?Im Zeichen des Bösen? gilt als ein Meisterstück des Film Noir, welches die typischen Stilelemente in beispielhafter Weise gleichermaßen zelebriert wie ad absurdum geführt hat. Orson Welles letztes Hollywood-Werk ist der Schlusspunkt hinter einer außergewöhnlichen Stilrichtung und ein dadurch begründetes, beliebtes Subgenre urbaner Verschwörungs- und Kriminalfantasien. Und einen besseren Abschluss für den Kosmos zwielichtiger Charaktere und finsterer Halbwelten hätte es kaum geben können?
Während der mexikanische Drogenfahnder Mike Vargas (Charlton Heston) und seine Frau Susan (Janet Leigh) in einer mexikanischen Grenzstadt ihre Flitterwochen verbringen, explodiert auf der amerikanischen Seite der Grenze eine Autobombe. Vargas vermutet, dass der Sprengstoff schon in Mexiko platziert wurde und schaltet sich in die US-Ermittlungen ein. Er stößt auf den Polizeichef Hank Quinlan (Orson Welles), der so seine ganz eigenen Vorstellungen von Recht und Ordnung hat. Die beiden geraten schnell aneinander und vertreten im Fall alsbald zwei verschiedene Ansichten. Vargas findet heraus, dass Quinlan mit Vorliebe Beweismittel manipuliert und beginnt nun gegen ihn zu ermitteln, doch damit stellt er sich gegen eine lebende Legende?
?Im Zeichen des Bösen? beginnt wie alle Paradebeispiele des Film Noir. Mit einer einfachen Begebenheit, in diesem Fall die Explosion einer Autobombe, wird eine Abfolge von Ereignissen in Gang gesetzt, welche sich in einem komplexen Labyrinth von Intrigen und Gewalt verlieren. Die Eröffnungssequenz bis zur Explosion gehört zum Besten, was ein Film überhaupt bieten kann. Über drei Minuten lang folgt der Zuschauer der Kamera durch die Straßen einer mexikanischen Kleinstadt über die Grenze nach Amerika. Die Kamera schwenkt hin und her, zwischen dem Ehepaar Vargas (Charlton Heston und Janet Leigh), das dort Spazieren geht und dem Auto, in dem die Bombe explodieren soll. Die Optik schlängelt sich durch die Gassen und wechselt scheinbar ohne weiteres immer wieder die Perspektive. Eine geniale, virtuose und perfekt durchkomponierte Bilderfolge, bei der sich der Betrachter zwangsläufig zu fragen beginnt, wie Regisseur Orson Welles und Kameramann Russell Metty das geschafft haben.
Danach verstrickt sich die Geschichte in ein schwer durchschaubares Gestrüpp von scheinbar zusammenhangslosen Ereignissen. Es fällt nicht leicht, der Story in all ihren Details einwandfrei zu folgen und die Handlungen der Charaktere immer nachzuvollziehen. Wie schon beim Genre-Primus ?Tote schlafen fest? liegt der Fokus mehr auf der richtigen Stimmung, denn einer komplexen Handlung. Die Regiefertigkeit von Orson Welles, die stilvollen Bilder des Russell Metty und die Musik von Henry Mancini machen aus ?Im Zeichen des Bösen? ein atmosphärisches Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Mancinis musikalische Umrahmung dient allerdings nicht nur zum Zwecke packender Atmosphäre, sondern macht es sich auch zur Aufgabe, das Publikum durch den Film zu führen. Jeder Charakter hat seine eigene Melodie, seine eigene musikalische Stilrichtung, sodass sich der Betrachter nicht gänzlich im Wirrwarr diverser Personen und ihrer Beziehungen zueinander verlieren muss. Mit dafür Sorge tragen aber auch die erstklassigen, markanten Darsteller.
Entgegen anders lautenden Gerüchten trug Welles als fettleibiger, abgehalfterter Polizist diverse Prothesen, viel Make-up und künstliche Fettpolster. Nicht nur deshalb ist sein Charakter der interessanteste der Handlung. Welles bedachte sich selbst mit den besten Sätzen und facettenreichsten Eigenschaften. Auch wenn korrumpiert und von zweifelhaften Moralvorstellungen geleitet, ist er es, der die Sympathien des Zuschauers auf sich vereinen kann. Gerade wegen seinen Fehlern wirkt dieser desillusionierte Mann menschlich und der Betrachter kann trotz der intriganten Art mit ihm mitfühlen - etwas, das beim idealistischen Mexikaner Mike Vargas, von Charlton Heston verkörpert, schon schwerer fällt. Das liegt nicht daran, dass der hölzerne Heston, ein stämmiger Amerikaner und Held zahlreicher Sandalenfilme als Mexikaner fehl am Platz sein könnte. Zwar soll Welles in ihm eine Fehlbesetzung gesehen habe, so zumindest lautet das Gerücht. Tatsache ist aber, dass Welles selbst Hestons Rolle zu einem mexikanischen Drogenfahnder umgeschrieben hat. Und in diese Rolle passt er wider Erwarten ausgezeichnet. Trotz Schuhcreme in Haar und Gesicht sowie Schnurrbart entspricht Heston löblicherweise nicht dem typischen, hollywoodschen Klischeebild eines Mexikaners. Als der aufrechte Edelmensch, der für seine Ideale ohne Rücksicht auf Verluste unbeirrbar zum Ziel schreitet, hätte kein besserer als Charlton Heston gewonnen werden können. Ihm nimmt das Publikum seine selbstlose Liebe zur Frau genauso ab, wie die Härte und Kälte seiner Umwelt gegenüber. Daher entwickelt er sich wegen seiner gnadenlosen Konsequenz, frei von jeglicher Sensibilität, keineswegs zum großen Sympathieträger.
Im Duell mit Orson Welles zieht Charlton Heston den Kürzeren, nicht nur darstellerisch, sondern auch als Vargas gegen den korrupten Quinlan. Nach außen hin endet ihre Auseinandersetzung so, wie sie nach den Gesetzen des Genres enden sollte. Doch festgehalten in einer beiläufigen Aussage, die den ohnehin nebensächlichen Mordfall klärt, obsiegt der, von dem der Betrachter es nicht erwartet hätte und bleibt jener moralischer Sieger, der es nicht sein sollte. Der in seiner Konsequenz moralisch zweifelhafte Schlusspunkt führt die typischen Elemente des Film Noir tatsächlich ad absurdum und regt zugleich zum Nachdenken an. Denn auch wenn die Werke des Film Noir für ihre Unmoral bekannt sind, so siegt am Ende doch immer der integere, standhafte Held, der nur Kompromisse im Rahmen seines vertretbaren Moralkodexes zugelassen hätte. ?Im Zeichen des Bösen? folgt oberflächlich gesehen den Vorgaben dieser Gesetzmäßigkeit, deswegen mag die ganze Geschichte manchem Beobachter bei nicht so genauer Betrachtung allzu vorhersehbar vorkommen, schaut er jedoch unter die Oberfläche, offenbaren sich Abgründe und Finten, die in der Form zuvor noch nicht da gewesen waren.
Diese Rezension beruht auf einer überarbeiteten Fassung von 1998. Jene beruft sich auf ein 58-seitiges Memorandum von Orson Welles an das Studio. Darin regte er sich über die von den Produzenten gekürzte, umgeschnittene und abgeänderte Version zum Leinwandstart auf und brachte seine Änderungswünsche zum Ausdruck. Nunmehr lässt sich der Film also in der Darstellung betrachten, wie es sich Welles ursprünglich gedacht hatte. Die ist auch ungleich düsterer und härter als die Kinoversion 1958.
Trotz seiner Kündigung in der Post-Produktionsphase sah Orson Welles ?Im Zeichen des Bösen? rückblickend als den Film an, an dem er während den Dreharbeiten die meiste Freude hatte. In der Tat stand Welles ein für die damalige Zeit stattliches Budget in Höhe von 900.000 Dollar zur Verfügung. Zudem hatte Charlton Heston auf seine Beteiligung auch als Regisseur bestanden und bekam er die Möglichkeit, die pulpige Romanvorlage ?Badge Of Evil? von Whit Masterson in seinem Sinne umzuschreiben. Im Übrigen gaben sich mit ihm befreundete Stars in mehr oder weniger großen Cameoauftritten die Ehre und er durfte sich an einem Cast erfreuen, der seinen Vorstellungen entsprach. Die größte und erinnerungswürdigste Gastrolle fiel dabei Marlene Dietrich als Tanya zu, Quinlans wahrsagende Freundin und Nachtclubbesitzerin. In weiteren, kürzeren Rollen kann der aufmerksame Betrachter noch Zsa Zsa Gabor (auch eine Nachtclubbesitzerin), Joseph Cotten und Merces McCambridge mit von Orson Welles selbst geschnittenen Haaren finden.
Wer sich vom Film übrigens an ?Psycho? und Alfred Hitchcock erinnert fühlt, hat dafür auch einen guten Grund. Das verlassene Motel, in der Vargas seine Frau während der Ermittlungen unterbringt und der eigenartige Nachportier dienten als Vorbild für Hitchcock und sein ?Psycho?. Auch in diesem Fall wird der Aufenthalt im Motel zur Gefahr für die Frau - und auch diese wird von Janet Leigh verkörpert. Ob sie aber zumindest in ?Im Zeichen des Bösen? überleben kann oder abermals den Löffel abgibt, das wird an dieser Stelle nicht verraten...
(Filmstarts.de)
Liebling, ich werde jünger (1952) von Howard Hawks [Avi] Komödie/Science-Fiction - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,4 GB - 92 Minuten
Zur Verfügung gestellt von Der_Joe (THX)
Info & Review
Originaltitel: Monkey Business
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1952
Altersfreigabe: FSK 12
Genre:Komödie
PAL 4:3
Time:1:32:59:13
Stab:
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Ben Hecht, I. A. L. Diamond
Produktion: Sol C. Siegel
Musik: Leigh Harline
Kamera: Milton R. Krasner
Schnitt: William B. Murphy
Besetzung:
Cary Grant: Dr. Barnaby Fulton
Ginger Rogers: Mrs. Edwina Fulton
Charles Coburn: Mr. Oliver Oxley
Marilyn Monroe: Miss Lois Laurel
Der Chemiker Dr. Barnaby Fulton arbeitet an einer Pille, die jünger machen soll. Tests führt er an Schimpansen aus. Ein Schimpanse löst die Mixtur im Trinkwasserbehälter des Instituts. Jeder, der vom Wasser trinkt, fühlt sich jünger und benimmt sich dementsprechend.
Kritiken:
Lexikon des internationalen Films: Eine intellektuell-verspielte Farce, die ihre Kritik am Jugendkult unserer Zeit in entwaffnenden Nonsens verpackt.
Prisma Online: Dieses Meisterwerk von Howard Hawks ist eine geniale Screwball-Komödie und einer der witzigsten Beiträge zum Thema ?Ewige Jugend?. Hier merkt man auch den Schauspielern an, dass es ihnen Spaß gemacht hat, in einigen Szenen noch einmal Kind sein zu dürfen. Besonders gut sind die mitunter deftigen Dialoge.
Archer Winston - New York Post: Marilyn Monroe, die von Grant als ?noch ein halbes Kind? beschrieben wird (worauf Ginger Rogers kontert: ?Aber nicht die sichtbare Hälfte!?), hat etwas in ihrer Haltung und in ihrem Gang, das suggestiv genannt werden muß. Was sie suggeriert, ist etwas, um das es in diesem Film die meiste Zeit geht, mit oder ohne Verjüngung.
Newsweek: Monkey Business ist eine der besten Komödien des Jahres.
El Cid (1961) von Anthony Mann [Avi] Historienfilm/Abenteuer/Romantik - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,64 GB - 180 Minuten
Info & Review
?Ein Leben schenken kann nur ein König!?
Charlton Heston beweist sich auch als spanischer Edelmann Rodrigo Diaz de Bivar im Jahre 1060 als geschickter Anführer. Das durch den Glaubenskrieg zwischen Christen und Mauren zerissene Spanien wird durch wilde Machtgeplänkel um Ruhm und Reichtum immer weiter aufgerieben. Da fällt dem liebestollen Rodrigo gerade noch rechtzeitig ein, dass man die gefangenen Mauren auch zu Verbündeten machen kann. Die spanischen Moslems zittern nämlich ebenfalls vor dem größenwahnsinnigen Ben Yussuf (wieder mal ein finster dreinblickender Herbert Lom!), der von Nordafrika die Invasion Spaniens vorbereitet. Durch die Freilassung einiger hoher Maurenfürsten fällt Rodrigo am spanischen Hof in Ungnade. Im Streit erschlägt Rodrigo den uneinsichtigen Vater seiner Braut Jimena(Sophia Loren), der auch noch der Schwerträger des Königs ist. Dieser Vorfall ist der Ausgangspunkt für Rodrigos kometenhaften Aufstieg und der verzweifelten Liebe zu Jimena. Es folgen höfische Machtspiele und Rodrigos verzweifelte Versuche Spanien zu retten. Bis zur entscheidenden Schlacht von Valencia müssen Rodrigo und Zuschauer viele Durststrecken hinnehmen. Äußerst Komplex und für das Monumentalfilmgenre der frühen 60-er Jahre untypisch erzählt Anthony Mann - wieder einmal mit zahllosen Statisten - die schicksalhafte Entwicklung eines loyalen aber stets vom Hof verachteten Edelmannes, der zudem um die Liebe einer ihn verachtenden Frau kämpft. Das komplexe Gefüge aus sich wandelnden und vielschichtigen Persönlichkeiten hebt ?El Cid? von anderen Monumentalfilmen stark ab und macht ihn deshalb auch ein wenig unzugänglicher. Mit Sicherheit bietet das spanische Epos auch aus heutiger Sicht immer noch viel Gesprächsstoff und satte Unterhaltung. Stereotyp ist in diesem Film kaum etwas.
gegen alle flaggen könnte ich als dvb-s tv mitschnitt anbieten (gibts ja leider nicht auf dvd)...
ein herz und eine krone hab ich hier im original auf dvd...
werde mal ne xvid bereitstellen...
bissel geduld, so ne woche?
@goldeye
"Die Addams Family" passt hier leider nicht ganz rein, da er aus den 90ern ist.
@KölschBlood
"Sein größter Bluff" könnte ich vielleicht besorgen. Der kommt dann mit auf die Liste.
Bei den anderen beiden müsste ich erstmal schauen.
@Thobo
"Gegen alle Flaggen" wäre Super (auch als TV-Rip). Und wenn du "Ein Herz und eine Krone" uppen könntest, würdest du mir ein wenig Arbeit ersparen .
Danke schonmal .
http://board.gulli.com/images/s...tongue.gif
:p Mir fällt gerade noch ein, hatte kürzlich die DVD Weites Land gezogen, leider nur engl. und span. Tonspur, was kann man da machen.
Würde mich über eine Antwort sehr freuen.
Das Urteil von Nürnberg (1961) von Stanley Kramer [Avi] Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1.56 GiB - 178 Minuten
Info & Review
Was ist Gerechtigkeit?
"Keiner der Angeklagten ist (...) der
Ermordung oder der Misshandlung
irgendeiner bestimmten Person
beschuldigt. (...) Einfacher Mord und
Einzelfälle von Gräueltaten bilden nicht
den Anklagepunkt für die Beschuldigung.
Die Angeklagten sind solch unermesslicher
Verbrechen beschuldigt, dass bloße
Einzelfälle von Verbrechenstatbeständen
im Vergleich dazu unbedeutend erscheinen.
Die Beschuldigung, kurz gesagt, ist die der
bewussten Teilnahme an einem über
das ganze Land verbreiteten und von
der Regierung organisierten System
der Grausamkeit und Ungerechtigkeit
unter Verletzung der Kriegsgesetze
und der Gesetze der Menschlichkeit,
begangen im Namen des Rechts unter
der Autorität des Justizministeriums
und mit Hilfe der Gerichte. Der Dolch
des Mörders war unter der Robe des
Juristen verborgen."
(Aus dem Nürnberger Juristenurteil)
? VORBEMERKUNG / HINTERGRUND ?
Die Urteile der Siegermächte des zweiten Weltkriegs zwischen 1945 und 1949 gehörten zu den am meisten umstrittenen Akten der Rechtsprechung im Bereich des internationalen Rechts. Während die einen - vor allem die betroffenen Angeklagten, ihre Gesinnungsgenossen, aber auch etliche Rechtsgelehrte und Politiker - von blanker "Siegerjustiz" sprachen, zählten die Urteile bei den anderen zu den Fundamenten eines erweiterten, in vielerlei hinsichtlich neuen internationalen (Straf-)Rechts. Aus heutiger Sicht kann man die letzt genannte Einschätzung nur unterstützen. Nicht nur das: die Urteile begründeten - neben den Konferenzen von Jalta, Teheran und Potsdam und der Gründung der Vereinten Nationen - auch die vielfältigen, wenn auch in den nachfolgenden Jahrzehnten durch den "Kalten Krieg" immer wieder durchbrochenen, Bemühungen, durch das Verbot des Angriffskriegs, der Schaffung von Straftatbeständen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verbrechen gegen den Frieden und Kriegsverbrechen ein völlig neues internationales Recht zu schaffen, das die Grundlage der Nachkriegs(welt)ordnung werden sollte. (1)
Anfang der 60er Jahre waren in der Bundesrepublik Deutschland - anders als in der damaligen DDR - die Urteile des Internationalen Militärgerichtshofs mit dem Bann des Tabus belegt. Man wollte noch immer verdrängen und auch verleugnen. Hinzu kommt, dass viele in diesen Prozessen Verurteilte längst wieder, zum Teil vorzeitig, aus der Haft entlassen worden waren. Die Urteile selbst waren - außer gegen die Hauptangeklagten, die größtenteils zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet wurden - trotz aller gegenteiligen Kritik insgesamt eher milde angesichts der Verbrechen, die die Angeklagten sich vorwerfen lassen mussten. Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer (13.8.1961), der eine neue Stufe im "Kalten Krieg" einleitete, kam im Dezember 1961 Stanley Kramers "Gerichtsdrama" "Judgment at Nuremberg" in die Kinos - auch in der Bundesrepublik Deutschland -, der einen der Nürnberger Prozesse zum Thema hatte: den Juristenprozess, der tatsächlich zwischen März und September 1947 stattgefunden hatte, im Film (der übrigens an Originalschauplätzen gedreht wurde) in das Jahr 1948 verlegt wurde. Die Personen des Films sind frei erfunden, viele Aspekte der Handlung allerdings beziehen sich direkt auf den wirklichen Prozess.
? DER FILM ?
Ein konservativer Richter aus der amerikanischen Provinz, Dan Haywood, "von Natur aus" Republikaner, wie er sagt, der jedoch den Demokraten und vormaligen (verstorbenen) amerikanischen Präsidenten Roosevelt für einen großen Mann hielt, soll in der noch immer von Trümmern gezeichneten ehemaligen "Reichsparteitagsstadt" Nürnberg den Prozess gegen vier ehemalige Richter des NS-Staates leiten. Angeklagt sind der ehemalige Justizminister Dr. Ernst Janning sowie die Richter Emil Hahn, Werner Lampe und Friedrich Hofstetter. Während sich die letzten drei Angeklagten in der Eröffnungsverhandlung für nicht schuldig erklären, schweigt Janning auch in den folgenden Wochen des Prozesses beharrlich. Sein Verteidiger, der junge Anwalt Hans Rolfe, ist umso beredter, erklärt Janning von sich aus für nicht schuldig und betrachtet ihn als großes Vorbild für seine eigene Tätigkeit. Die Anklage vertritt Colonel Lawson, ein Mann, der bereits in anderen Prozessen gegen NS-Täter Erfahrungen gesammelt hat und als "scharfer Hund" gegen NS-Angeklagte gilt. U.a. war er auch Ankläger im Prozess gegen General Bertholt, der zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war. Im Haus von dessen Witwe (gespielt von Marlene Dietrich) ist Richter Haywood für die Zeit des Prozesses einquartiert; ihm zur Verfügung steht das Ehepaar Halberstadt als Hausangestellte.
Als Zeugen der Anklage fungieren u.a.
- der ehemalige Justizminister Dr. Wieck, den Janning 1935 im Amt ablöste, weil Wieck die Politik des NS-Staates nicht mehr unterstützen wollte;
- der Bäckergeselle Rudolph Petersen, gespielt von Montgomery Clift, eines der Opfer der Zwangssterilisationen der Nazis;
- eine Frau Irene Hoffmann Walter, die wegen "Rassenschande" mit einem jüdischen Geschäftsmann namens Feldenstein zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war, während Feldenstein hingerichtet wurde;
- Dr. Heinrich Geuter, Verteidiger im Feldenstein-Prozess, in dem Hahn Anklagevertreter und Janning Richter war.
In eindrucksvollen Auseinandersetzungen zeigt Kramer anhand dieser Zeugenaussagen nicht nur die unterschiedlichen juristischen Auffassungen über Schuld oder Unschuld der Angeklagten. Der Film geht weit darüber hinaus. Er zeigt fast alle Konflikte auf, die im Zusammenhang mit der Beurteilung von NS-Straftaten nach Ende des zweiten Weltkrieges auch in der Öffentlichkeit diskutiert wurden.
Dabei sind besonders die schauspielerischen Leistungen hervorzuheben, weil sich gerade in ihrer Darstellung die unterschiedlichen (juristischen und politischen) Positionen als Charaktermerkmale der Beteiligten entpuppen. Diese Kongruenz zwischen "äußerem" Geschehen und "inneren" Abläufen vor allem bei den Prozessbeteiligten macht eine große Stärke des Films aus. Die zweite Stärke besteht darin, dass Kramer den beengten Raum eines Gerichtssaals in überzeugender Weise dazu nutzen kann, die Tragödie der Jahre 1933-45 plastisch, minutiös, sozusagen im konzentrierten Kleinformat darzustellen. Täter, Opfer, Angeklagte und Ankläger, Richter und (Welt-)Öffentlichkeit greifen in diesem Raum in einer Weise Platz, wie dies kaum einem anderen Film je gelungen ist. Zum dritten gelingt es aber auch und vor allem, die entscheidenden Fragen im Zusammenhang mit der Verurteilung von Tätern und dem - nicht nur justizförmigen Umgang - mit dem NS in spannender Weise für ein interessiertes Publikum aufzubereiten.
Last but not least versteht es Kramer, durch den Wechsel von zumeist sehr langen Szenen im Gerichtssaal mit wesentlich kürzeren Szenen außerhalb, sozusagen Atempausen, die aber weit mehr sind und die entscheidenden Themen ergänzen und füttern, über drei Stunden mit seinem Film zu fesseln.
? BRENNPUNKTE ?
Schon bei der Vernehmung des ersten Zeugen, des Vorgängers im Amt des Justizministers, Dr. Wieck, werden die Konflikte mehr als nur angedeutet. Wieck erzählt von der Änderung des Justizsystems nach 1933 und dass er dies nach 1935 nicht mehr mittragen konnte, dass nur wenige im Bereich der Justiz protestiert hätten. Rolfe baut seine Verteidigung geschickt auf: Hat der NS nicht die Arbeitslosen von der Straße geholt, den Kommunismus beseitigt und hat nicht Dr. Wieck selbst 1934 den Treueeid auf Hitler geschworen? Mit dieser Kombination aus sattsam bekannten Pseudoargumenten und der Verstrickung auch Wiecks in den NS stellt er den Zeugen der Anklage letztlich kalt.
Auch beim zweiten Zeugen, dem Bäckergesellen Petersen (eindrücklich von Montgomery Clift dargestellt), nutzt er gnadenlos Schwächen: Petersen wurde wegen die "Volksgesundheit schädigenden Schwachsinns" zwangssterilisiert. Hofstetter hatte das Urteil zu verantworten, Janning hatte es bestätigt. Zum Schluss der Vernehmung hin stellt Rolfe dem Zeugen eine Aufgabe: Er solle einen Satz aus den Worten "Hase, Jäger, Feld" bilden. Petersen scheitert daran, so dass er als "Schwachsinniger" da steht. Rolfe argumentiert zusätzlich damit, dass ein Gericht in einem US-Staat ebenfalls eine Zwangssterilisation mit der Volksgesundheit begründet habe und das Thema lange vor 1933 auch in anderen Ländern diskutiert wurde.
Erst bei der Vernehmung der Zeugin Hoffmann gelingt es der Anklage, bedingt durch Fehler Rolfes, zu punkten. Rolfe drängt die Zeugin so weit in die Enge - sie solle doch zugeben, dass sie ein Verhältnis mit dem Juden Feldenstein hatte -, dass der Angeklagte Janning sich das erste Mal erhebt und gegen die Vernehmung Rolfes mit den Worten protestiert: "Herr Rolfe, ist es schon wieder so weit?"
In all diesen Vernehmungen, aber auch in den Gesprächen, die Richter Haywood mit dem Ehepaar Halberstadt und der Generalswitwe Bertholt führt, werden wir mit den genannten Brennpunkten des justizförmigen Umgangs mit NS-Tätern usw. konfrontiert.
? "Wir haben nichts gewusst" ?
Sowohl das Paar Halberstadt wie einer der angeklagten Richter und Frau Bertholt behaupten, von den Gräueln, vom Holocaust nichts gewusst zu haben. All dies sei "in aller Stille", geheim abgelaufen. Zu Recht fragt Janning in seiner einzigen Einlassung im Prozess: "Wo waren wir, als von den Gleisen die Züge abfuhren? Wenn jemand nichts wusste, dann weil er nichts wissen wollte."
? "Wenn wir nicht gewesen wären, wäre es noch schlimmer gekommen" ?
Auch diese Behauptung eines Angeklagten, verkoppelt mit dem weiteren Argument, man habe ja heimlich einigen Leuten zur Flucht verholfen, und vor allem mit der Behauptung, man habe nicht geahnt, was (nach dem Beschluss der Wannsee-Konferenz über die "Endlösung der Judenfrage") noch kommen werde, stellt Kramers Film bloß als das, was es ist: entweder eine reine Schutzbehauptung oder, wie es Richter Haywood Janning gegenüber ausdrückt: Angefangen hat es nicht mit der Vernichtung von Millionen, sondern mit dem ersten Todesurteil, das u.a. er gefällt habe (2).
? "Nationalsozialismus und Deutschland sind zwei paar Dinge" ?
Janning selbst straft diese Behauptung, auf der auch Rolfe zur "Ehrenrettung des deutschen Volkes" immer wieder rekurriert, in seiner Einlassung der Lüge: Er habe geglaubt, das Vaterland sei gegen Ende der Weimarer Republik in Gefahr gewesen, Hitler habe in ihm und Millionen anderen die Hoffnung erzeugt, es zu retten. Aus diesem Grund habe er alles in Kauf genommen; sein Urteil im Feldenstein-Prozess habe dann - nachdem er alles hingenommen habe - von vornherein, bevor er noch den Gerichtssaal betreten habe, fest gestanden. Der Prozess sei eine Farce, eine zynische Lüge gewesen.
? "Auch andere (Staaten) seien schuld an Hitlers Aufstieg" ?
Dieses insbesondere von Rolfe immer wieder vorgebrachte Argument, aufgeworfen an den Fragen der Zwangsterilisation, des Hitler-Stalin-Paktes, der Appeasement-Politik Frankreichs und Großbritanniens u.a.m., wird insbesondere im von Richter Haywood verlesenen Urteil als Scheinargument verworfen. Denn es könne nicht dazu führen, dass gegenüber den NS-Tätern, die nicht einfach einzelne Straftaten begangen, sondern an einem Unrechtssystem mitgearbeitet hätten, Milde angebracht sei.
? "Wir müssen vergessen, damit wir eine Zukunft haben" ?
Frau Bertholt ist es, die diesen Satz gegenüber Richter Haywood äußert. Sie und vor allem auch der verbissene Angeklagte Emil Hahn, der aus seiner immer noch bestehenden NS-Überzeugung keinen Hehl macht, wollen damit nicht nur Milde in den Urteilen. Sie hoffen auf eine aktuelle politische Situation, die inzwischen eingetreten ist: den Beginn des "Kalten Krieges", den die sich herausbildenden Blöcke des Westens und Ostens 1948 beginnen (Luftbrücke, Bizone usw.). Die Vertreter der amerikanischen Besatzungsmacht befürchten, durch zu harte Strafen gegen NS-Täter könne es schwierig werden, die westlichen Zonen, die nahende Bundesrepublik Deutschland, in die anstehende Systemauseinandersetzung mit der Sowjetunion zu integrieren. Vertreter der US-Besatzungsmacht versuchen sowohl Ankläger Lawson, als auch Richter Haywood in dieser Hinsicht zu beeinflussen. Vergeblich.
Das Urteil, das Haywood am Schluss verliest, hält sich eng an den Wortlaut des Urteils des tatsächlichen Juristenprozesses, wie es hier zu Anfang in einem entscheidenden Abschnitt zitiert wurde. In allen genannten Punkten ist "Judgment at Nuremberg" ein besonders wichtiger und nicht nur Anfang der 60er Jahre bedeutender Film. Er ist zugleich ein Zeitdokument, das auf wesentliche Umstände und Probleme des Umgangs mit dem Nationalsozialismus und darüber hinaus mit Straftätern aus staatlichen Strukturen heute hinweist - und aus all diesen Gründen ist dieser Film auch heute noch aktuell.
Dazu bei trägt die in jeder Hinsicht hervorragende Besetzung. Spencer Tracy spielt einen durch und durch konservativen Richter, der allerdings nicht nur zu den Grundfesten eines demokratischen Rechtssystems steht, sondern zugleich auch demonstriert, dass die Prozesse nichts mit "Siegerjustiz" zu tun hatten. Er lässt nicht nur den Ankläger, sondern auch den Verteidiger ausgiebig zu Wort kommen und verweist, wenn es sein muss, auch beide in die Schranken. Nur dadurch bekommt der Prozess auch seinen Sinn. Haywood selbst steht vor allem vor einem Problem: Er kann nicht begreifen, warum ein Mann wie Janning, der an der Ausarbeitung der Weimarer Verfassung mitgewirkt hatte, sich später in das Unrechtssystem integrierte.
Auch Maximilian Schell, der für seine Rolle einen Oscar erhielt, überzeugt durch die Darstellung eines Mannes, der nicht begreifen kann oder eher: nicht will, wie wichtig eine Verurteilung seines Mandanten ist, um auch den Millionen Opfern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Burt Lancaster als Ex-Justizminister Janning verdeutlicht in seiner Darstellung einen Mann, der - trotz seines umfassenden Schuldeingeständnisses - nicht begreift, dass schon sein erstes Unrechtsurteil der Anfang vom Ende jeglicher Humanität war.
Richard Widmark verkörpert einen - anfangs als verbohrt und fanatisch wirkenden - Ankläger, der jedoch am Schluss als jemand da steht, ohne den solche Prozesse unmöglich gewesen wären. Er bleibt konsequent dabei, dass die Angeklagten um der Gerechtigkeit willen verurteilt werden müssten.
Auch Marlene Dietrich, Montgomery Clift und Judy Garland als Zeugin Irene Hoffmann sowie die Darsteller in den Nebenrollen machen "Judgment at Nuremberg" zu einem tragischen Film und zugleich cineastischen Genuss.
Originaltitel: Against All Flags
Kinostart Deutschland: 04.04.1953
Drama, Action, Abenteuer
USA 1952, ca. 80 min.
FSK: ab 12
Regie: George Sherman
Darsteller:
Errol Flynn, Maureen O'Hara, Anthony Quinn, Alice Kelley, Mildred Natwick
Eine Festung auf Madagaskar ist der schier uneinnehmbare Stützpunkt des Piratenkönigs Roc Brasiliano. Nur der kühne englische Seeoffizier Brian Hawke wagt sich, als Seeräuber getarnt, unter die Piraten und schleicht sich in das Vertrauen von Roc ein. Als Hawke sich dann allerdings in Rocs große Liebe Spitfire Stevens verguckt, entbrennt ein glühender Kampf gegen alle Flaggen.
In bester Hollywood-Tradition entstand ein farbenprächtiges Star-Abenteuerspektakel vom Feinsten: echte Helden, wahre Liebe, wilde Kerle, akrobatische Degenduelle und aufwendige Seegefechte.
Das ganze ist ein DVB-S TV Mitschnitt von "Das Vierte" die leider nur in 480x576 senden. ich hab das schon authored, d.h. das ist eine DVD (ohne Menu, nur Film).
Ist aber auch nur (bedingt durch die niedrige Bitrate und Auflösung vom Sender) ca. 1.4 gb gross.
Eigentlich ist der Engländer Rudolf Rassendyll in das kleine verschlafene Königreich Ruritania gekommen, um in aller Ruhe und Beschaulichkeit Forellen zu angeln. Leider erregt er überall Aufsehen, die Leute starren ihn an und benehmen sich äußerst merkwürdig. Rudolf kann es sich nicht erklären - bis er dem König Rudolf V. von Ruritania begegnet, dem er auf's Haar gleicht. Der lebenslustige Monarch ist von der verblüffenden Ähnlichkeit amüsiert und lädt den Reisenden am Vorabend seiner Krönung auf ein Glas Wein in sein Jagdhaus ein.
Es bleibt nicht bei einem Glas Wein; nach kurzer Zeit fällt Rudolf V. in einen tiefen Schlaf - verursacht durch ein Narkotikum, das man ihm in den Wein gemischt hat. Auf diese Weise will Rudolfs ehrgeiziger Stiefbruder Herzog Michael den König ausschalten, die Krönung verhindern und sich selbst auf den Thron setzen.
Um das Komplott zu vereiteln, überredet Oberst Zapp den Engländer, für einen Tag die Rolle des Königs zu übernehmen. Während der wirkliche König im Weinkeller seines Jagdhauses schläft, wird Rassendyll in der Hauptstadt zum König gekrönt. Niemand bemerkt die Täuschung, Prinzessin Flavia ist jedoch sehr überrascht, wie freundlich und höflich ihr zukünftiger Gemahl sich auf einmal benimmt. Rassendyll ist seinerseits entzückt von der vornehmen und bezaubernd schönen Prinzessin. Deshalb ist er auch bereit, seine Rolle selbst dann weiterzuspielen, als König Rudolf in die Gewalt des Herzogs und seines Mitverschwörers Rupert von Hentzau gerät. Doch damit beginnt für Rudolf Rassendyll ein gefährlicher Kampf gegen die Feinde des Königs...
Es beginnt wie ein film noir. Eine Frau mit angsterfülltem Gesicht rennt nachts auf einer Straße und versucht, irgendein Auto anzuhalten, zunächst vergeblich. Sie ist barfuß und hat einen hellen Regenmantel an. In ihrer Verzweiflung stoppt sie einen Sportwagen, der ihr ausweichen muss und fast einen Unfall verursacht. In dem Wagen sitzt Privatdetektiv Mike Hammer (Ralph Meeker), der über den erzwungenen Halt wenig erfreut ist. Aber er nimmt die junge Frau, die sich Christina Bailey (Cloris Leachman) nennt, mit. Er erfährt, dass Christina aus der Psychiatrie geflohen ist. Nur wenig später werden beide von einigen Männern gestoppt und mit Gewalt verschleppt. Und wiederum kurze Zeit später findet sich Hammer im Krankenhaus wieder. Man hat die beiden in seinem Auto einen Abhang hinunter gefahren. Während Hammer schwer verletzt überlebt, ist Christina tot.
Die besten Voraussetzungen für einen Kriminalfilm. Und so geht es auch weiter. Was folgt ist tatsächlich ein film noir. Doch Robert Aldrich macht in der Darstellung seiner Figuren auch von (fast) Anfang an klar, dass er über den film noir weit hinausgeht. Manches Mal erscheinen die Darsteller eher wie Charaktermasken, die nur noch repräsentieren, für etwas stehen, etwas zum Ausdruck bringen, aber keine wirklichen und wirkenden Personen mehr zu sein scheinen. Die Rollen werden zu Rollen per se, für sich, Rollen als Rollen.
Die Ausgangsszenen generieren so etwas wie eine Initialzündung für eine alt bekannte Story: Ein private eye, ein Mann, der von Natur aus neugierig scheint, will wissen, was hinter der Sache steckt, obwohl gar nicht eher Zielscheibe der Unbekannten war, sondern eine Frau, mit der Hammer nichts zu tun hatte und von der er schon gar keinen Auftrag angenommen hatte. Trotzdem: Man hat ihn fast getötet. Allein das reicht. Und er will wissen, warum Christina ermordet wurde.
Die Polizei vernimmt ihn, glaubt, Hammer verheimliche ihr etwas, was Christina ihm erzählt haben könnte. Er erfährt, dass selbst die Behörden in Washington sich für den Fall interessieren. Das macht Hammer nur noch neugieriger. Und als Lt. Murphy (Wesley Addy) ihm die Lizenz entzieht (weil er nicht will, dass Hammer auf eigene Faust ermittelt) und warnt, er wolle ihn nicht mit der Waffe in der Hand erwischen, ist Hammer erst recht nicht mehr zu halten.
Mit Unterstützung seiner Sekretärin und Geliebten Velda (Maxine Cooper) erfährt er vom Verschwinden eines wissenschaftlichen Mitarbeiters einer Zeitung namens Diker. Und weitere Dinge geschehen, die Hammer nicht mehr ruhen lassen: Er selbst wird auf der Straße von einem Mann mit einem Messer angegriffen. Sein bester Freund Nick (Nick Dennis), der eine Autowerkstatt betreibt, wird ermordet, nachdem schon zuvor ein anonymer Anrufer Hammer ein "Geschenk" angekündigt hatte: einen neuen Sportwagen, in dem allerdings zwei Bomben versteckt sind.
Schließlich stößt Hammer auf einen Gangster namens Evello (Paul Stewart), auf einen mysteriösen Dr. Soberin (Albert Dekker) und eine Frau (Gaby Rodgers), die ihm offenbar helfen will ...
Was als film noir beginnt, entwickelt sich im Laufe der Handlung zu einer immer mysteriöseren Geschichte, in der ein Koffer ins Zentrum des Interesses rückt, der berühmte MacGuffin, bzw. dessen Inhalt, der sich am Schluss des Films uns zeigt und keinen Zweifel mehr daran lässt, dass uns hier im wahrsten Sinn des Wortes ein Licht aufgehen soll. Der film noir entpuppt sich schon fast als Karikatur seiner selbst. Das Geheimnis, das der Koffer lüftet, entlüftet zugleich unser Gehirn, demonstriert uns, wie beliebig Geschichten im Kino erzählt werden können - im positiven Sinn des Wortes. "Kiss Me Deadly" ist Film um des Films willen, Kino um des Kinos willen, l'art pour l'art - im besten Sinn des Wortes.
Es ist völlig gleichgültig, was sich in dem Koffer befindet, hinter dem Behörden wie Verbrecher hinterher sind, um den herum sich Intrigen spinnen, Verrat und Betrug begangen wird usw. Alle und alles scheint verdächtig, vom kleinsten Betrüger bis zu den Regierungsbeamten. Hauptsache, die Handlung geht voran, Hauptsache, die Figuren sind in Bewegung, Hauptsache, es bleibt spannend. Und wie selten in einem anderen Film kündigt sich in "Kiss Me Deadly" (mit dem wieder einmal dämlichen deutschen Titel "Rattennest") der Übergang vom film noir zu einer amerikanischen Variante der nouvelle vague an. Fast könnte man auf die Idee kommen, ein Vorläufer Quentin Tarantinos zitiere in einem Fort bekannte und weniger bekannte Figuren, Stile, die ganze mise en scene des film noir bis dato, um zu zeigen, worauf er beruhe, wie er funktioniere - bis der Koffer enthüllt, wie Kino überhaupt funktioniert.
Mike Hammer ist nicht Humphrey Bogart oder Robert Mitchum. Aber Ralph Meeker zitiert in seiner Rolle diese "Typen" des film noir. Und es gibt die geheimnisvolle Blonde, Gaby Rodgers als Gabrielle, wie die liebende Schwarzhaarige, Maxine Cooper als Velda - zwei Frauen als Gegensatzpaar. Es gibt das unscheinbare Opfer, die schöne Unbekannte Christina. Last but not least gibt es die mysteriösen Kriminellen, die kaum etwas preisgeben, es sei denn, man zwingt sie dazu - Soberin und Evello. Und es gibt die Handlanger, den skurrilen Charlie Max (Jack Elam) und den brutalen Sugar Smallhouse (Jack Lambert) - alles in allem Zitate, Charaktermasken, aber eben doch funktionierende Einheiten in einem Kriminalfilm.
Trotzdem also - und gerade das ist ja das spannende an "Kiss Me Deadly" - funktioniert Aldrichs Film eben auch als Krimi mit Suspense - nur mit dem Unterschied, das letztlich alles "schief" geht. Keiner bekommt, was er will.
Die Schlussszene leuchtet uns an, blendet geradezu, brennt uns den Sand aus den Augen, lässt uns wieder sehen, wo wir sind und warum wir im Kino sind. Wie eine Bombe schlägt sie ein und um sich. Und wie Hammer selbst verdutzt ins Pseudo-Inferno schaut, blicken wir ebenso verdutzt auf einen Film, der uns zeigen will, ganz unverblümt und ganz unprätentiös, warum wir Kino brauchen.
[Filmzentrale.com]
Alles über Eva (1950) von Joseph L. Mankiewicz [Avi] Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,22 GB - 132 Minuten
Info & Review
Von Margo zu Eve bis Phoebe
"And she'll tease you
She'll unease you
All the better just to please you
She's precocious
And she knows just what it
Takes to make a pro blush
She got
Greta Garbo
Stand off sighs, she's got
Bette Davis eyes."
(Kim Carnes: Bette Davis Eyes)
Vorhang auf. Ein älterer Schauspieler hält eine Festrede. Ein Preis der Sarah Siddons Gesellschaft soll der Theaterschauspielerin Eve Harrington (Anne Baxter) verliehen werden. Schon in dieser ersten Szene des 1950 von Joseph Mankiewicz inszenierten Films wird die gespannte Atmosphäre spürbar, die sich hinter den Gesichtern der anwesenden Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren usw. verbirgt. Die Gesichter demonstrieren den Widerspruch zwischen der öffentlich zur Schau gestellten Feierlichkeit und den Intrigen, Machtkämpfen und Feindseligkeiten, die zu dieser Situation geführt haben. Mankiewicz stellt uns in dieser ersten Sequenz des Films alle wesentlichen Beteiligten vor. Die Preisträgerin Eve, die etwa 40 Jahre alte Schauspielerin und langjährige Königin der New Yorker Theaterszene Margo Channing (Bette Davis), ihren Lebensgefährten, den Regisseur Bill Sampson (Gary Merrill), Margos beste Freundin Karen Richards (Celeste Holm), deren Ehemann, den Drehbuchautor Lloyd (Hugh Marlowe), den Theaterdirektor Max Fabian (Gregory Ratoff) und last but not least den Theaterkritiker Addison de Witt (George Sanders). Mankiewicz erzählt die Geschichte von Margo und Eve, erzählt mittels der Erinnerungen und Gedanken, die den Beteiligten während der Preisverleihung durch den Kopf gehen, wie es zu dieser doch scheinbar so feierlichen Situation gekommen ist.
Mit sechs Oscars sowie weiteren acht Nominierungen wurde der Film 1951 ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt Billy Wilders "Sunset Boulevard", ein Film zum gleichen Thema, drei Oscars und acht Nominierungen. Beide Filme handeln von der Skrupellosigkeit des Theater- respektive Filmgeschäfts, von den Intrigen und der Unmenschlichkeit hinter den Kulissen.
Margo Channing ist der Star an den New Yorker Bühnen, ein bisschen glamourös, ein bisschen arrogant, ein bisschen herzlich, ein bisschen egoistisch - und talentiert. Und so spielt Bette Davis diese Rolle auch: in der ihr eigenen, leicht zynischen, oft komischen und eben auch und vor allem tragischen Art. Die Aktrice, damals 42 Jahre alt, also in einem Alter, in dem für viele Schauspielerinnen jugendhafte Rollen nicht mehr oder bald nicht mehr zu spielen waren, war selbst in der Situation einer Frau, die zunehmend um Rollen kämpfen musste, auch wenn es für sie vielleicht leichter war als für andere. Anfang der 60er Jahre drehte sie ihre letzten wirklich großen Filme: "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" (1962) und Robert Aldrichs "Wiegenlied für eine Leiche" (1964).
Eines Tages stellt Karen Richards Margo eine junge, schüchtern wirkende Frau vor, die jede Vorstellung des aktuellen Theaterstücks, in dem Margo die Hauptrolle spielt, gesehen hat - ein absoluter, wenn auch nicht fanatischer oder besessener Fan der Margo Channing, die Gefallen an der jungen Frau findet und sich mit Tränen in den Augen ihre bittere Lebensgeschichte anhört. Gegen den Willen von Birdie, die sich bislang allein um Margo, ihre Garderobe usw. kümmerte, engagiert Margo Eve, die junge Frau, als Sekretärin, eigentlich als Mädchen für alles. Und Eve kümmert sich um alles perfekt. Sie bringt Ordnung in den Teil des Lebens von Margo, der nicht direkt mit dem Theater zu tun hat.
Als Birdie nach einer gewissen Zeit Margo allerdings offen erklärt, Eve kümmere sich nicht nur um sie, sondern beobachte sie auf Schritt und Tritt, bei allem, was sie mache, wie sie sich verhalte usw., kommen Margo erste, wenn auch unbestimmte Zweifel an Eve. Auf einer Party zu Bills Geburtstag betrinkt sich Margo, weil offenbar alle nur Eve sehen, sie für unschuldig, sympathisch und fast unfehlbar halten.
Und jetzt passiert etwas, was für den weiteren Verlauf der Handlung entscheidend ist: Eve bittet Karen, die der jungen Frau ebenfalls vertraut, um eine Rolle am Theater, aber nicht um irgendeine, sondern um die zweite Besetzung für Margos Rolle. Eve erklärt, sie sei dafür besonders geeignet, weil sie die Rolle in- und auswendig kenne und das Spiel Margos genauestens beobachtet habe. Bill als Regisseur und Max als Theaterdirektor lassen Eve vorsprechen. Und als Margo zu spät zur Probe erscheint und von dem Theaterkritiker Addison erfährt, was geschehen ist, kommt es zum Eklat. Margo macht eine Szene und wenig später publiziert Addison de Witt einen Artikel, in dem er den ersten Auftritt Eves als zweite Besetzung für die abwesende Margo in höchsten Tönen lobt und andererseits von ältlichen Schauspielerinnen schreibt, die ohne Grund immer wieder die besten Rollen bekommen würden.
Während Eve Lloyd bittet, ihr die Hauptrolle in seinem nächsten Stück zu geben und versucht, allerdings ohne jeden Erfolg, sich an Margos Geliebten Bill heranzumachen, spielt Addison De Witt sein eigenes Spielchen. Er will Eve um jeden Preis zu seiner Geliebten machen ...
"Du bist eine unglaubliche Person,
Eve, genau wie ich. Das haben wir
gemeinsam. Außerdem verachten
wir das Menschliche, sind unfähig
zu lieben und uns lieben zu lassen,
sind krankhaft ehrgeizig und
talentiert. Wir verdienen einander."
(De Witt zu Eve Harrington)
Mankiewicz erzeugt in "All About Eve" ein engmaschig gestricktes Netz aus Lügen, Intrigen, Bösartigkeit und Erpressung, das sich bis zum Schluss des Films in einer Art Zirkel vollendet: In der letzten Szene ist es wieder eine junge Frau namens Phoebe (Barbara Bates), die sich in die Umgebung diesmal von Eve einschleicht - und das Spielchen beginnt von vorne.
Das Konglomerat von persönlichen und beruflichen Beziehungen und Verflechtungen wird dabei in einer äußerst realistischen Schilderung, in einer Art Doppelbödigkeit inszeniert: Die Feier zur Verleihung des Preises an Eve bietet den äußeren Rahmen, die Erinnerungen der einzelnen Beteiligten den Füllstoff, der zugleich die Sichtweise der Beteiligten wiedergibt, und zwar homogen. Jeder weiß, was passiert ist, wenn auch vielleicht nicht alle Einzelheiten. Dass Eves Aufstieg jedoch ein Ergebnis von bösartigen Intrigen und auch Verletzungen ist, wissen die Hauptbeteiligten zum Zeitpunkt der Feier alle. Dass Eves Biografie gefälscht ist, weiß allerdings nur einer. Dass es ihr von Anfang an nur darum ging, auf Kosten von Margo schnell Karriere zu machen und Margo zu verdrängen, wissen bald alle.
Dass dieses intrigante Verhalten nie abgestraft werden würde, wissen auch alle. Denn: Es gehört - das zeigt der Film mehr als deutlich - zum System "Theaterkarriere". Der- oder diejenige, die versuchen, über die Intrige eine(n) andere(n) matt zu setzen, gehen nur ein Risiko ein: Sie können verlieren und müssen die gut eingespielten Strukturen des Theater- oder Filmgeschäfts dann verlassen. Ebenso ist allen bewusst, dass der Erfolg seinen Preis hat. Eve bekommt dies zu spüren, als de Witt sie mit ihrer wahren Vergangenheit konfrontiert und dieses Wissen als Erpressungsmittel gegen sie einsetzt.
Nur in einer Szene kommt etwas zum Ausdruck, was den genannten Strukturen möglicherweise entgegensteht. Als Margo mit Karen während einer Panne im Auto spricht, sagt sie zu ihrer Freundin u.a.:
"Merkwürdige Sache, die Karriere
einer Frau. So viele Dinge wirft man
über Bord, um vorwärts zu kommen,
und vergisst, dass sie einem fehlen
werden, wenn man wieder eine Frau
werden will. Denn die Karriere, die
alle Frauen einmal machen müssen,
ist die, eine Frau zu sein. ... Denn
letzten Endes interessiert dich ja
doch nur das eine: Wenn du beim
Essen aufschaust oder dich im Bett
umdrehst - dass er da ist. Wenn nicht,
bist du keine Frau. Dann bist du weiter
nicht als eine Leuchtreklame an einer
Hauswand, ein Sammelband voller
Pressenotizen. Aber du bist keine Frau.
Langsamer Vorhang. Ende."
(Margo zu Karen)
Diese Erkenntnis ist für Margo eine Art Aussicht auf Rettung. Denn sie meint jetzt, dass sie sich auf lange Sicht dem Starrummel entziehen muss und den Folgen der Intrige nur entkommen kann, wenn sie ihre Beziehung mit Bill in Ordnung bringt.
In "All About Eve" verschwimmen die Grenzen zwischen dem Drama des Lebens und dem Drama auf der Bühne. Genau diese Differenz nutzen Eve und auch de Witt für ihre jeweiligen Interessen skrupellos aus. Eve ist Schauspielerin, bevor sie auf der Bühne steht; de Witt wirkt hinter der Bühne, bevor er auf den Brettern, die die Welt bedeuten, gegen Eve losschlägt.
Am Ende, als noch einmal die Feier der Sarah Siddons Gesellschaft eingeblendet wird, wirkt alles, was dort gesagt wird, wie Theater, wie Schmäh, verlogen, heuchlerisch. Aber niemand steht auf und protestiert, legt offen, zieht den Vorhang vor diesem Theater zu und verkündet der Welt, welche Intrigen dazu geführt haben. Das Theater geht weiter, und alle akzeptieren es, weil sie keine Alternative sehen oder sehen wollen.
"All About Eve" ist aber auch ein Beispiel für die Geschlechterbeziehungen im Gestrüpp des Theaterdschungels, das heißt darüber, wie Frauen glauben, an große Rollen heranzukommen. Und als Margo erkennt, dass sie gegen Eves Intrigen auf verlorenem Posten steht, sieht sie nur noch eine Chance für ihr weiteres Leben in der privaten Beziehung zu Bill bzw. darin, diese Beziehung in Ordnung zu bringen - also als Ehefrau. Dabei sind dieses Geschlechterbeziehungen durchaus komplexer, als es vielleicht zunächst scheint. Die Männer schreiben die Drehbücher, führen Regie und leiten das Theater. Die Frauen müssen um Rollen kämpfen. Doch auch diese Verteilung der männlichen und weiblichen Rollen verdeckt zum Teil, dass es eigentlich die Frauen sind, die Stars jener Zeit, in der der Film entstand, die die Fäden ziehen und um die herum sich alles zu gruppieren scheint. Mit "ihren" Mitteln versuchen sie, Konkurrentinnen auszuschalten, matt zu setzen. Die Männer scheinen so auf der anderen Seite nur Zuschauer.
Dem Zynismus der Handlung und der Beteiligten entspricht der Sarkasmus der Inszenierung. Dem System, das dahinter steckt, entsprechen die Charaktere der Hauptbeteiligten: eine zynische Margo, eine krankhaft ehrgeizige Eve und ein skrupelloser und gefühlloser de Witt, denen beiden jedes Mittel recht ist, um zu ihrem jeweiligen Ziel zu kommen, ein feiger Theaterdirektor Max, dem letztendlich alle auf der Nase herumtanzen - alle Rollen hervorragend besetzt. Neben Bette Davis gefällt vor allem Anne Baxter, weil sie das Wechselspiel zwischen unschuldiger junger Frau und gerissener Intrigantin nahezu perfekt in Szene zu setzen weiß. Daneben glänzt George Sanders als gefühlloser Schreiberling. Celeste Holm und Gary Merrill passen ebenfalls gut ins Bild dieser neben Wilders "Sunset Boulevard" einzigartigen Darstellung der Verhältnisse, die natürlich auch und vor allem auf Hollywood gemünzt war. In einer Nebenrolle ist Marilyn Monroe als etwas naive und unbegabte Möchtegernschauspielerin zu sehen, die skrupellos als potentielle Konkurrentin ausgeschaltet wird.