Man gehört nicht nach Europa, sondern nach Arabien. Diese nur durch die Musik hervorgerufene Dissonanz stimmt dann schon auf das ein, was folgt: Eine Figur, die nicht zur Wüste gehört, aber auch nicht in die Alte Welt, die zerrissen ist und bleiben muß. Daß das aber so massiv und fast körperlich auch vom Zuschauer gefühlt werden kann, ist ein Hauptverdienst der auch im weiteren Verlauf des Films großartigen Filmmusik.
Dann hätten wir das Drehbuch: Oft spricht keine Figur, Handlung wird durch Bildsprache ersetzt. Die Dialoge aber, wenn sie denn stattfinden, sind von einer selten erlebten Prägnanz. Ich kenne kaum einen Film, aus dem ich derart viele Zitate schon nach dem ersten Mal kannte, von dem wunderbaren ?Shut up and get out!? des britischen Offiziers über ein sehnsüchtiges ?Damaskus!?, das ganze Monologe ersetzen kann, bis hin zu einem von Alliterationen durchsetzten ?part of the big push? ? wobei diese Sätze im Original sehr viel besser wirken als in der Synchronisation. Da auch auf den einfachen DVDs die Originalversion (mit Untertiteln) enthalten ist, empfehle ich diese Variante nachdrücklich für gesteigertes Vergnügen am Film.
Getragen wird der Film schließlich natürlich auch von seinen Darstellern. Im gesamten Film gibt es keine weibliche Sprechrolle, entsprechend benötigte man auch nur männliche Schauspieler, und wer hier versammelt wurde, hat einen großen Namen. Der Witz ist aber: Viele von denen, die heute die größten Stars sind, wurden es erst durch diesen Film. Peter O?Toole, der die Hauptrolle erhielt, drehte hier seinen ersten Film, ebenso wurde Omar Sharif (Ali) erst mit diesem Streifen dem breiteren Publikum außerhalb Ägyptens ein Begriff. Alec Guinness dagegen und Anthony Quinn waren auch schon Stars, bevor sie ihre Rollen in ?Lawrence von Arabien? annahmen. Daneben spielen heute fast vergessene großartige Stars vergangener Zeiten: Jose Ferrer etwa, spätestens seit ?Dune? endgültig in der Vergessenheit versunken, oder Jack Hawkins und Claude Rains. Sie alle tragen dazu ihr ganz eigenes Teil dazu bei, daß der Film das geworden ist, was er nun repräsentiert. Beispielsweise sind die so unglaublich blauen Augen des Peter O?Toole nicht nur wichtig, um etwas Hübsches auf der Leinwand zu sehen, sondern tragen auch später handlungsrelevant zu seiner Entdeckung bei, als er sich als Araber verkleidet und enttarnt wird. Daneben aber sind das alles vor allem auch ernstzunehmende Schauspieler, allesamt ordentlich ausgebildet und mit Theatererfahrung. Das sind Männer, die tatsächlich noch spielen, die mit Blicken und Gesten reden können. Das ist eminent wichtig, denn bei aller technischer Perfektion wirkt ein derart langer Film natürlich nur, wenn er auch von den Akteuren getragen werden kann. Daß die Ensembleleistung kollektiv zu loben ist, erstaunt bei der großen Zahl an Rollen, ist aber nichtsdestotrotz ein Fakt.
Das alles reicht schon, aber es ist noch nicht alles. Denn wichtig ist auch noch, daß der Film Brechungen aufweist. Er ist zwar ein biographisches Werk, keine Frage, aber keine Heldenverehrung, kein nur positive Züge aufweisendes Denkmal. Obwohl von seiner Grundhaltung her zu Sympathie mit dem Titelhelden animierend, klammert der Film die Widersprüchlichkeiten überhaupt nicht aus. Das ist wohl auch ein Grund dafür, daß sehr vielen der zweite Teil des Films nicht mehr so gefällt wie der erste. Von der historischen Person des realen Lawrence von Arabien ist der Film natürlich weit entfernt und leugnet das auch nicht. Die Lebensgeschichte wird aber nichtsdestotrotz zu einer Vorlage, auf deren Folie allgemeingültige Grundsätze verdeutlicht werden können. Lange bevor das Problem die traurige Aktualität erlangte, die es nun heute hat, wird etwa die willkürliche Grenzziehung in besetzten Staaten angeprangert oder der Kolonialismus als solcher. Das geschieht aber nicht mit dem Holzhammer, sondern ganz subtil, sozusagen durch die Hintertür, und hat auch nicht jedem zu allen Zeiten gefallen. Entsprechend wurde dieser Film so oft umgeschnitten wie kaum ein anderer der Filmgeschichte, wurde zeitweise zu Action-, Kriegs-, Natur- oder Heldenfilm. Daß er nun wieder so bewundert werden kann, wie er vom Regisseur ursprünglich beabsichtigt war, ist einigen modernen Größen Hollywoods zu verdanken, die sich von diesem Film beeinflußt gefühlt haben und ihn zu ihren persönlichen Favoriten zählen, allen voran Martin Scorcese und Steven Spielberg. Diese finanzierten eine umfassende Restauration und bewahrten so nicht nur, aber auch ein Stück Filmgeschichte.
Was also macht diesen Film aus? Einmal die umwerfende Machart, die alle Register dessen zieht, was das Kino zu dem macht, das es sein kann: Ein Ort zum Träumen, ein Ort, an den man fliehen kann, an dem alles besser ist oder man wenigstens die böse Welt kurzfristig vergessen kann. Ein Ort aber auch, der verändert, der Lösungsvorschläge anbieten kann für alltägliche oder allgemeine Probleme. Dieser Film ist eines der überragendsten Gesamtkunstwerke, die das Kino je geschaffen hat, alles greift ineinander und verbindet sich zu einem großen Ganzen. Zum Zweiten aber ist dieser Film auch zutiefst menschlich, verhandelt große und kleine Probleme ineinander verbunden und schafft also eine sekundäre Scheinwelt, die funktioniert wie die große, aber beschränkt ist auf ein kleineres Handlungsfeld. Damit sind Lösungen im kleinen Rahmen leichter möglich, die auf die große Welt als Ganzes bezogen nicht möglich wären. Im Kleinen wird also das Funktionieren von differenzierten Vorgängen dargestellt, die anschließend mühelos auch auf das große Ganze der realen Welt übertragen werden können. Damit liefert der Film Verständnisansätze für aktuelle Probleme, und das auch heute noch, vierzig Jahre nach seiner Premiere. Zeitlos aktuelle Themen wie Respekt gegenüber anderen Kulturen, Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen, Brüche in Biographien und so weiter finden sich lebensecht im Mikrokosmos wieder, können dort aber im Gegensatz zur Realität zu einem Lösungsansatz geführt zu werden. Und wie tragisch ist es erst, daß auch diese Welt im Film scheitert! Das ist zugleich eine der pessimistischsten Aussagen, die man sich überhaupt denken kann, und dennoch zieht der Film nicht völlig herunter, sondern macht glücklich. Auch hieran läßt sich die unglaubliche Leistung ermessen, die hinter dem Streifen steht.
?Lawrence von Arabien?, das dürfte ja nunmehr klar sein, ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme, ein Highlight des Kinos. Vermutlich hat jeder zumindest schon Ausschnitte gesehen, aber es ist eben auch nicht ohne Grund so, daß derart renommierte Regisseure sich um seine Restauration bemüht haben: Der Film war stilbildend wie kaum ein zweiter. Und dabei aber ein funktionierender, spannender, überraschender, persönlicher Film mit viel Natur, Menschlichkeit, Emotion: Perfekt in meinen Augen!
Benjamin Stello (filmzentrale)
Jaaa bin ich denn blind ????
Diesen Threat hab ich hab ich ja noch gar nicht gesehn.
Wow, fettes Lob evilemo, suuuper !!!
Da werde ich bestimmt auch noch ein paar Beiträge zu leisten ... !!!
Die Spur des Falken (1941) von John Huston [Avi (DivX)] Film Noir/Krimi - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 950 MB - 101 Minuten
Info & Review
1941 nahm sich John Huston der Detektivgeschichte "The maltese falcon" von Dashiell Hammett an, obwohl diese in den Jahren zuvor schon zweimal verfilmt wurde. [1] Er hielt sich aber deutlich stärker als seine Vorgänger an die Literaturvorlage, übernahm sogar einen Großteil der Dialoge Wort für Wort. Heute ist es der einzige der drei Filme, der noch einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist und gilt als ganz großer Klassiker.
"The maltese falcon", der in Deutschland unter den Titeln "Der Malteserfalke" und "Die Spur des Falken" erschien (letzterer ist der heutige geläufige Titel für den Film) ist wirklich ein Klassiker des Detektivfilms. Der Zuschauer bekommt eine schwer durchschaubare Geschichte, die immer wieder in neue Richtungen geht, und in welcher sowohl Hauptfigur als auch Zuschauer lange im Dunkeln tappen.
Die Hauptfigur ist Privatdetektiv Sam Spade (Humphrey Bogart), der mit Kollege Miles Archer (Jerome Cowan) in San Francisco eine Detektei betreibt. Eines Tages bekommen die beiden einen Routineauftrag. Eine Frau (Mary Astor) behauptet, dass ihre kleine Schwester mit einem Liebhaber nach New York geflohen ist. Die beiden Detektive sollen sie aufspüren und nach Hause bringen. Archer übernimmt die Beschattung des Liebhabers und wird dabei erschossen. Kurz nachdem Spade durch die Polizei davon erfahren hat, wird, noch in der selben Nacht, auch der von Archer Observierte und daher Hauptverdächtige des ersten Mordes Opfer von ein paar Pistolenkugeln.
Spade rückt daraufhin in den Fokus der polizeilichen Ermittlungen. Man glaubt, dass er seinen Partner gerächt habe. Auch jemand anderes vermutet, dass Spade ein Mörder ist. Archers Frau Iva (Gladys George), die mit Spade ein Verhältnis hat, äußert den Verdacht, dass er ihren Mann aus dem Weg geräumt hat, um sie heiraten zu können. Spade serviert seine einstige Geliebte erst einmal eiskalt ab und ist fest entschlossen die beiden Morde aufzuklären.
Dies führt ihn erst einmal zu ihrer Klientin, die Brigid O'Shaughnessy heißt und ihm und Archer nicht nur einen falschen Namen genannt hat, sondern mit der Story von der kleinen Schwester auch eine Lügengeschichte aufgetischt hat. Obwohl Spade merkt, dass auch die weiteren Geschichten, die ihm die Frau erzählt, nur Lügen beinhalten, fühlt er sich zu ihr hingezogen und macht sie zu seiner Partnerin.
Kurz darauf tritt eine weitere Person in die Geschichte ein. Der zwielichtige Geschäftsmann Joel Cairo (Peter Lorre) bietet Spade fünftausend Dollar, wenn er ihm eine schwarze Falkenfigur gebe. Cairo, der Spade zudem mit einer Pistole bedroht, scheint dabei felsenfest überzeugt zu sein, dass Spade, der zum ersten Mal etwas von der Figur hört, diese schon besitzt. Cairo ist nicht der einzige, der Interesse an der Figur zeigt, auch dem schwergewichtigen Geschäftsmann Kasper Gutman (Sydney Greenstreet) scheint kein Preis zu hoch, sei es Geld oder Leichen, um die Figur in seinen Besitz zu bekommen. Spade erkennt, dass er die Morde nur aufklären (und damit sich vom Morverdacht reinwaschen) kann, wenn er die Figur findet und vielleicht springen dabei auch noch ein paar Dollar für ihn raus.
"I couldn't be fonder of you if you were my own son. But, well, if you lose a son, its possible to get another. There's only one Maltese Falcon." (Kasper Gutman)
Am Anfang macht es Regisseur John Huston dem Zuschauer wahrlich nicht leicht. Aus dem einfachen Oberservierungsfall wird plötzlich ein Doppelmord und dann die Jagd nach einer wertvollen Figur, an welcher immer mehr Personen mit unterschiedlichen Interessen sich zu beteiligen scheinen. Dabei sind die Beziehungen zwischen den Personen mehr als undurchsichtig. Highlight in dieser Richtung ist sicher die erste Konfrontation von Brigid O'Shaughnessy mit Joel Cairo in Sam Spades Wohnung. Die beiden kennen sich schon von früher und werfen sich die Vorwürfe, Namen und Orte gegenseitig an den Kopf, so dass dem Zuschauer beim Versuch mitzukommen der Kopf raucht. Doch ähnlich geht es Sam Spade, der daneben steht.
Die Perspektive des Zuschauers wird dadurch dieselbe wie die von Sam Spade. Das ist im ganzen Film so. Man weiß nur das, was auch Spade weiß, ist - sofern man mitdenkt - immer auf der gleichen "Ermittlungshöhe" wie er. Dadurch wird die Identifikation mit Spade gewährleistet, was für die Spannung nicht unerheblich ist. Dabei ist Spade ganz sicher nicht der typische Held. Er ist gerade zu Beginn ein Unsympath. Die Witwe seines Partners, mit der er auch ein Verhältnis ab, wird von ihm gleich mal rausgeworfen und ihr wird deutlich gemacht, dass sie nicht auf eine Hochzeit mit ihm zu hoffen braucht (obwohl er ihr diese Hoffnungen wohl im Vorfeld gemacht hat). Als nächstes wird erst einmal die Anweisung erteilt, dass die Namen an Tür und Fenster der Detektei bitte entfernt werden und nun da Archer tot ist, statt "Archer und Spade" sein kompletter Name in großen Lettern diese zieren möge. Es scheint, dass ihm der Tod des Partners nicht gerade ungelegen kommt und so verwundert es gar nicht, dass ihn die Polizei bald nicht nur für den Täter beim zweiten Mord, sondern auch beim ersten Mord an Archer hält.
Doch nach und nach gewinnt dieser Spade die Sympathien des Zuschauer. Es ist die zum einen lässige, aber auch zynische und harte Art, hinter der aber auch etwas Romantik steckt, mit der Spade auftritt und die von Bogart hervorragend verkörpert wird. Bogart, der zuvor hauptsächlich Bösewichte verkörperte, spielt hier einen Rollentyp, der schnell zu seiner Paraderolle werden sollte. Offensichtlich ein zynischer Egoist hinter dessen harten Schale aber doch ein weicherer Kern steckt als man vermuten sollte. Ein Mann, der trotz seiner unfreundlichen Art auch ein Charmeur ist, und der im tiefen Herzen romantisch veranlagt ist. Ein Jahr nach "Die Spur des Falken" sollte er diese Rolle in seinem wohl bekanntesten Film "Casablanca" noch verbessern.
Dort überzeugen in kleineren Rollen an seiner Seite auch Peter Lorre und Sydney Greenstreet, die auch hier (in wichtigeren Rollen als in Casablanca) mitwirken und Garanten für das Gelingen des Films. Beide spielen schmierige (vor allem Lorre) Geschäftsmänner, die überzeugt sind, dass ihr Geld ihnen jeden Weg ebnen wird. Die bis in die kleinste Nebenrolle stimmige Besetzung wird durch eine hervorragende Mary Astor komplettiert. Obwohl sie immer wieder lügt und eine mehr als undurchsichtige Rolle spielt, man ihr nie vertrauen kann, versteht man, warum Spade Gefühle für sie entwickelt. Ihr Charakter ist dabei nicht die typische Femme Fatale, sondern setzt ihrem verlogenen und hinterhältigem Wesen ein anständiges Äußeres entgegen. Vor allem die Kleidung, aber auch die Frisur, wirken sehr brav und bieder.
Hustons Maßnahme die Dialoge fast komplett aus der Buchvorlage zu übernehmen und kaum zu ändern, erweist sich als Glücksgriff. Die Dialoge bringen die Geschehnisse immer treffend auf den Punkt, bereichern den Film mit viel schwarzem Humor und vor allem aus dem Mund von Spades Charakter mit Zynismus. Ob es die Dialoge zwischen Spade und Greenstreet, Spade und Lorre oder Spade und Astor sind, die Sätze sind immer perfekt aufeinander abgestimmt, die Schauspieler müssen sich nur noch die Bälle zuspielen.
All das, gepaart mit der gelungen Inszenierung von Huston, zu der Kameraführung und Beleuchtung einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten, sorgt dafür, dass "Die Spur des Falken" nicht nur ein hervorragender Film, sondern auch nach über sechzig Jahren noch absolut sehenswert ist. Ein Höhepunkt im Schaffen aller Mitwirkenden.
Das Dreckige Dutzend (1967) von Robert Aldrich [Avi (DivX)] Action/Kriegsfilm - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1.27 GiB - 143 Minuten
Info & Review
Im Jahre 1944 erhält Major Reisman den Auftrag, zwölf Soldaten, die von Kriegsgerichten zum Tode verurteilt sind, für ein Himmelfahrtskommando auszubilden. Action mit Starbesetzung.
US-Major Reisman ist alles andere als erbaut, als General Worden ihn 1944 beauftragt, zwölf zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilte amerikanische Soldaten für das "Unternehmen Amnestie" auszusuchen und auszubilden. Sie sollen kurz vor Beginn der alliierten Invasion mit Fallschirmen über dem besetzten Frankreich abspringen und ein Kommandounternehmen gegen ein Schloss führen, das hohen deutschen Offizieren als Erholungsort dient. Den Überlebenden der Aktion winkt Straferlass.
Zu den Männern, die Reisman auswählt, gehören Victor Franko, Joseph Wladislaw, Robert Jefferson, Vernon Pinkley und Archer Maggott. Nur mit äußerster Härte und großem psychologischen Einfühlungsvermögen gelingt es dem Major, die Männer so zu drillen, dass sie bei dem Himmelfahrtskommando nicht völlig chancenlos sind. Bei einer spektakulären Manöverübung bewähren sie sich gegen den arroganten Colonel Breed. Dennoch wissen alle, dass die meisten von ihnen in den Tod fliegen, als sie unter Reismans Führung mit einem Flugzeug von England aus zum Einsatz starten.
Robert Aldrichs ungewöhnlicher Film lebt von einem großen Staraufgebot und einer ungemein spannenden Inszenierung. "Der düstere Kriegs-Thriller zählt zu den Klassikern des Genres" (Cinema). "Ein Trupp Strafgefangener bekommt im Zweiten Weltkrieg die gefährliche Rehabilitations-Chance - es gilt, eine schwer bewachte deutsche Burg einzunehmen. Robert Aldrich, ein Meister unter den Actionhandwerkern Hollywoods, macht daraus eine nihilistische Feier viriler Aktion. Der Trupp besteht fast ausschließlich aus Charakterköpfen (Lee Marvin, John Cassavetes, Telly Savalas, Donald Sutherland, Jim Brown, Charles Bronson, Robert Ryan - und Trini "If I Had A Hammer" López), die Handlung (nach E.M. Nathansons Roman) ist mittlerweile längst ein Standardablauf geworden, die aggressiv männerbündelnde Qualität des Originals wurde dennoch kaum je wieder erreicht" (Christoph Huber).
Für Charles Bronson brachte seine schauspielerische Leistung als Joseph Wladislaw in der Kinowelt erhöhte Aufmerksamkeit, die Rollen gewannen an Qualität und es sollte nur noch zwei Jahre dauern, dass aus dem ehemaligen Kleindarsteller Charles Buchinski der Megastar Charles Bronson wurde ? mit den europäischen Produktionen "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Bei Bullen singen Freunde nicht". Drei Jahre später hatte auch Hollywood vor ihm kapituliert: Mit dem Western "Der Einsame" begann seine triumphale Rückkehr.
Hochkarätig konnte Robert Aldrich seinen (Anti-)Kriegs-Film (wenngleich diese Intention nicht allzu deutlich zu Tage tritt) besetzen: Neben den erwähnten standen u.a. auch Ernest Borgnine und der eher als Sänger bekannte Trini Lopez vor der Kamera. Spannend und unterhaltsam ist der Film in jedem Moment, allerdings dient der Krieg mehr als Kulisse für ein Abenteuerspiel von 13 Männern. "Das dreckige Dutzend" wurde für insgesamt vier "OSCAR"s nominiert (u.a. Nebendarsteller John Cassavetes), konnte aber lediglich die Trophäe für die Toneffekte einheimsen. OFDb imdb
ich suche dringend "gegen alle flaggen" mit errol flynn
falls den jemand als dvb-rip oder so hat , bitte uppen
auf dvd gibts den noch nicht und spasseshalber solltet ihr mal bei amazon nach der vhs sehen
kostet schlappe 47 euro
wer ihn also hat und als xvid uppen könnte währe der held
Der Mann, der zuviel wusste (1956) von Alfred Hitchcock [Avi (DivX)] Thriller - DVD-Rip - Deutsch - 1.03 GiB - 114 Minuten
Info & Review
1934 hatte Hitchcock bereits seinen 18. Film gedreht. Der hieß ?The Man Who Knew Too Much? und die Hauptrollen spielten Leslie Banks, Edna Best und Peter Lorre. 1956 griff Hitchcock die gleiche Geschichte noch einmal auf (sein einziges Remake), änderte lediglich die Lokalitäten, passte die Kleidung den Zeitumständen an und blieb ansonsten bei der Geschichte der ersten Verfilmung ? allerdings entwickelt er das Thema wesentlich spannender und subtiler. Und das Thema ist einmal mehr, dass der unbescholtene, normale Durchschnittsbürger in ein Gespinst von Mord, Lügen und anderen Verbrechen hineingezogen wird.
Die McKennas, eine amerikanische Durchschnittsfamilie, befinden sich im Urlaub in Marokko. Dort lernen sie den Franzosen Louis Bernard (Daniel Gélin) kennen, der die McKennas zum Abendessen einlädt. Doch kurz vorher sagt Bernard ab. Statt dessen verbringen sie den Abend mit dem englischen Ehepaar Drayton (Brenda de Banzie und Bernard Miles).
Als die Familie am nächsten Tag über den Markt in Marrakesch spaziert, kommt es zu einem Zwischenfall: Ein Araber wird rücklings erstochen und bricht direkt vor Ben McKenna (James Stewart) zusammen. Hinter der Verkleidung erkennt Ben Louis Bernard, der ihm im Sterben ins Ohr flüstert, in London solle ein Attentat auf einen Politiker stattfinden. Ben und Jo (Doris Day) beschließen, die Polizei zu informieren. Aber ein Anruf hält Jo davon ab. Unbekannte haben den Sohn der McKennas Hank (Christopher Olsen) entführt und drohen mit seiner Ermordung, falls McKenna seine Information über den geplanten Mord an die Polizei weitergibt. Die McKennas beschließen, ihren Sohn selbst zu suchen und fliegen nach London. Die Suche nach Hank gestaltet sich schwierig; doch schließlich treffen Ben und Jo in einer Kirche auf die Draytons ? und ihren Sohn Hank. Jo will Hilfe holen. Währenddessen wird Ben niedergeschlagen. Die Entführer verschwinden mit Hank ...
Wie in vielen seiner Filme macht Hitchcock uns auch in ?The Man Who Knew Too Much? zu seinem voyeuristischen Komplizen. Zu Beginn des Films sieht man den Meister, wenn auch nur von hinten, als er Akrobaten zuschaut. Er steht dort für das Publikum: ?Seht her! Ich mache Euch zu Zeugen des Verbrechens, gnadenlos.? Für die McKennas hat die Tortur, der Ausstieg aus dem ?normalen? Leben längst begonnen. Hitchcock und wir aber warten, bis sich das Drama zuspitzt, können es kaum erwarten, wie Ben und Jo reagieren werden, nachdem ihr Sohn entführt wurde. Wir wollen diesen Alptraum, wir wollen ihn in seinen ganzen Ausmaßen auskosten bis zum bitteren Ende, das ? jedenfalls in diesem Streifen ? nicht so bitter ist wie etwa in ?Vertigo? (1957).
Das Bittere liegt hier viel mehr in dem Auseinanderklaffen zwischen Schein und Wirklichkeit, denn im Ausgang der Handlung. Der in der Fremde unbeholfen agierende Amerikaner, der sich an die marokkanischen Sitten (z.B. beim Essen anfangs des Films) nicht gewöhnen kann und letztlich gar nicht will, gerät in einen Raum der Unsicherheit, des Ungewohnten, des Nicht-Abschätzbaren, in dem er sich versucht zurecht zu finden, aber in dem letztlich nur sein Inneres protestiert. Während Stewart in seiner Unsicherheit leicht aggressiv reagiert, verkörpert Doris Day als jugendliche Ehefrau, ordentliche Mutter, biedere und konservative Amerikanerin zwar nicht die Ruhe in persona, aber den um Ausgleich bemühten Kumpel an der Seite des amerikanischen Touristen, ihres Mannes, im Ausland. Letztlich aber sind beide in die Ungewissheit geworfen ? die Vorstufe zu Angst und Gefahr, die wiederum ? für beide überraschenderweise ? nicht aus dem Fremden resultiert (Marokko), sondern aus dem Eigenen (denn die potentiellen Mörder stammen aus dem Kulturkreis der McKennas). Hitchcock bricht radikal mit dem Schein der vermeintlichen Sicherheit des american way of life und der damit verbundenen, ?verblendeten? Mentalität ? nicht im Sinne einer Fundamentalkritik, sondern der Rückführung dieser Lebensart auf ein realistisches Maß, wenn man es einmal so ausdrücken will. In den Farben der Anfangssequenzen des Films wird dies besonders deutlich: Marrakesch leuchtet in exotischen Farben, für die beiden amerikanischen Touristen ungewohnt und fremd. Die weißen Streifen im Gesicht Louis Bernards, die blauen Spuren auf dem Markt aber symbolisieren die ?importierte? Gefahr, sind zugleich Schein wie Andeutung der Angst.
Das berühmte Lied, das Doris Day in diesem Film singt, ?Que sera, sera?, potenziert diese Stimmung, in die Hitchcock uns führt: ?Whatever will be, will be, the future?s not ours to see.? Diese Unsicherheit, die Zukunft zu bestimmen, führt Hitchcock in die offene, brutale, brachiale Angst und Bedrohung über ? ohne Wenn und Aber, ohne Mitleid. Weder die Draytons, noch Louis Bernard, noch der Priester sind diejenigen, für die sich gegenüber den McKennas ausgeben. Jo und Ben wird auf ungeschminkte Art bewusst gemacht, dass sie nur eine Chance haben: das Risiko einzugehen, die existenzielle Unsicherheit zu akzeptieren und trotzdem, gerade deswegen so weit wie möglich selbst zu agieren.
Wie in fast keinem anderen Film setzt Hitchcock die Musik ein, um den Suspense auf den Höhepunkt zu bringen. In der berühmt gewordenen Szene in der Royal Albert Hall, die zehn Minuten dauert und mit dem Schrei von Doris Day endet, zieht sich der Spannungsbogen fast unerträglich hin zum Beckenschlag, dem Moment, in dem der Mörder den Botschafter töten soll. Hier ist selbst die vom Orchester gespielte Kantate nur Schein, nicht einfach Musik, Genuss, sondern Ouvertüre des Todes.
Als James Stewart in der Albert Hall erscheint, verständigt er sich in Zeichensprache mit Doris Day. Die ganze Szene kommt ohne Dialoge aus. Stewart will in die Loge des Botschafters, aber um das zu erreichen, muss er an Polizisten vorbei, das heißt, einen nach dem anderen überzeugen, dass etwas Furchtbares passieren wird. Die Kamera schwenkt zwischen diesen Versuchen Stewarts zu Doris Day, die zunächst den Saal mit den Augen nach dem Mörder absucht, hin zur Mörder-Loge, dann wieder ein Großbild des Saales, die Loge des Botschafters, die Pauke, der Beckenspieler ? wirklich fast unerträglich spannend. Selten ist Suspense durch Bild und Musik derart glänzend gelungen.
Mehr als andere Filme ist ?The Man Who Knew Too Much? eine Achterbahnfahrt durch Schein und Betrug, Selbstbetrug und Angst. Selbst der Titel des Films ist Schein. Denn Stewart weiß tatsächlich zu wenig. Die Information über den geplanten Mord durch Gélin stürzt ihn und Doris Day in diese Achterbahn, und erst wenn sie diese Fahrt heil überstanden haben, dürfen sie nach Hause ? geläutert.
Die Caine war ihr Schicksal (1954) von Edward Dmytryk [Avi (DivX)] Drama/Krieg - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,12 GB - 119 Minuten
Info & Review
Als einer der besten seines Jahrgangs ist Fähnrich William Keith (Robert Francis) etwas enttäuscht., dass er nur auf dem heruntergekommenen Minensuchschiff "Caine" eingesetzt wird. Zudem scheint ihm der Kapitän seine hervorragenden Leistungen an der Militärakademie übel zu nehmen. Da erscheint es ihm wie eine Erleichterung, dass der Captain kurz später von seinem Kommando abberufen wird und mit Kapitänlieutenant Quegg (Humphrey Bogart) ein neuer Mann auf die Brücke kommt, der Zucht und Ordnung auf die "Caine" bringen will. Allerdings ist die Mannschaft das nicht gewöhnt. Plötzlich ist es das wichtigste an Bord, dass jedes Mitglied der Mannschaft das Hemd in der Hose trägt. Führungsoffizier Keith und Deckoffizier Steve Maryk (Van Johnson) müssen dem Kapitän regelmäßig Rechenschaft über das Fehlverhalten der Mannschaft abgeben.
Mehr und mehr wächst der Unmut gegen den neuen: Er kappt durch unachtsame Befehle das eigene Schleppseil und will es auf einen Materialfehler schieben und als eine viertel Büchse Erdbeeren in der Kombüse fehlen, lässt er die ganze Mannschaft bis auf die Knochen durchsuchen, ob auch niemand einen Nachschlüssel für den Vorratsraum habe. Funker Tom Keefer (Fred MacMurray), ein belesener Hobby-Schriftsteller, wirft die These auf, Quegg leide an Paranoia. Nach dem Militärgesetz habe man dann die Vollmacht ihn in einer Notsituation seines Kommandos zu entheben. Als die "Caine" in einem Tornado zu sinken droht, erklärt Maryk den Kapitän kurzerhand für abgesetzt und übernimmt selbst das Kommando. Dafür müssen er und Keith sich später vor einem Militärgericht verantworten. Ihnen droht die Hinrichtung...
Mit "Die Caine war ihr Schicksal" verfilmte Regisseur Edward Dmytryk einen mit dem "Pulitzer-Preis" ausgezeichneten Erfolgsroman von Herman Wouk. Auch wenn Parallelen zur berühmteren "Meuterei auf der Bounty" zu erkennen sind, in "The Caine Mutiny" ist die Person des Captains differenzierter zu betrachten. Ging es auf der "Bounty" um einen tyrannischen Kapitän, der abgesetzt wurde, um das menschenverachtende Diktat zu beenden (und damit nach dem Militärgesetz eigentlich zu Unrecht), geht es auf die "Caine" um die Frage, ob der Kapitän noch zurechnungsfähig ist und damit eine "Meuterei" zulässig,. Eine Frage, die vielleicht auch nachher im Gerichtssaal nicht abschließend geklärt wird. Mit sieben Nominierungen war der Film einer der großen Favoriten bei der "OSCAR"-Verleihung 1954. Bogart selbst, Drehbuchautor Stanley Roberts, Max Steiners Musik und der Film selbst in der Kategorie "bester Film" waren vorgeschlagen. Zur Enttäuschung gab es aber keinen Preis. Die Konkurrenz von Elia Kazans "Die Faust im Nacken" war zu stark.
Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher (moviemaster.de)
Die Vögel (1963) von Alfred Hitchcock [Avi (DivX)] Horror/Thriller/Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1.12 GB - 114 Minuten
Info & Review
Kritik: Wozu braucht man Ungeheuer, Monster, Fantasy-Gestalten, wenn auch ganz normale Vögel ihr Unwesen treiben können? Genau dies dachte Hitchcock wohl bei einem seiner berühmtesten Streifen, für dessen Realisierung ihm nicht einmal eine ausgefeilte Computertechnik oder digitale Möglichkeiten zur Verfügung standen. Und vor allem: The Master of Suspense lässt sein Publikum völlig im unklaren darüber, was die wild gewordenen Vogelbestien eigentlich so aggressiv werden ließ.
Melanie Daniels (Tippi Hedren), eine Dame der besseren Gesellschaft mit leicht snobistischem Einschlag, lernt in einer Vogelhandlung in San Francisco den ihr gegenüber sarkastisch auftretenden Rechtsanwalt Mitch Brenner (Rod Taylor) kennen. Melanie ist trotzdem angetan von Mitch und beschließt, ihn, seine Mutter Lydia (Jessica Tandy) und seine Schwester Cathy (Veronica Cartwright) in Bodega Bay zu besuchen, wo die Brenners ihre Wochenenden verbringen. Als Melanie dort ankommt, wird sie von einer Möwe angegriffen. Sie bleibt trotzdem und findet Quartier bei der Lehrerin Annie Hayworth (Suzanne Pleshette), Mitch Ex-Freundin, die Melanie vor dessen Mutter warnt, die eine herrschsüchtige Frau sei.
Auf Cathys Geburtstag am nächsten Tag werden die Kinder plötzlich auch von Möwen angegriffen. Durch den Kamin des Hauses der Brenners dringen Spatzen. Mrs. Brenner findet einen toten Farmer mit ausgehackten Augen. Und die Kinder in der Schule beobachten, wie sich Raben zusammenrotten, die sie nach Unterrichtende angreifen.
Beim Versuch, Cathys Leben vor den aggressiven Vögeln zu retten, kommt Annie ums Leben. Das Haus der Brenners, die sich verbarrikadieren, wird zur Zielscheibe der Vögel. Aber auch in der übrigen Stadt traut sich niemand mehr auf die Straße. Einige Leute geben Melanie die Schuld an dem Horror, weil sie zwei Cathy Liebesvögel zum Geburtstag geschenkt hatte, die das Unglück angeblich auslösten ...
?Die Vögel? war nicht die erste Verfilmung nach einer Vorlage von Daphne du Maurier. Bereits 1940 hatte Hitchcock in ?Rebecca? einen Roman der Schriftstellerin in Szene gesetzt. ?The Birds? fällt im Gesamtwerk Hitchcocks sichtlich aus dem Rahmen. Der Film liefert nicht nur keine Erklärung für das völlig unwahrscheinliche Verhalten der Vögel aller Arten, diese Vögel stehen auch im Mittelpunkt des Geschehens, nicht die menschlichen Figuren. Zudem handelt es sich nicht um Raubvögel, sondern um Raben, Spatzen, Möwen, Finken, also harmlose, ungefährliche Vertreter ihrer Art.
Der Film ist reine Phantasie, pure Fiktion und unterscheidet sich daher von allen anderen Streifen Hitchcocks. Es ist viel darüber spekuliert worden, welcher Sinn sich hinter dem Geschehen verstecken könnte. Hitchcock selbst äußerte sich einmal, man könne hinter Schock und Spannung eine ?packende Deutung? erkennen, wenn man genau hinsehe. Im Gespräch mit Truffaut allerdings bestätigte er wiederum, dass es sich um ein Produkt der Phantasie handle. Andere sahen in dem Film die Rache der Natur, der Vögel, an den Menschen, die sie fangen, töten, essen, einsperren. Hitchcock selbst äußerte sich in dieser Hinsicht dahingehend, das Verhalten der Vögel habe fast den Anschein von Rache. Das ?Lexikon des internationalen Films? vermutet in ?The Birds? gar ?eine hintergründige Vision von Weltuntergangsstimmung?. Ich zweifle an solchen Absichten, zumal sich Hitchcock zu politischen Themen, welcher Art auch immer, in seinen Filmen nie definitiv geäußert hatte. (Selbst ?Topas? [1969], dem das Kuba Fidel Castros als Hintergrund dient, enthielt nicht unbedingt eine politische Aussage.)
Viel interessanter als diese Spekulationen, denen man sich anschließen kann oder nicht, ist die Art und Weise der Inszenierung selbst. Hitchcock hält sich streng an die Form des klassischen Dramas mit seiner Einheit von Ort (Bodega Bay), Zeit (das Drama entwickelt sich an zwei zusammenhängenden Tagen) und Handlung (keine Nebenhandlungen, es geht ausschließlich um den Angriff der Vögel und die Reaktion der Menschen und die zunehmende Aggression der Tiere; auch die Liebesgeschichte ist letztlich unwesentlich).
Das schafft eine Situation der Unausweichlichkeit, eine schicksalhafte Tragödie, der sich niemand entziehen kann, unterstützt durch Symbolik. Der Film beginnt mit der Szene in der Vogelhandlung. Mitch Brenner fängt Kanarienvögel ein und sperrt sie wieder in den Käfig, mit der leicht spitzen Bemerkung: ?Ich tue sie wieder in ihren goldenen Käfig, Melanie Daniels.? Melanie ist reich und verwöhnt, arrogant. Später ist sie es, die in einen Käfig gesperrt wird. Sie sucht in einer Telefonzelle Schutz vor den Angreifern. Doch das ist kein goldener, sondern ein Unglückskäfig. Ebenso symbolisch die Szene mit Mitch Mutter, die nach einem Angriff der durch den Kamin eingedrungenen Spatzen zerbrochenes Geschirr aufsammelt, alles gefilmt aus der Sicht Melanies. Als sie zu dem Haus des Farmers fährt, um den zu besuchen, sieht sie an der Wand nur noch die Henkel von Tassen hängen und weiß sofort, was passiert ist ? und mit ihr der Zuschauer.
Das Publikum wird sozusagen ?wellenartig? auf die zunehmende Angriffslust der Vögel eingestimmt, unterbrochen von kleinen Ruhepausen. Man weiß zwar, dass dieses aggressive Verhalten und auch die Zahl der Vögel ständig zunimmt ? das Tragische des Geschehens nimmt seinen Lauf ?, aber was als nächstes wirklich passiert, weiß man nicht. Besonders drastisch sind die Szenen, in denen sich das Drohende langsam ankündigt. So, als die Schüler beobachten, wie sich die Raben versammeln, oder auch die Schlussszene, als Mitch, seine Mutter und die schwer angeschlagene und unter Schock stehende Melanie das Haus verlassen. Die Vögel, vor allem Raben und Möwen sitzen überall herum; man vernimmt leise Geräusche, weiß nicht einmal so genau, ob das, was man hört, real oder nur Einbildung ist ? als ob die Vögel sagen wollten: ?Noch ist es nicht so weit, aber wir bereiten uns gerade vor. Gleich greifen wir an ...?
Ein Vertreter des Tierschutzverbandes war übrigens bei den Dreharbeiten anwesend und überwachte die äußerst schwierigen Aufnahmen. Die Vögel mussten für verschiedene Szenen dressiert werden, z.B. in einer Szene, als ein Vogel einen Tankwart angriff. Die Möwe wurde so dressiert, dass sie von einem bestimmten Punkt aus direkt über den Kopf eines Stuntman hinweg zu einem Zielpunkt flog. Der auf Stürze spezialisiert Stuntman übertrieb seine Reaktion auf den ?Angriff?, so dass der Eindruck entstand, die Möwe habe ihn verletzt. Diese Szene wird aus der Sicht Melanie Daniels gezeigt, in einer Phase, als Hitchcock kurz zuvor dem Zuschauer eine Pause gegönnt hatte, die Café-Szene, in der eine Ornithologin erklärt, es sei völlig unsinnig, was über aggressive Vögel erzählt werde, eine Szene, in der ein Betrunkener auftritt, gelacht wird. Dann wird der Tankwart angegriffen.
?The Birds? enthält keine Musik. Bernard Herrmann, der schon seit ?Ärger mit Harry? (1955) die Musik für Hitchcocks Filme komponiert hatte, kam die Aufgabe zu, ausschließlich Vogelgeräusche in eine ?Partitur? umzusetzen bzw. den Ton des Films zu überwachen. Dabei eingesetzt wurde u.a. das sog. ?Trautonium? von Oskar Salas, eine Art ?Synthesizer?, hier eingesetzt für Flügelschlagen, Kreischen und andere Geräusche. So entstand eine sehr spezielle Art von ?musikalischem? Arrangement ohne jegliche ?normale? Musik.
Anders als in sonstigen Filmen Hitchcocks kam den Schauspielern in ?The Birds? eine extrem untergeordnete Bedeutung zu. Die ?kühle Blonde? wird hier von Tippi Hedren (übrigens die Mutter von Melanie Griffith) verkörpert. Doch sie und Rod Taylor glänzen weniger durch ausgefallene schauspielerische Leistungen, denn durch die Darstellung aufgescheuchter, verschreckter, verzweifelter, angegriffener Opfer des Vogel-Horrors.
Ein Film, der aus der Art schlägt und auch nicht. Denn trotz aller Differenzen zum Suspense anderer Klassiker lieferte Hitchcock hier ? wenn man so will ? eine Art ?Mutterfilm? für Horrorfilme ? la ?Entsetzen ohne realen Hintergrund? ? und das ?nur? mit stinknormalen Vögeln und ohne digitale Effekte.
Manche mögen's heiß (1959) von Billy Wilder [Avi (DivX)] Komödie - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1.09 GB - 116 Minuten
Info & Review
Kritik: Dass Not erfinderisch macht, dürfte vielerorts bekannt sein und auch nicht erst seit den Komödien der 50er-Jahre. Wie weit dieser gedankliche Ausdruck jedoch geht, variiert durchaus. Nehmen wir beispielsweise Billy Wilders ?Manche mögen?s heiß?. Einschließlich seiner Beiträge zum Film Noir der 40er-Jahre (?Lost Weekend?, ?Sunset Boulevard?) zeigt Wilder mit seiner Travestie-Komödie einen seiner bekanntesten und herausragendsten Filme in einer langen, erfolgreichen Film-Karriere.
Chicago, 1929. Zeit der Prohibition. Saxophonist Joe (Tony Curtis) und Bassist Jerry (Jack Lemmon) verdienen ihr Geld in einer als Beerdigungsinstitut getarnten Jazz Bar. Die feucht-fröhliche Stimmung findet ein abruptes Ende, als die Polizei den Laden aushebt und somit die vorübergehende Geldquelle der beiden Aushilfs-Musiker trocken legt. Wäre das nicht schon genug des Übels, werden Joe und Jerry Zeugen eines Massakers ihres bisherigen Bosses und Anführers einer Ganoven-Bande, ?Gamaschen Columbo? (George Raft). Zwei Zeugen zuviel, denn Gamaschen-Columbo mag weder Zeugen noch Freunde der Polizei. Als scheinbarer Retter in der Not zeigt sich Jerry mit der verrückten, wie auch sehr hilfreichen Idee, bei der Frauen Jazz-Band ?Sweet Sue?s Society Syncopaters? Unterschlupf zu suchen. Als Frauen verkleidet machen sich die zwei kurzerhand auf den Weg ins sonnige Florida.
Doch die richtigen Probleme fangen jetzt erst an. Jerry alias Josephine verliebt sich in die attraktive Sängerin Sugar Kane (Marylin Monroe). Auch zwischen Joe alias Daphne und Multi-Millionär Osgood Fielding III (Joe E. Brown) geht es heiß her. Die naive Sugar sehnt sich derweil lieber nach einem möglichst gut aussehenden Millionär inklusive Yacht und auch das Gefolge von Gamaschen Columbo hat mittlerweile den Weg nach Miami gefunden...
Bei der Zusammenstellung des Casts entschied sich Wilder gegen den Vorschlag der Studiomanager und verpflichtete zunächst den Theater-erprobten Tony Curtis, der bereits zwei Jahre zuvor mit ?Sweet Smell Of Success? seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Auch mit von der Partie ist Jack Lemmon, der vier Jahre zuvor einen Oscar als bester Nebendarsteller in der US-Navy-Komödie ?Mister Roberts? einheimste und für sein grandioses Zusammenspiel mit Curtis in ?Manche mögen?s heiß? vollkommen zurecht auch wieder nominiert wurde. Eine weitere Hauptrolle ging an Marylin Monroe, Hollywoods Sexsymbol und Pin-Up-Girl Nummer eins. Sie spielt nicht nur die vor Charme und Anziehungskraft sprühende Sugar, sondern bildet gleichzeitig das passende Bindeglied zwischen den beiden Musiker-Helden Joe und Jerry ? eine Paraderolle für Mrs. Monroe.
Messerscharfe Dialog, Situationskomik und bissige Satire ? durch all dies zeichnet sich ?Manche mögen?s heiß? aus. Die zunächst zunehmend verworrene Story wird geschickt zu einem glücklichen Abschluss gebracht. Nachdem zu Beginn mit den Ereignissen um Gamaschen Columbo langsam in die Geschichte eingeführt wird, widmet sich Wilder zunehmend den zwischengeschlechtlichen Beziehungen der beiden Vollblut-Casanovas und brennt dabei ein wahres Gag-Feuerwerk ab. Beispiele:
Josephine: You've gotta keep telling yourself: you're a boy.
Daphne: I'm a boy?
Josephine: You're a boy.
Daphne: I'm a boy.
Josephine: That's the boy.
Daphne: Oh boy, am I a boy.
Joe: You're NOT a girl! You're a GUY! Why would a guy wanna marry a guy?
Jerry: Security!
Spätestens mit der Zugfahrt nimmt der Film seinen endgültigen Lauf und erreicht höchste Gag-Dichte, ohne dabei je ins Lächerliche abzudriften. Es findet sich die aus Mafia-Filmen bekannte Gangster-Konstellation, wie auch jede Menge Anleihen an die ?kleinen? Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Solch herrliche Klischees, wie die naiven Sehnsüchte Sugars, und das eiskalte Mafioso-Image sorgen für kurzweilige Unterhaltung und machen aus dem Gewinner des Golden Globes den Kultfilm des Jahres 1959.
Regisseur und Autor Billy Wilder, der 1934 auf der Flucht vor den Nazis nach Amerika auswanderte, avancierte innerhalb kürzester Zeit zum erfolgreichsten unter den europäischen Regisseuren. Mit ?Manche mögen?s heiß? gelang ihm neben dem ebenfalls grandiosen ?Eins, Zwei, Drei? die wohl berühmteste Komödie der Filmgeschichte. Nicht zu vergessen das sicherlich berühmteste Zitat der Schlussszene:
Jerry: You don't understand, Osgood! I'm a man!
Osgood: Well, nobody's perfect.
Psycho (1960) von Alfred Hitchcock [Avi (DivX)] Horror/Thriller - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1.03 GB - 108 Minuten
Info & Review
Wer ?Psycho? einmal in seinem Leben gesehen hat, wird den Film nie wieder vergessen ? würde ich mal ganz forsch behaupten. Warum? Zum einen ist es Hitchcock hier noch effektiver gelungen, sein Publikum zu manipulieren. Andererseits knüpft die Handlung genau an Ängste an, die uns letztlich irgendwo alle bewegen: Opfer oder möglicherweise auch Täter eines Verbrechens zu werden, die Angst davor, in eine Situation zu geraten, die wir nicht mehr mit dem eigenen Willen meistern können, in der wir von einer Sekunde auf die andere völlig abhängig werden und in der es um Leben und Tod geht ? ganz unabhängig von der konkreten Geschichte, die ?Psycho? erzählt, und der Zeit, in der der Film spielt.
Marion Crane (Janet Leigh) und Sam Loomis (John Gavin) sind ein Paar ? aber ein mittelloses. Da bietet sich Marion eine Gelegenheit, schnell zu Geld zu kommen. Ihr Chef hat ihr nämlich 40.000 Dollar anvertraut, die sie auf der Bank einzahlen soll. Doch Marion entschließt sich, mit dem Geld Phoenix so rasch wie möglich zu verlassen. Auf ihrer planlosen Flucht gerät sie nachts in ein abgelegenes Motel, das der junge Norman Bates (Anthony Perkins) leitet: ?Bates Motel ... Twelve cabins, twelve vacancies.? Bates erscheint Marion sympathisch. Er erzählt ihr, dass er mit seiner Mutter in dem viktorianischen Herrenhaus nebenan wohne. Marion spürt, dass seine Mutter wohl eine eigenwillige und Bates gegenüber dominante Frau sein muss.
In der Nacht kommen Marion Zweifel an dem, was sie getan hat. Soll sie das Geld nicht lieber zurückgeben? Vor dem Schlafengehen will sie noch schnell duschen. Da betritt eine offenbar weibliche Person ihr Zimmer und tötet Marion unter der Dusche mit etlichen Messerstichen. Norman entdeckt die Leiche Marions und wirkt entsetzt. Er beseitigt sämtliche Spuren im Zimmer, packt Marions Leiche und ihre Sachen in ihr Auto und versenkt es in einem nahe gelegenen Teich.
Marions Chef hat inzwischen den Privatdetektiv Milton Arbogast (Martin Balsam) beauftragt, nach ihr und dem Geld zu suchen. Arbogast trifft zunächst auf Sam und Marions Schwester Lila (Vera Miles) und verspricht sie zu informieren, sobald er etwas in Erfahrung gebracht habe. Seine Ermittlungen führen ihn bald zu ?Bates Motel?, in dem er jedoch keine Spuren von Marion entdecken kann. Als er allerdings Norman Bates auf seine Mutter anspricht, reagiert dieser gereizt und fordert Arbogast auf zu gehen. Der erzählt Sam und Lila von seiner Begegnung mit Bates und kehrt ? neugierig wie ein Privatdetektiv nun mal ist ? heimlich in das Motel zurück. Als er in das Herrenhaus eindringt und die Treppe hinauf geht, erscheint wiederum die unheimliche Frau und sticht Arbogast mit dem Küchenmesser nieder.
Nachdem sie von Arbogast nichts mehr gehört haben, entschließen sich Lila und Sam, zum Motel zu fahren. Sie geben sich als geschäftsreisendes Paar aus. Dann erzählen sie dem Sheriff (John McIntire) von ihrem Verdacht gegen Bates und seine Mutter. Doch der hält es für ausgeschlossen, dass Bates mit irgendeinem Verbrechen zu tun haben könne. Und seine Mutter sei schon vor Jahren gestorben. Sie habe sich zusammen mit ihrem Liebhaber getötet. Sam und Lila sind entsetzt und kehren zum Motel zurück ...
Hitchcocks Manipulationen des Publikums in ?Psycho? sind eine Meisterleistung: Falsche Fährten, Mitleid mal für die eine, mal für den anderen, Horror, Sympathie-Wechsel usw.
Schon die Anfangsszene führt uns dies vor. Marion und Sam treffen sich in der Mittagspause zum Liebesspiel. Sam mit freiem Oberkörper, Marion ?halb-puritanisch? in einen BH ?verpackt? ist diese Szene doch mehr als eindeutig. Sie erzeugt Mitleid mit einem verzweifelten Paar, das sich liebt, aber aus Geldnöten nicht in der Lage ist, einen gemeinsamen Hausstand zu gründen. Dadurch dass Marion das Geld ihres Arbeitgebers entwendet, verhindert Hitchcock eine völlige Identifizierung mit den beiden Figuren, auch wenn der Diebstahl einer zwar nicht zwingenden, aber nachvollziehbaren Logik folgt. Hitchcock dehnt diese Geschichte bis zur Ankunft Marions im Motel weidlich aus. Marion scheint einerseits jetzt entschlossen, das Geld wieder zurückzugeben, andererseits schürt Hitchcock auch Vermutungen, sie könne sich das nochmal überlegen, weil Bates doch wirklich ein netter, sympathischer Kerl ist.
Dann schlägt Hitchcock brutal zu. Der Mord unter der Dusche beendet Marions Leben und mit ihm jegliche Erwartungshaltung bezüglich ihrer Zukunft. Doch nicht nur das. Bates säubert das Bad, gründlich, penibel, schafft Marions Leiche, ihre Habseligkeiten und zuletzt auch das in Papier eingewickelte Geld in das Auto und versenkt es im Teich. Man wartet förmlich darauf, dass das Auto ganz unter der Wasseroberfläche verschwindet, wie Bates, denn es entsteht plötzlich eine gewisse Form von Mitleid mit diesem jungen Kerl, der eine ganz schreckliche Mutter haben muss.
Dabei ist die Mordszene unter der Dusche ? 45 Sekunden lang ? in ebenso peinlicher Genauigkeit gedreht wie die anschließende Reinigungsszene. Die Mordszene wurde aus siebzig Kamerapositionen gedreht, mit einem Double. Von Janet Leigh sind nur Hände, Schultern und Kopf zu sehen. Teilweise wurden einzelne Momente in Zeitlupe aufgenommen. Der saubere und technisch brillante Schnitt ermöglichte den Eindruck eines wirklichen Mordes. Die Musik Bernard Herrmanns klingt einem noch jahrelang in den Ohren. Die Szene zeigt teilweise, wie das Wasser aus der Dusche (in Richtung Zuschauer) herunter prasselt, sich mit dem Blut vermischt, dann den Abfluss, in dem diese Mischung verschwindet wie das Leben aus Marions Körper, den Duschvorhang, an den sie sich krallt, als ob sie damit ihr Leben mit letzter Kraft festhalten wollte. ?Hinterher gibt es?, so Hitchcock, ?je weiter der Film fortschreitet, immer weniger Gewalt, denn die Erinnerung an diesen ersten Mord reicht aus, um die späteren Suspense-Momente furchterregend zu machen.?
Gerade hat man den armen Bates noch bedauert, geschieht ein weiterer Mord, der an Arbogast. Beide Morde erscheinen übrigens ? zumindest unterbewusst ? als Sühne für das gestohlene Geld. Marion hat es gestohlen und auch Arbogast interessiert sich weniger für die verschwundene Frau als für die 40.000 Dollar. Doch wie hat Hitchcock diesen Mord gedreht? Arbogast stirbt auf der Treppe des Herrenhauses, das er betreten hatte, um hinter das Geheimnis von Bates Mutter zu kommen. Hitchcock ließ die Kamera nicht hinter die ?Mörderin Mutter? stellen, sondern Russell filmte diese Szene von oben. Hätte er dem Zuschauer den Rücken ?der Mörderin? gezeigt, hätte man Verdacht geschöpft. Doch durch das Filmen von oben hintergeht Hitchcock das Publikum ein weiteres Mal. Es erscheint nicht so, als wolle er das Gesicht der Mörderin verstecken. Diese Einstellung ? das arglose Opfer und ?die Mörderin? vor der Treppe in Großaufnahme ? ermöglichte noch etwas anderes: den plötzlichen Wechsel der Perspektive: erst diese Großaufnahme des Treppenhauses mit den beiden Figuren, dann die Großaufnahme von Arbogasts Gesicht.
Immer noch Bedauern mit Bates? Doch dann geht das Wechselbad der Gefühle für das Publikum weiter. Die Polizei informiert Lila und Sam, dass Bates Mutter schon vor Jahren gestorben sei. Man rückt ab von der zeitweisen Sympathie für Bates. Das Publikum hat nur noch ein Interesse: Wer ist der Mörder? Ist es Bates? Aber was ist mit seiner Mutter? Ist sie wirklich tot? An die Stelle von begrenzter Sympathie, erst für Marion, dann für Bates, tritt jetzt das rein detektivische Interesse des Publikums, endlich zu wissen, was hier vor sich geht ? nur, diese Serie von emotionalen Schwankungen, Schocks usw. ist, wie in fast keinem anderen Film Hitchcocks, auf eine unglaublich stringente und fast schon skrupellose Weise durchgeplant.
Truffaut: ?Die ganze Konstruktion des Films kommt mir vor, als steige man eine Art Treppe der Anomalie hinauf. Zuerst ein Beischlaf, dann ein Diebstahl, dann ein Mord, zwei Morde und schließlich Geisteskrankheit.? Es ist nur der Film, die Technik, die Schnitte, die Fotografie, kaum die Story oder die Figuren, die aus ?Psycho? einen Suspense sondergleichen gemacht haben. Geschichte und Figuren, ja selbst die Psychologie in bezug auf Bates, sind dem völlig untergeordnet, lediglich Instrumente, auf denen Hitchcock spielt, um die Leiter des Suspense zu erklimmen und überraschende Wendungen herbeizuführen.
Und doch kann dies nur seine volle Wirkung entfalten in Relation zu den verborgenen oder bewussten Ängsten des Publikums. Denn der psychopathische Mörder ist eine Realität; die seelischen Abgründe, die ins uns allen mehr oder weniger schlummern, sind Realität; die Angst davor, gegenüber einer vertrauten Person ? sei es die Mutter wie im Film oder wer auch immer ? etwas falsch zu machen, die Angst vor Liebesentzug, ist Realität. Und nicht zuletzt die Angst vor Entdecktwerden (im Film vor der Polizei) und die Angst, selbst unter bestimmten Bedingungen zu einem potentiellen Mörder zu werden, sind existent. Kaum ein Regisseur hat mit alldem derart skrupellos-schön gespielt wie Alfred Hitchcock in ?Psycho?.
Zitate aus: François Truffaut (in Zusammenarbeit mit Helen G. Scott): Truffaut / Hitchcock, München / Zürich 1999 (Diana-Verlag) (Originalausgabe: 1983), S. 240. Vgl. auch Beier/Seeßlen (Hrsg.): Alfred Hitchcock, Berlin 1999, S. 403 ff.
Niagara (1953) von Henry Hathaway [Avi (DivX)] Wieder Online! Film Noir/Thriller - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 820 MB - 85 Minuten
Info & Review
Obwohl sie schon einige Zeit verheiratet sind, wollen Ray (Casey Adams) und Polly Cutler (Jean Peters) ihre Flitterwochen nachholen. Ray ist zum Vertreter des Jahres gewählt worden und ist nun an den Firmensitz, nahe den Niagara-Fällen, eingeladen worden, wo er den Firmenchef Mr. Kettering (Don Wilson) treffen soll. Allerdings kommt es zuerst zu einer Panne: Der gebuchte Bungalow mit Blick auf die Wasserfälle ist noch belegt. Dort wohnt Rose Loomis (Marilyn Monroe) mit ihrem Mann George (Joseph Cotten), ein Veteran aus dem Koreakrieg, der nach Roses Angaben psychisch mit den Folgen des Kriegs nicht fertig wird. Die beiden bitten die Cutlers, ob sie noch etwas wohnen bleiben können, und so beziehen Ray und Polly einen anderen Bungalow.
Allerdings erfährt der Zuschauer schon bald, dass Rose Georges Zustand drastischer schildert, als er ist - und das aus gutem Grund: Zusammen mit ihrem Liebhaber Patrick (Richard Allan) plant sie, allen klar zu machen, dass ihr Mann unzurechnungsfähig ist und ihn dann unauffällig an den Niagara-Fällen ins Jenseits zu befördern - alle würden an Selbstmord glauben. Allerdings bekommt George Wind rechtzeitig Wind davon und schafft es, den Spieß umzudrehen. Als Rose die Leiche ihres Liebhabers sieht, wird sie ohnmächtig - identifiziert ihn aber doch als ihren Mann. Aber kurz später, bekommt Polly am eigenen Leib zu spüren, dass George noch lebt ...
"Niagara" ist ein Thriller vor phantastischer Hochglanz-Atmosphäre - solide inszeniert, spannend und kurzweilig, ohne (abgesehen von ein, zwei kurzen "Schreck-Effekten") den Spannungsbogen zu überspannen. Marilyn Monroe liefert dabei eine gute schauspielerische Leistung - der "Star" des Films ist aber eigentlich Joseph Cotten.
I. Inhalt
II. Bogart & Marlowe: Die Geburt des Prä-Bond
III. Slim, oder wie klein-Betty zur lasziven Lauren mutierte
IV. Der große Schlaf eines großen Träumers
V. Marlowe´s Traum
VI. Ein paradoxes Fazit!
VII. Randnotizen/-bemerkungen
VIII. Cast & Credits
I. Inhalt:
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Der schwerkranke General Sternwood hat´s wahrlich nicht leicht. Nicht nur, daß er dem Tode schon näher ist als dem Leben und wie eine neugeborene Spinne die Hitze seines Gewächshauses braucht, hat er auch nichts als Scherereien mit seinen beiden verwöhnten Töchtern. Seine jüngere Tochter Carmen z.B., zwischen Daumenlutsch- und Nymphomanin-Dasein hin und her schwankend, wird mal wieder erpresst. Daher engagiert er Privatdetektiv Philip Marlowe, um endgültig nicht mehr mit solchen Unannehmlichkeiten belästigt zu werden. Aber Marlowe merkt auch, daß dem General noch etwas anderes am Herzen liegt: Shawn Regan, einer seiner Angestellten, in dem er fast so etwas wie ein Sohn sah, ist vor Wochen spurlos, ohne sich zu verabschieden, verschwunden. Dies hat ihn tief gekränkt.
Die Anwesenheit eines ?Schnüfflers? hat sich im Haus - auch dank eines sehr redseligen Dieners - schnell herumgesprochen. Der Argwohn von Sternwood´s älterer Tochter Vivian wurde geweckt und zudem läßt Marlowe sie über den Inhalt seines Auftrages im Unklaren. Könnte sie der Grund für seine Recherchen sein, denn auch sie ist einem Erpresser in die Hände gefallen. Nur geht es in Vivians Fall nicht um die Begleichung von dubiosen Spielschulden, sondern um das Schweigegeld eines Mitwissers, Eddie Mars. Sollte Marlowe diese Spur entdecken, wäre ihre Schwester Carmen in sehr großen Schwierigkeiten, denn sie hat für das plötzliche Ableben Shawn Regans gesorgt. Von daher tut Vivian alles erdenkliche, um den Privatdetektiv auf falsche Fährten zu führen, oder die Illusion zu erzeugen (auch für den Zuschauer), Shawn Regan würde noch leben. Ihre zutiefst unseriöse Verbindung zu Eddie Mars muß unerkannt bleiben...
II. Bogart & Marlowe: Die Geburt des ?Prä-Bond?:
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Humphrey Bogart hat stets von sich behauptet:
?Ich bin nicht attraktiv, habe aber Charakter im Gesicht, was mich Gallonen von Whiskey gekostet hat.?
(In irgendeiner Bogart-Biographie mal gelesen, das hat sich eingeprägt)
Was eigentlich der Besetzung Bogarts als Philip Marlowe eher hinderlich im Wege stand, bedenkt man doch, daß Chandler seinen Romanheld so beschrieb:
"Er hat dunkelbraunes Haar, braune Augen, und mit der Beschreibung 'ganz passables Aussehen' wäre er nicht im mindesten zufrieden." (Quelle: Internationales Lexikon des Films)
Chandler´s Wunschdarsteller war Cary Grant!!!. (Dennoch begeisterte ihn Bogey´s glänzende Performance, wen nicht! Wer jetzt die Hand hebt, dem möchte ich nur ?MÜLLER´S BÜRO? in Erinnerung rufen...)
Nein, der Howard-Hawks-erprobte Cary Grant wäre dem Typus des Individualisten Marlowe, der für 25 Dollar pro Tag + Spesen Aufträge sinistrer Klienten annimmt und durch einen Schmelztiegel von Erpressung, Dreck, Korruption und sonstigen dunklen Machenschaften watet, nicht gewachsen. Er hätte in seiner oft und gern gesehenen Art wie ein ?Milchgesicht-Fremdkörper? in Chandlers kaputter Welt gewirkt. Ein Dandy auf Urlaub oder ein reicher Dekadenzler, der mal eben ein Paar Aufträge übernimmt, man hätte es ihm einfach nicht abgenommen. (?Der dünne Mann? hätte da schon eher gepasst)
Nein, diese Figur erforderte eine andere Art von Charakter:
Einen Mann mit Charakter im Gesicht!
Er kennt die Schattenseiten der Welt - die Gosse - und wäscht die schmutzige Wäsche, die seine - zumeist - reichen Klienten ungern selbst reinigen. Mit allen Wassern gewaschen, setzt er sich notfalls brachial zur Wehr oder spricht - wenn es der Fall verlangt - auch ohne Slang. Stets Herr der Lage, selbst wenn ihn jemand kurzzeitig mit ein Paar ?Freunden? - oft gehörte Bezeichnung für ?Wummen? oder es sind wirklich Freunde, die draußen warten - droht, aber eines bleibt er dabei immer:
COOL!
(Auch, wenn ihm gefesselt der Rauch seiner Zigarette in den Augen brennt, das ist er gewohnt)
In dieser Hinsicht ist Bogart die Idealbesetzung.
Aber um ehrlich zu sein - ich habe zwar nie einen Chandler-Roman gelesen, dafür andere Leinwandadaptionen gesehen -, eines fällt merklich auf:
Bogarts Marlowe hat mehr mit Bogart zu tun, als umgekehrt. Humphrey spielt sein in den Jahren immer mehr perfektioniertes und kultiviertes Spiel grandios. Seine üblichen Verhaltensweisen wie Zähnefletschen, beidhändiges Greifen seines Gürtels finden ebenso Verwendung wie ein in diesem Film zum Einsatz kommendes, ständiges Ohrläppchen-Greifen (beim 15. Mal habe ich entnervt aufgehört mitzuzählen).
Zudem werden - wahrscheinlich aufgrund des Produktionsjahres von THE BIG SLEEP (1946) - Chandler´s amoralische Anspielungen (wie z.B. der Verkauf von pornographischen Heften & Drogenkonsum) bewußt (?) umgangen, nebulös gehalten oder bleiben unerwähnt.
(Allein den Einfall, pornographische Hefte - also in dieser Zeit nicht leicht zu bekommende Magazine - im Hinterzimmer eines Buchladens für seltene Bücher zu verkaufen, halte ich für eine doppeltpointiert-gelungene Anspielung auf die im Chandler-Universum herrschende Doppelmoral)
Ferner weicht der Film offenkundig vom Original ab (wer die werkgetreuere Verfilmung TOTE SCHLAFEN BESSER mit Robert Mitchum gesehen hat, weiß wahrscheinlich, was ich meine) und geht seine ganz eigenen, oft im Script geänderten und vollkommen auf den Protagonisten und sein Image zugeschnittenen Wege.
Und so - wohl Howard Hawks Absicht - mutiert Bogart´s Marlowe zuweilen zu einem investigativen ?Prä-Bond?, einem Womanizer, der ?Blondinen in Flaschen sammelt?.
Seine sichtbare Wirkung auf das weibliche Geschlecht wird noch durch 4 ?schmachtende? Frauen (Bibliothekarin, Taxifahrerin - mit einem Faible für ?Verfolgungsjagden?, Garderobenfrau und Zigarettenmädchen), die im Roman überhaupt nicht vorkommen, bewußt verstärkt.
Oder in einer anderen Situation, die der Feder einer Dorothy Parker entsprungen sein könnte und ich sie von daher die ?Des Mannes Wille ist nicht eine Frau mit Brille?-Szene nenne:
Dorothy Malone schließt als aüßerst intelligente, anfangs noch bebrillte, junge Frau und Ladenbesitzerin ihr Geschäft und nimmt Marlowe zuliebe ihre Brille ab, um dann ?ganz Frau? ihr Haar zu öffnen, was Bogart dann mit einem begeisterten ?HALLO!? quittiert. Seine positive Reaktion wurde von ihr sehnsüchtig-devot erwartet. Endgültig aufs Äußerliche reduziert, kann man sie nun ?in Flaschen sammeln?. Was dann im Laden passiert, bleibt der Phantasie überlassen...
Diese Szene wurde um die eben erwähnt-betont weiblichen Reize ins Spiel bringenden Aspekte erweitert. Das ?Motiv? dafür war für Hawks schnell gefunden:
?Das haben wir nur gemacht, weil das Mädchen so verdammt gut aussah.?
Ich kann verstehen, wenn dies bei der einen oder dem anderen Chauvi-Alarm auslöst. Aber Macho (!?) Hawks hatte ohnehin ein Faible für einen ganz bestimmten Typus von Frau (allein darüber könnte man einen Bericht schreiben), den er Bogart bereits zuvor in ?HABEN UND NICHTHABEN? zur Seite gestellt hatte und ihn mit ?THE BIG SLEEP? weitersponn und perfektionierte. Natürlich kam die durch sämtliche Gazetten geisternde Liebesaffäre zwischen Bacall & Bogart dem Erfolg des Films zugute und das Drehbuch machte auch in dieser Hinsicht einige spür- und sichtbare Zugeständnisse. Das Traumpaar ging in die 2. Runde...
III. Slim, oder wie klein-Betty zur lasziven Lauren mutierte:
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Howard Hawks und Humphrey Bogart waren fast gleich alt (3 Jahre Unterschied) und hatten noch eine andere Gemeinsamkeit: Sie waren beide auf denselben Typ ?reingefallen?, der dann auch noch knapp 25 Jahre jünger war als sie selbst und allen Widrigkeiten zum Trotz (Hawks und Bogart bereits verheiratet) geheiratet wurde: Slim!
(Zur näheren Erläuterung des Namens ?Slim?: Howard Hawks war ein Bekannter von Hemingway und spielte mit seiner Frau Nancy oft ein Spiel, wo er den Part ?Steve? und sie den von ?Slim? übernahm. Diese Figuren kommen in Hemingway´s Buch ?Über den Fluß und in die Wälder? vor und benahmen sich in etwa so wie Bogart & Bacall in der Hemingway-Adaption ?HABEN UND NICHTHABEN? - dort nennt sie Bogey in der bekannten ?Du kannst doch pfeifen?-Szene im Original auch ?Steve? - und eben Chandler´s ?THE BIG SLEEP?)
Das ?Original? Nancy Gross hatte Hawks in einem Spielclub(!) kennengelernt und er war auf der Stelle fasziniert von ihrem ?Typ?: attraktiv, großgewachsen, selbstbewußt, provokant, intelligent, spöttisch-kokett und dies kombiniert mit einem distinguierten Auftreten.
Ein Satz von ihr mag die Wirkung auf Howard Hawks verdeutlichen:
?Ich lege Wert darauf, intelligent zu sein, einen unverwüstlichen Humor und ein gesundes Interesse an Männern zu haben.? (Eigenschaften, die häufig von Frauen in Hawks Filmen ?verkörpert? werden)
Und wenn man ein Foto von ihr sieht, ist eine gewisse Ähnlichkeit mit Lauren Bacall (eigentlich Betty Bacal) zu erkennen.
Interessanterweise wurde Lauren Bacall von Nancy Gross ?entdeckt?, als sie ein Foto von ihr in einem Magazin sah, wo sie als Krankenschwester posierte. Nancy war von Laurens Auftreten mehr als angetan:
?Sie war wirklich eine strahlende Schönheit nach meinem Geschmack - tadellos gepflegt, natürlich, feurig. Und sie hatte eindeutig etwas von einer Raubkatze.?
Oft und gern-Jäger Hawks hatte mittlerweile auch Feuer gefangen und holte Bacall nach Hollywood, wo er in einem langwierigen Prozeß des Experimentierens aus ihr - das Wachs in seinen Händen - ?Slim? machte, seine ?Traumfrau?.
Ihre tiefe Stimme mußte sie sich hart erarbeiten, war ihr doch das Gegenteil naturgegeben. So folgte sie dem Rat ihres ?Arztes? Hawks und las in den Bergen Hollywoods - lt. Legende - ?an einem einsamen Plätzchen am Mulholland Drive den Hasen aus dem Roman `das Gewand´ vor?.
Zudem ging Hawks bei seiner Frau Nancy ?in Schule?, studierte sie eindringlich (ganz besonders Kleidung, Sprache, Umgang mit Männern) und ließ bei Dialogen ihre Worte miteinfließen. Fertig war die perfekte Imitation / Creation ?Slim? aka ?The Look?: Lauren Bacall
Die Frage, ob Hawks dies bewußt oder unbewußt tat, ist mehr als interessant, bin ich doch mittlerweile der Meinung, daß ?THE BIG SLEEP? sein persönlichster Film ist und von daher viel Aufschluß über sein Wesen gibt.
IV. Der große Schlaf eines großen Träumers:
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Howard Hawks war ein Träumer, der in der Traumfabrik Hollywood Träume am laufenden Band produzierte, Traumfrauen / Männerträume inszenierte (nie werde ich den mehr als provokanten Blick von Jane Russell in ?THE OUTLAW? oder ihr ?Duett? mit Marilyn Monroe in ?Blondinen bevorzugt? vergessen) oder aber auch - wie schon erwähnt - Traumpaare schuf.
Und zwischen Probeaufnahmen, Castings, Dreharbeiten, dem Feilen am Drehbuch und was sonst noch alles nötig ist, um einen Hollywood-Traum auf Zelluloid zu bannen, kann ein potentieller Tagträumer von seiner Phantasie stimuliert / beflügelt werden. Die Wirklichkeit verschmilzt mit der Illusion.
Von daher war Hollywood der ideale Ort für Hawks, der sich dank seiner Unabhängigkeit (oft produzierte er seine Filme und stand nicht selten mit dem Studiosystem im Clinch) ?seine Welt? erschaffen konnte. Der Idealfall für einen Neurotiker, der sich die Welt ?hinbiegt? wie er sie will. Er (ver)formt reale Personen zu Figuren (sowohl weiblich als auch männlich), die nach seinem Geschmack sind und stattet sie in dieser ?Wirklichkeit? mit den Eigenschaften, die ihn in der anderen Realität fehlen, aus. Fertig ist der hybride Wunschtraum, der möglicherweise dazu führt, daß nicht mehr zwischen Sein und Schein unterschieden werden kann, bzw. die Übergänge beider ?Wahrheiten? fließend sind. Ob Hawks letztendlich diesem Irrtum erlag, ist mir nicht bekannt, aber ein Potential zum ?Spielen mit der Wirklichkeit? war definitiv vorhanden, ein Auszug aus der Autobiographie von Nancy Gross mag dies vielleicht verdeutlichen:
?Howard baute ein solches Phantasieleben um sich auf, daß er es schließlich für die Wirklichkeit hielt. Es kam ihm nie in den Sinn, daß ich die Widersprüche zwischen Dichtung und Wahrheit bemerken würde, doch das tat ich, einfach weil ich ihn dieselben Geschichten immer wieder einem neuen Publikum erzählen hörte. Der Stoff variierte ständig - er schrieb sein Drehbuch jedesmal völlig um. Nicht dass Howard log, weil er andere übertrumpfen oder ihnen die Show stehlen wollte. Er stand nur mit der Wahrheit auf Kriegsfuß. Seine Flunkerei war eine psychopatische Marotte. Er träumte, wenn er wach war und hatte einen völlig traumlosen Schlaf.?
(Witzigerweise sagt General Sternwood in ?THE BIG SLEEP?: ?Mein Schlaf ist dem Wachsein so ähnlich, daß er kaum noch den Namen Schlaf verdient.?)
Und genauso ist ?THE BIG SLEEP?:
Voller Widersprüche, nebulös, wirr und sprunghaft in der Handlung, wie ein Traum ... Marlowe´s Traum!
V. Marlowe´s Traum:
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Es ist fast so, als würde man dem (Wunsch)Traum eines Mannes beiwohnen, der der Welt seinen eigenen Stempel aufdrückt. Er spielt mit ihr und hält die Leute gerne zum Narren. Trotz kleinerer Schwächen, kurzzeitiger Knock-outs oder unliebsamer Bondage-Erfahrungen ist diese, seine Welt ihm im Endeffekt nicht gewachsen. Marlowe triumphiert, ganz besonders über diejenigen, die es gewagt haben, ihr eigenes Spiel und dann auch noch - als Steigerung - mit ihm zu spielen. Aber natürlich liebt er es auch andererseits mit ihnen zu spielen. So ist er mal Maus oder Katze.
Wird er verbal oder brachial angegriffen, schafft er es - bis auf 2 Ausnahmen - umgehend, mit wie aus der Pistole geschossenen Sprüchen oder sonstigen Contra-Paraden, den Spiess umzudrehen. Dies schüchtert seine Gegner bzw. ?Spielkameraden? ein, aber imponiert ihnen auch. Marlowe macht in seiner Welt einen guten Schnitt.
Sein egozentrischer Traum folgt konsequent den traumüblichen Gesetzen der Unlogik. Egozentrisch, weil Marlowe in jeder Situation des Films anwesend ist, als wäre die Welt um ihn herum ?gebaut? (aber das ist ja nicht selten bei Detektivgeschichten aus der Ich-Perspektive). Zutiefst subjektiv funktioniert er in seinem Traum als Richter, Ankläger, Beobachter, Retter, Opfer, Kombinierer und was sich sein Unterbewußtsein noch für Szenarien und Rollen ausgedacht hat.
Der Part des Individualisten Marlowe wird dadurch noch gekonnt betont. (Ganz nebenbei hat der Arme nicht mal eine SekretärIn) Diese Welt definiert sich ausschließlich durch Marlowes Wahrnehmung, was dem Zuschauer die Identifikation mit dem Protagonisten erleichtert, geht er doch mit ihm eine audio-visuelle Personalunion ein: Was Marlowe sieht, hört und sagt wird ?wahrgenommen? (so ein Wort liebe ich), alles andere ist absolute Finsternis und bleibt der Phantasie überlassen. Ein leeres Buch mit sieben Siegeln und einem Druckfehler auf Seite 110.
So degeneriert Marlowe und der Film zuweilen zu einer Maus in einem verschachtelten Labyrinth nebulöser Ungewißheit, fern jedweder Rationalität, dem kaum jemand folgen kann.
Eine passende Kritik zum Film lautete so:
?Egal, wann man ins Kino gekommen ist, man hat immer das Gefühl, bereits die Hälfte des Films verpasst zu haben.?
Und so ist dann auch das Fazit.
VI. Ein paradoxes Fazit:
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?THE BIG SLEEP? nimmt durch seine sprunghafte & bewußt-subjektive Inszenierung zuweilen surreale Ausmaße an. Eine perfekt eingefangene, selten so dicht gesehene schwarz-weiß-Atmosphäre, kombiniert mit der synthetischen Aura eines omnipräsenten Studiofilms (ich glaube für keine einzige Szene wurde das Studiogelände verlassen), unterstützen diesen Effekt kongenial. Studiofilm aber noch aus einem anderen Grund:
Die Musik von Max Steiner (15 Bogartfilme ?untermalt?), die einen Bogart-Fan regelrecht konditioniert hat, erzeugt ein so familiäres Gefühl, daß man sich auch nicht darüber wundert, einen von Warner Bros. (53x mit Bogey) produzierten Film zu sehen. Das passt wie die Faust aufs Auge. Man hatte alles unter Kontrolle und konnte die perfekte Illusion (=Film, d.h. wenn er funktioniert) erschaffen, denn:
Trotz unzähliger Widersprüche macht Hawks aus der Not eine Tugend. Er versteht es meisterlich den Zuschauer blendend zu unterhalten und auffallende Ungereimtheiten im Verlauf unauffällig bzw. nebensächlich erscheinen zu lassen. Man wird bewußt abgelenkt, was Hollywood und Hawks grandios beherrscht. Die Traumfarbik setzt nicht auf Schlüssigkeit sondern auf Wirkung, Unterhaltung und Präsentation.
Ein besonders cleverer ?Kniff? ist mir aufgefallen:
Schnitte und Überblendungen sind ein oft und gern genutzes Mittel um Szenen mehr oder weniger fließend miteinander zu verbinden. Wenn die Logik aussetzt, kann man dennoch den Zuschauer bei der Stange halten, indem ihm etwas anderes vorgesetzt wird, was nicht selten durch Symbole geschieht (wie im Traum). Kommt der Handlungsfaden ins Stocken, kann aber auf einer anderen Ebene die Verbindung gehalten werden. Sei es durch zuvor erwähnte Namen, die jetzt wieder auftauchen und eine Brücke bauen, oder andere Schlüsselelemente.
So kann man in ?THE BIG SLEEP? die Funktion der Tür (Eingang/Ausgang) als Bindeglied zur nächsten Szene sehen, oder aber auch als Mittel, um die Geschichte voranzutreiben.
Ständig werden Türen geöffnet/geschlossen und lassen neue/alte Figuren auf die Bühne treten, oder sie auch wieder durch selbige verlassen. Besonders gelungen: Die eine Szene wird mit dem Schließen einer Tür beendet und die nächste mit dem Öffnen einer anderen eingeleitet. So etwas empfinde ich - auch im übertragenen Sinne - als eine ?konditioniert-fließende Bewegung?. Ich werde manipuliert...
Hawks drückt Dir seinen Traum auf und Du fühlst Dich nicht einmal gezwungen-genötigt, weil er Dir seinen so wundervoll geschüttelt-und-nicht-gerührten Cocktail auf einem Silbertablett serviert. Du verfällst der Magie eines Illusionisten, der Dich dank eines guten Drehbuchs mit geschliffenen Dialogen in Kombination mit amourösen Anspielungen und einer virtuosen Leichtigkeit verzaubert. Und der Humor kommt in ?THE BIG SLEEP? auch nicht zu kurz:
General Sternwood: ?Wie trinken sie ihren Brandy am liebsten??
Marlowe: ?Aus einem Glas!?
Hawks verkauft Dir seinen Traum mit dem ihm ganz eigenen Augenzwinkern und einer gehörigen Portion knisternder Erotik, die sich nicht selten hinter zweideutigen Bemerkungen im Dickicht des Urwalds versteckt, oder in Form eines realen! Blitzes entlädt:
In Vivian´s Schlafzimmer faucht sie mal wieder Marlowe an und er faucht dankend zurück, hat er doch eine SpielkameradIn gefunden. Die Spannung zwischen ihnen ist so stark, daß Hawks sie mit dieser Naturgewalt betont. Allerdings ohne Donner, nur ein rein platonisches Aufflackern im Hintergrund. Ein im Raum stehender Kuss fällt noch nicht.
Blitze, Donner und Regen liefern dann auch die Vorraussetzungen, daß Marlowe seiner Natur folgen kann/muß und bei der Buchladenbesitzerin Unterschlupf sucht, ?um dort nass zu werden?. Der passionierte Jäger Hawks geht mit dem ?Prä-Bond?-Marlowe im Großstadtdschungel von Los Angeles auf die Jagd, um gefährliche Raubkatzen oder ?Revierrivalen? zu fangen, erlegen, zum Schnurren zu bringen und dann wieder frei zu lassen, denn der Morgen stirbt ja bekanntlich nie...
Wer jetzt sagt: Das geht doch gar nicht, Fangen, Töten, Schnurren und Freilassen?
(Das witzige ist: Es gibt auch andere interessante Reihenfolgen)
So mancher Tod schläft eben doch nicht so fest und träumt ergo auch nicht den großen, tiefen Schlaf. Er besinnt sich eines besseren, wacht wieder auf und verlangt nach einer ?Revanche?, die nächste Duftmarke wurde bereits gesetzt. Das (Vor)Spiel kann beginnen...
(War das in seiner Zweideutigkeit eindeutig genug?)
Hawks will wilde und schnurrende Raubkatzen, die einen Dompteur und Dresseur in Personalunion (er)fordern. Zucker & Peitsche, es soll ja nicht langweilig werden. Auch von daher muß es für Hawks ein Vergnügen gewesen sein, als Regisseur Frauen zu inszenieren, formen und nach seinem Willen zu erschaffen, die ihm - er ist schließlich DER GROSSE REGISSEUR - hörig zu folgen haben.
Nur manchmal geht der ?Schuss? nach hinten los, oder es fällt gar keiner und der Jäger schmeißt die Flinte ins Korn, sieht er doch seine Felle davonschwimmen. Das Geschöpf/sein Traum wagte es, ihrem Schöpfer in den Rücken zu fallen und sich einem anderen Mann zuzuwenden, einem Mythos, der sich selbst erschaffen hatte. Da half auch kein Intrigieren gegen Bogart, der Hawks Traum heiratete. Der Stachel saß tief und nicht nur, daß er dem Paar nie zur Hochzeit gratulierte, warf er Humphrey ironischerweise das Erliegen einer Illusion vor:
?Und das lustige daran ist, daß Bogey sich in die Figur verliebte, die sie spielte, so daß sie die Rolle ihr Leben lang weiterspielen mußte.? (Auszug aus ?Hawks on Hawks?)
Vielleicht weil er ein Träumer war, blieb er auch im Alter jung. Was seinen Filmen immer spürbar anhaftete. Makaber: Mit 81 starb der noch sehr rüstige ?Katzenliebhaber?, als er über seine Hunde stolperte und den Folgen der daraus resultierenden Kopfverletzung erlag...
Einem der größten und vor allem vielseitigsten Regisseure aller Zeiten sage ich:
Danke Howard Hawks!!!
THE BIG SLEEP ist der Stoff, aus dem Träume gemacht sind!
PS:
Ich mag ja Katzen lieber, da sie - für mich - Individualismus und Eigensinn symbolisieren. Bei Hunden assoziiere ich zuallererst Rudelmentalität, Gehorsam (?will Stöckchen zu Herrchen bringen?) und ?die stinken ja immer so wenn es regnet?.
Und so warst Du, der die Unabhängigkeit stets suchte, für mich immer ein Leopard, der am Ende einsam in eine dunkle Gasse geht und deren Finsternis Dich dann vollends verschluckt...
Marlowe war genauso, nur läßt Du ihn am Ende nicht einsam-desillusioniert (wie im Buch) zurück, sondern gibst dem Publikum ein happy end und Bogart ein Stück Zucker: Lauren Bacall!
Der einsame Wolf wurde häuslich-domestiziert und heult nicht mehr den Mond an. Ein pfeifendes Schaf im Wolfspelz - oder andersrum? - fing ihn ein und brachte ihm das ?Kläffen? bei. Natürlich tragen sie weiterhin ihre Pelze - sie können sie auch tauschen - und ziehen sie bei Bedarf aus, es soll ja nicht langweilig werden...
VII. Randnotizen/-bemerkungen:
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- Es gibt noch eine andere Version des Films, aber die fiel beim Testpublikum durch und Warner Bros. war auch nicht von der Wirkung Lauren Bacalls begeistert. Lange blieb der Film im Studiotresor. Später wurden Szenen nachgedreht, die mehr auf Bogart&Bacall zugeschnitten wurden und prickelnde Erotik versprühten. Dafür fielen andere Szenen heraus, wie z.B. eine zähflüssige Auflösung des ganzen Falles von Marlowe vor den Vertretern des Gesetzes. Die vorher viel gewichtigere Rolle von Bacalls Filmschwester Carmen wurde immer mehr zu einem schmückenden Beiwerk zurechtgestutzt. So lagen zwischen Drehbeginn und Premiere 20 Monate.
- Während der Dreharbeiten kam Bogart zu Hawks und fragte, wer denn eigentlich wen ermordet hatte. Hawks konnte ihm darauf keine Antwort geben und rief schließlich Chandler an, der es aber auch nicht mehr wußte...
- Es gibt in der Geschichte ja noch ein anderes ?Lamm?: Die kaltblütige Agnes!
Ihren Part finde ich am interessantesten. Im gewissen Sinne ist sie Marlowe ebenbürtig, spielt ebenso ihr Spiel und macht am Ende auch ihren Schnitt. Sie läßt sich nicht fangen, auch wenn diverse Männer dieser Illusion erliegen, womit sie den Spieß umgedreht hat. Andere sterben für sie, ohne daß sie mit der Wimper zuckt. Sie ist die leider viel zu wenig beleuchtete Venusfalle. Auch wenn sie meint ?Ich ziehe immer nur Nieten?, wird sie irgendwann einmal einen Gewinn einfahren, fällt sie doch wie eine Katze immer wieder auf ihre Pfoten.
- Wofür mag wohl das Ohrläppchengreifen stehen? Für Instinkt/Ahnung, einen analytischen Verstand, der ein Fragezeichen wittert?
- Bogey war nicht gerade ein langer Kerl - vielleicht deswegen die Anspielung im Film und sein Konter mit den Stelzen -, daher hat Lauren Bacall in ihren Szenen mit Humphrey flache Schuhe an, es sei denn, er sitzt gefesselt am Boden.
- Das Buch ?Tote schlafen fest - Mythos und Geschichte eines Filmklassikers? von David Thomson hat mir sehr viel Aufschluß über Film und Regisseur gegeben. Viele in diesem Bericht vorkommenden Zitate, stammen daraus. Seitdem ich nun die dort beschriebenen Charakteristika von Hawks kenne und seine Verbindung zu Frances Farmer & ihrem Schicksal, muß ich oft an David Lynch und ?MULHOLLAND DRIVE? denken. Gerne wüßte ich von ihm, ob es eine Verbindung zwischen ihm und Hawks/?THE BIG SLEEP? gibt. Auch über Hawks bzw. diesen Film könnte gesagt werden: ?Es war nicht Tag oder Nacht, es war etwas dazwischen.? Eine bewußte Spielerei, die perfekte Illusion.
- Marlowe&Toupet=Bogart&Willis: Humphrey und Bruce trugen/tragen oft ein Toupet und was mir vor Monaten nicht aufgefallen war - obwohl so offensichtlich -, aber Bruce Willis ist in ?LAST BOY SCOUT? ein Marlowe par excellence, nur verheiratet mit einer Tochter.
- Für mich eine ideale Kombination: Los Angeles und Privatdetektiv, vor allem wenn ein Film so inszeniert wird wie ?THE BIG SLEEP?. In der Stadt wo Träume produziert werden, findet Marlowe im Wirrwarr von Täuschungsmanövern und abgekarteten Spielen des Rätsels Lösung ... irgendwo in der Nähe von Realito!!!
- Gerne hätte ich einen James Bond-Film unter der Regie von Howard Hawks gesehen, gleiches gilt für ?DIE FRAUEN?
Transpluto-Wertung: 9,25
Transpluto
Dieser Text ist zuerst erschienen bei: ciao.de
Tote schlafen fest
(OT: The Big Sleep) USA 1944-1946, FSK 16, 110 Min., Krimi, Detektivfilm + diverse Male vom Original abweichende Literaturverfilmung
VIII. Cast & Credits:
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Cast:
Humphrey ?mega-cool? Bogart (Philip Marlowe), Lauren ?im wirklichen Leben ein Lamm? Bacall (Vivian Rutledge), John Ridgely (Eddie Mars), Martha Vickers (Carmen ?Daumenlutsch? Sternwood), Louis Jean Heydt (Joe ?sich selbst mega-überschätz? Brody), Sonia Darrin (Agnes, die im anderen ?BIG SLEEP? viel schöner war), Dorothy ?zu dem Zeitpunkt noch braunhaarig? Malone (BuchladenbesitzerIn), Peggy Knudsen (Mrs. Eddie Mars), Regis Toomey (Bernie Ohls), Charles Waldron (General ?R.I.P.? Sternwood), Charles D. Brown (Norris), Bob Steele (Canino), Elisha Cook, jr. (Harry ?Agnes treu ergeben? Jones) u.v.a.
Credits:
Produktion + Regie: Howard Hawks
Produktionsfirma: Warner Bros. (wer sonst?)
Drehbuch: William Faulkner, Leigh Brackett (Hawks: ?eine Frau, die wie ein Mann schreibt?) und Jules Furthman (nach dem gleichnamigen Roman von Raymond Chandler)
Musik: Max Steiner (wer sonst?)
Kamera: Sid Hickox
Goldrausch (1925) von Charlie Chaplin [Avi (DivX)] Komödie - DVD-Rip - Deutsch - 570 MB - 68 Minuten
Info & Review
Ungewohnte Töne hörte man bei der Premiere von Charlie Chaplins ?Goldrausch? Ende Juni 1925 in Los Angeles. Chaplin, als Perfektionist bekannt, äußerte sich erstmals rundum zufrieden über einen neuen Film. Seine Erfolge mit den Stummfilmen Der Vagabund und das KindGoldrausch und ?Die Nächte einer schönen Frau? korrigierten die Erwartungen an ?Goldrausch? noch weiter nach oben; sich selbst wollte Chaplin mit dem Film ein Denkmal für die Ewigkeit setzen. Bis heute ist ?Goldrausch? Chaplins populärster Film: Der Tramp als Goldgräber in den verschneiten Bergen Alaskas, in einem virtuosen Balanceakt aus Tragik und Slapstick.
Ende des 19. Jahrhunderts: Wie viele andere Amerikaner geht der Tramp (Charlie Chaplin) auf Goldsuche, da er sich nach Reichtum und Prestige sehnt. Bereits kurz nachdem er den Chilkoot-Trail überquert hat, überrascht ihn ein Schneesturm, vor dem der Tramp in einer abgelegene Hütte Schutz findet. Dort trifft er auf den Ganoven Black Larsen (Tom Murray) und Big Jim McKay (Mack Swain). In eisiger Kälte und ohne Proviant beginnt der Kampf ums Überleben. Als der Sturm nachlässt erreicht der Tramp eine kleine Goldgräberstadt, wo er die Tänzerin Georgia (Georgia Hale) kennen lernt, in die er sich gleich verliebt. Voller Hoffnungen, Georgias Herz zu erobern, lädt er sie in die Hütte eines hilfsbereiten Goldgräbers zum Silvesteressen ein. Unterdessen kommt Big Jim zurück in die Stadt. Nach einem Streit mit Black Larsen hatte dieser sein Gedächtnis verloren und sucht nun verzweifelt seine Mine. Mit dem Versprechen, die Hälfte seines Gewinnes abzutreten, macht sich Jim zusammen mit dem Tramp auf die Suche nach der Mine. Wieder geraten die Beiden in Gefahr ? erneut ist es ein Schneesturm?
Es war der Traum vieler Amerikaner. Um reich zu werden, machten sich wenige Jahre vor der Jahrhundertwende rund 100.000 Abenteurer auf den Weg nach Alaska und Yukon. Der Goldrausch am Klondike gehört dabei zu den dramatischsten Episoden in der Geschichte Kanadas. Nur jeder Vierte erreichte überhaupt die Goldfelder, wenige davon hatten das Glück, sich einen der begehrten Claims sichern zu können. Als kürzeste und zugleich billigste Route wurde der Chilkoot-Trail zu einer Schlüsselstelle für den Großteil der Goldsucher. Aus Mangel an Proviant und fehlender Ausrüstung mussten bereits hier viele ihre Hoffnungen begraben.
Inspiriert wurde Chaplin von einem Frühstück mit seinen Partnern bei United Artists, Douglas Fairbanks und Mary Pickford. Sie zeigten ihm Fotos von Goldgräbern, die sich, wie an einer endlosen Schnur gereiht, den tief verschneiten Chilkoot-Trail hoch wunden. Neben diesem Bild weckte ein Buch über die sogenannte Donner-Tragödie Chaplins Fantasien: eine Gruppe von Einwanderern wurde 1846 in der Sierra Nevada von Eis und Schnee eingeschlossen. Ein erster Rettungstrupp blieb ebenso erfolglos wie alle weiteren Hilfeversuche. Aus diesem Material formte Chaplin die Umsetzung der Tragödie in eine Leinwand-Komödie.
Der stärkste Punkt des Films sind Chaplins Einfälle bei den Slapstickszenen. Lebensgefahr, Hunger und Einsamkeit spornen den Tramp immer wieder zu neuen Höchstleistungen an. So wird aus einem Notbehelf ein extravagantes Schuh-Dinner, aus dem Tramp ein monströses Huhn und als er an Silvesterabend allein in der Kälte steht, folgt ein Brötchentanz, wie er graziöser nicht hätte sein können. Chaplin drehte die Szenen so oft, bis sie perfekt inszeniert waren. Dass Mack Swain aufgrund der vielen Lakritze (aus der der Schuh bestand) Magenprobleme bekam, war nur eine der notwendigen Nebenwirkungen. Zwar hatte Chaplin erstmals von Beginn an eine feste Story, doch die einzelnen Szenen und Gags wurden weiterhin größtenteils improvisiert. Während der Dreharbeiten verfilmte Chaplin rund 70 000 Meter Zelluloid, von denen gerade einmal 2000 Meter in der Endfassung des Films verwendet wurden.
Neben all der Komödie enthält ?Goldrausch? allerdings ebenso scharfe Kritik an einer Gesellschaft, die allem Anschein nach nur auf materielle Dinge fixiert ist. Wirkliche Zuwendung erhält der Tramp erst, nachdem er einen Ohnmachtsanfall vorttäuscht und sich so eine Mahlzeit bei einem Goldsucher erschleichen kann. Von Big Jim wird er als Arbeistier benutzt und die Zusammenarbeit der Beiden ist auch nicht mehr als ein notgedrungenes Zweckbündnis. Auch Georgia täuscht dem Tramp ihre Zuneigung vor und macht sich hinter seinem Rücken lustig über ihn. Das Happy End ist nicht nur erkauft, es beweist auch feine Ironie: Nachdem der Tramp seine Identität aufgibt, um lediglich Big Jims Partner zu sein, ist der Erfolg seiner Story nichts weiter als Zufall und gute Vermarktung.
Die Wahl der Hauptdarstellerin fiel zunächst auf Edna Purviance, die bereits einige Jahre mit Chaplin zusammenarbeitete. Doch Edna war außer Form, seit einigen Jahren hatte sie keine Filmrolle mehr bekommen und auch ihre Trinksucht stellte ein großes Hindernis dar. Kurz nach Beginn der Arbeiten an ?Goldrausch? setzte ihr dann ein Hollywoodskandal weiter zu, durch den sie endgültig ihre Rolle verlor. Ein passender Ersatz war schnell gefunden ? Lillita McCurry, die den Engel der Versuchung in Der Vagabund und das KindGoldrausch spielte, sollte die Hauptrolle übernehmen. Lita Grey, so ihr Künstlername, war zwar erst 15 und als Schauspielerin nicht wirklich talentiert, aber sie gefiel Chaplin. Bei den Dreharbeiten kam dann das, was kommen musste: Chaplin verliebte sich in Lita, die kurz darauf schwanger wurde. Litas Eltern, die erst jetzt von der Affäre erfuhren, drohten mit einer Klage wegen Vergewaltigung. Am Ende blieb Chaplin keine andere Wahl als Lita zu heiraten, da eine wahrscheinliche Verurteilung mehrere Jahre Gefängnis für ihn bedeutet hätten. Litas Schwangerschaft räumte den Platz für eine neue Haupdarstellerin, den sich die achtzehnjährige und gänzlich unbekannte Georgia Hale ergatterte.
An der Kinokasse legte ?Goldrausch? einen Blitzstart hin. Als der Film jedoch wenige Tage später die Metropolen Amerikas verließ und die Massen auf dem Land erreichte, brach das Geschäft unerwartet ein, der Film floppte regelrecht. Bei Produktionskosten von fast einer Million Dollar spülte ?Goldrausch? zwar das Sechsfache in die Kassen zurück, doch die Leute wollten lachen und waren angesichts der Tragik im Film enttäuscht. 1942 wagte Chaplin dann einen zweiten Anlauf und brachte ?Goldrausch? in einer komplett überarbeiteten Fassung erneut in die Kinos. Neben einer Schlankheitskur, der eine halbe Stunde Film zum Opfer fiel, ersetzte Chaplin die im Stummfilm üblichen Zwischeneinblendungen durch einen selbstgesprochenen Kommentar. Musikalisch unterlegt wurde die Wiederaufführung von Max Terr, der für seine Arbeit 1944 mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde.
Völlig zu Recht wurde ?Goldrausch? 1998 von Filmexperten und Kritikern in die Liste der 100 besten Filme des American Film Instituts gewählt und platzierte sich dabei noch vor Lichter der GroßstadtGoldrausch und Moderne ZeitenGoldrausch. Mit dem Tramp hat Chaplin eine Figur geschaffen, die noch immer als Synonym für herausragende Slapstickkunst steht. In ?Goldrausch? tritt der Tramp noch eine Dimension vielschichtiger auf: Schon immer war er ein Außenseiter am Rand der Gesellschaft, in ?Goldrausch? ist es zusätzlich die existenzielle Not, die den Tramp bedroht. Dass er auch hier an seinem Anstand und seiner Würde festhält, zeigt erst seine wahre Größe.