In Thomas Vinterbergs Film Das Fest liegt die Katastrophe schon lange zurück. Nun, da Familienoberhaupt Helge seinen 60.Geburtstag im Kreis der Lieben feiern will, versammeln sich um ihn die Opfer und ihr Anhang zum unfrohen Fest. "Die Familie", erklärt der Regisseur dazu, "gewinnt immer." Sie überdauert die Verbrechen, die sich innerhalb der Gemeinschaft ereignet haben. An Flucht ist nicht zu denken. Der dänische Sommer kennt kein Erbarmen -- die Handkamera auch nicht. Sie kommt den Menschen gefährlich nahe, sucht Körperkontakt und flieht ihn wieder. Mit den wackligen Einstellungen und den rohen, körnigen Aufnahmen fördert sie langsam die quälende Wahrheit hinter der Kulisse der heilen Großfamilie zu Tage. Die Wahrheit über einen Vater und seine Kinder, die Wahrheit hinter einem aufgesetzten Lächeln, einer gespielten Höflichkeit, einem Zornausbruch. "Ich mache Filme", so Thomas Vinterberg, "weil ich im Kino zeigen kann, was die Menschen voreinander verbergen."
Vor einigen Jahren hat der Däne Vinterberg gemeinsam mit seinem Kollegen Lars von Trier (Idioten) ein filmisches Manifest unterzeichnet, das vor Selbstbewusstsein strotzt: Das "Dogma 95". Das Keuschheitsgelübde für Regisseure verbietet seinen Anhängern nahezu alle Annehmlichkeiten des modernen Kinos. Vorgeschrieben sind Handkamera, Originalschauplätze und die Einheit von Zeit und Ort. Filter und künstliche Lichtquellen sind tabu. Bei Vinterbergs Film geht der Purismus auf. Die ungelenken Einstellungen aus der Videokamera, mit denen er seine Geschichte erzählt, verleihen den Szenen der Familienhölle zusätzlichen Schwung und verstören den Blick nachhaltig.
Das Fest hat die Kraft einer ohnmächtigen Wut, die ästhetische Gewohnheiten ebenso sprengt wie die Regeln des kultivierten Soziallebens. Nichts erscheint so, wie man es kennt. Jede Szene ein Schock, ein Einspruch gegen die vorprogrammierten Emotionen der Filmindustrie. Ein echtes Erlebnis.
Es ist die bewusst nicht allzu authentisch gehaltene Geschichte des Mathematikers John Forbes Nash, der in den 50er Jahren an paranoider Schizophrenie erkrankte und jahrelange soziale und berufliche Isolation hinnehmen musste. In den 90er Jahren erlebte er ein geradezu triumphales Comeback, welches 1994 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde. Mit 21 Jahren entwickelte der Schüler Einsteins an der Princeton University eine Spieltheorie, die vor allem die Wirtschaftswissenschaften revolutionierte. Sylvia Nasar hielt seine Biographie in dem Buch "Auf den dunklen Meeren des Denkens" fest, wobei sie die gesamte Widersprüchlichkeit dieses vielschichtigen Charakters berücksichtigte: Der echte Nash war laut Sylvia Nasar Antisemit, bisexuell, neigte zu Gewaltausbrüchen, war kein guter Vater und behandelte seine beiden Ehefrauen schlecht.
Von alldem ist bei Ron Howard nicht mehr viel übrig geblieben. Genauso, wie in Akiva Goldsmans Drehbuch all jene wirklich dunklen Seiten des echten John Nash wegretouchiert und mit Hollywood'schem Weichzeichner übertüncht wurden, genauso wenig erfährt der Zuschauer von den wissenschaftlichen Errungenschaften des Nobelpreisträgers. Howard und Goldsmans zeichnen das Bild eines schrulligen, zeitweilig völlig hilflosen, aber unbeugsamen Psychosekranken, der ausnahmslos als Opfer seiner Störung stilisiert wird. Angefangen vom linkischen, aber zeitweise bodenlos überheblich und arrogant auftretenden Jungakademiker über den Erwachsenen, der wegen seiner Krankheit beruflich scheitert und das Höllenmartyrium der Psychiatrie, Stand 50er Jahre, mit Insulin- und Elektrokrampftherapie über sich ergehen lassen muss, bis in hohe Alter portraitieren Howard und Goldsman den Lebensweg eines Mannes, der trotz psychischer Krankheit voll und ganz dem Ideal des American Dream entspricht, der sich gegen alle Widrigkeiten am eigenen Schopf aus dem Morast zieht, um am Schluss zu triumphieren.
Der Schrecken der Medusa (1978) von Jack Gold [Avi] Mystery-Thriller - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1.01 GB - 104 Minuten
Info & Review
Nach einem Roman von Peter van Greenaway drehte Jack Gold 1978 die Geschichte um einen mysteriösen Mann, der von sich behauptet, Katastrophen herbeiführen zu können ? nur mit seinem Willen. Das Erschreckende, das dieser Film erzeugt, ergibt sich aus einer völlig normalen Umgebung, in der nur ein Mensch unnormal erscheint ? John Morlar, gespielt von Richard Burton, der vor 20 Jahren, am 5. August 1984, verstarb.
Inspektor Brunel (Lino Ventura) ist Gast bei Scotland Yard. Im Austausch mit einem britischen Kollegen, der zeitweise bei der S?reté arbeitet, ermittelt Brunel in einem außergewöhnlichen Mordfall. Der Schriftsteller John Morlar wurde erschlagen. Als Brunel und sein englischer Kollege Duff den Tatort besichtigen, beobachten Sie plötzlich, dass sich Morlars Brustkorb bewegt. Im Krankenhaus wird Morlar an ein EEG angeschlossen. Sein Gehirn ist tätig, und es scheint, als wehre er sich dagegen zu sterben. Für Dr. Johnson (Gordon Jackson) ist es nur eine Frage der Zeit, dass Morlar stirbt. Sein Kopf wurde durch mehrere Schläge mit einem äußerst harten Gegenstand so sehr verletzt, dass ein Überleben Morlars unmöglich erscheint.
Brunel verhört Morlars Nachbarn, Mr. Pennington (Robert Lang), der behauptet, er habe Morlar so gut wie gar nicht gekannt, obwohl die Wände dünn sind und man von Morlars Wohnung aus deutlich den Fernseher in Penningtons Wohnung hören kann. Morlar schien ein einsamer Mensch gewesen zu sein. Er habe keine Freunde gehabt und sei nie besucht worden. In seinem Tagebuch findet Brunel rätselhafte Einträge: Den Namen Zonfeld etwa, oder die Frage ?Wo bist Du, L.? ? und die Erwähnung einer geheimnisvollen ?Westfassade? ? alles Dinge, mit denen Brunel zunächst nichts anfangen kann.
Dann allerdings stößt er auf den Namen Zonfeld im Telefonbuch. Wie sich zeigt, handelt es sich um Dr. Zonfeld, eine Psychiaterin, bei der Morlar in Behandlung war.
Dr. Zonfeld (Lee Remick) erzählt Brunel von Wahnvorstellungen Morlars. Er habe ihr erzählt, er könne nur durch seinen Willen Katastrophen herbeiführen. Er habe sich verantwortlich gefühlt für den Tod seiner Eltern, die er nicht mochte und die durch ihr eigenes Auto angefahren von einer Klippe in den Tod gestürzt seien; ebenso für den Tod eines Lehrers, der ihn damit gequält hatte, 1.068 Blätter im Park zu sammeln, als Strafe für ein zu loses Mundwerk; und für den Tod des religiös-fanatischen Kindermädchens, dessen Gerede er nicht mehr hören konnte.
Ein Anwalt erzählt Brunel, Morlar sei eine Zeitlang Verteidiger gewesen. In einem Prozess gegen einen Mann, dem Aufruf zur Gewalt vorgeworfen wurde, habe Morlar eine flammende Verteidigungsrede gehalten und den britischen Militarismus kritisiert. Richter McKinley (Robert Flemyng) habe den Mann zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Alle im Gerichtssaal hätten gesehen, wie Morlar ihm daraufhin in die Augen geschaut habe und McKinley bleich vor Entsetzen geworden sei. Eine Stunde später sei er in seinem Zimmer im Gerichtsgebäude an einer Herzattacke gestorben.
Brunel ist ratlos. Hatte Morlar übersinnliche Kräfte? Er schaut sich Berichte über Telekinese an, befragt nochmals Dr. Zonfeld, die ihm offenbar nicht alles erzählt hat. Inzwischen misst das EEG verstärkte Gehirnaktivität bei Morlar. Brunels Londoner Vorgesetzter (Harry Andrews) kann an den Spuk, den ihm Brunel berichtet, nicht glauben. Doch dann erzählt Dr. Zonfeld von weiteren Ereignissen, die Brunel zu denken geben: Nachdem Morlars Frau Patricia (Marie-Christine Barrault) sich von ihm ab- und einem anderen Mann zugewandt hatte, kamen beide kurze Zeit später bei einem Autounfall ums Leben. Morlar fühlte sich auch für diesen Unfall verantwortlich und behauptet weiter steif und fest, solche Katastrophen nur mit seinem Willen herbeiführen zu können. Er habe ihr, Dr. Zonfeld, auch verzweifelt berichtet, dass er durch diese Gabe offenbar nur Schreckliches auslösen könne, nichts Gutes.
Und schließlich berichtet Dr. Zonfeld über ein Ereignis, das sie zutiefst erschüttert habe. Sie sei selbst Zeuge einer solchen Katastrophe geworden ? in Anwesenheit Morlars ...
Jack Gold, der nach ?The Medusa Touch? fast ausschließlich noch TV-Filme inszenierte, führt uns in eine völlig ?normale?, das heißt für sich genommen alltägliche Welt, in der ein Mord passiert, in der ein Jumbo-Jet abstürzt, in der eine Mondlandung schief geht und auch ansonsten Katastrophen geschehen, über die tagtäglich im Fernsehen berichtet wird. In diese Welt setzt er einen Mann, der behauptet, er habe zwar nicht alle, aber einige dieser Katastrophen verursacht, weil er es wollte. Wir sehen ihn als kleinen Jungen, der mit seinen Eltern, die ihn nicht sehr mochten, an die Küste fährt. Während die Eltern an die Klippe gehen, sieht man den kleinen John in das Auto steigen, wieder aussteigen und in den Felsen zurückgehen. Er hat an dem Fahrzeug nicht manipuliert. Trotzdem setzt es sich in Bewegung, auf die Eltern zu, die dies zu spät bemerken und samt dem Fahrzeug in die Tiefe stürzen.
Ähnliches passiert an der Schule, als der Lehrer, der John bestrafte, im Feuer umkommt, und mit dem Kindermädchen, später mit anderen, u.a. auch der Frau seines Nachbarn, die aus dem Fenster springt. Nie hat Morlar seine Finger im Spiel. Und lange Zeit weiß man nicht, ob es sich nur um eine ?Verkettung unglücklicher Umstände? ? wie es so schön heißt ? handelt, also um einen Unglücksraben, der daran zu verzweifeln beginnt, dass er offenbar Katastrophen anzieht, oder um einen Psychopathen, der tatsächlich in irgendeiner Weise an diesen Katastrophen beteiligt ist.
Richard Burton spielt diesen John Morlar wie einen gewöhnlichen Mann, der Hilfe in der Psychologie sucht, der Dr. Zonfeld inständig bittet, ihm zu glauben und aus dieser Situation heraus zu helfen, während die Psychologin lange Zeit an Wahnvorstellungen glaubt, die man behandeln müsse. Morlar jedoch lässt ihr dazu gar keine Gelegenheit. An den Einbruch des Schicksalhaften, des Bösen in Gestalt dieses Mannes wagt man zunächst nicht zu glauben. Und tatsächlich bleibt bis zum Schluss unklar, ob Morlar diese Fähigkeit, durch seinen Willen Katastrophen auszulösen, bewusst einsetzt oder ob ein innerer Zwang ihn dazu treibt, gegen den er sich nicht wehren kann.
Insgesamt gesehen allerdings fügen sich die Puzzle-Steine immer deutlicher zusammen: Zu den Toten zählen seine Eltern, die ihn ablehnten, ein Lehrer, der ihn quälte, ein Kindermädchen, die eine religiöse Fanatikerin war, ein Richter, der einen Kritiker des englischen Militarismus hart bestrafte, eine Nachbarin, die an ihrem Mann nichts Gutes ließ ? und ganz zum Schluss schickt sich Morlar an, den Repräsentanten der britischen Gesellschaft den Garaus zu machen: Kirche, Staat, Kleinbürgertum und ein blinder Fortschrittsglaube ? das scheinen die Ziele des Hasses Morlars zu sein. Trotzdem scheint das, was er auslöst, eher durch einen inneren Zwang erwirkt, denn durch eine bewusste Tat seines Verstandes.
Wüssten Brunel und Dr. Zonfeld nicht, warum bestimmte Dinge passiert waren, würden sie all diese Katastrophen eben für ?normale? Katastrophen halten. Lino Ventura spielt das, was er oft spielte, einen abgefeimten, misstrauischen und schlauen Polizisten, der sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lässt. Lee Remick überzeugt in der Rolle einer Psychologin, der man anfangs nicht anmerkt, dass sie etwas zu verheimlichen hat, mehr über Morlar weiß, als sie Brunel erzählt.
Fazit:
Insgesamt ein mysteriöser Film, der mit einem spannenden Showdown, einem Wettlauf mit der Zeit endet; und an diesem Ende steht einer, der nicht aufzugeben scheint oder es nicht kann. ?Sucht den Mann mit der Macht, Katastrophen heraufzubeschwören.?
Hallo
Ich möchte euch diesen Film auf keinen Fall vorenthalten.
Er verdient weit mehr Beachtung, als er es bisher bekommen hat. Zwar war es eher Zufall, dass ich auf diesen Film gestossen bin, jedoch bin ich sehr froh darüber. Der Film hat mich von Anfang bis zum Ende gefesselt, immer wieder überrascht und einige Emotionen in mir hervorgerufen.
Schaut euch diesen Film einfach an:
Der Film ist übrigens auf Englisch (ich bin mir auch nicht sicher, ob es eine deutsche Version gibt). Wer weitere Informationen haben möchte, kann mich gerne anschreiben.
„Ich habe den Eindruck, dass der Stummfilm als künstlerische Form noch im Wachsen begriffen war, als ökonomische Gründe (die Nachfrage nach Tonfilmen) ihm ein vorzeitiges Ende bereiteten. Der Stummfilm hätte sich noch weiter entwickeln können, und ich fand es interessant, an genau diesem Punkt anzusetzen."
Guy Maddin, nach dem B-Movie-Star Guy Madison benannt, wurde 1956 in Winnipeg, Kanada, geboren. Dieser entlegene und im Winter bei vierzig Minusgraden ausgestorbene Ort, wo er noch heute lebt und arbeitet, findet sich oft in den Schauplätzen seiner Filme wieder. [...] In seiner Phantastik wird Guy Maddin mit dem jungen David Lynch verglichen und seine schräge und handgemachte Ästhetik erinnert an Ed Wood. [...] Verklärte Artefakte, die enthusiastisch aus dem Fundus der Filmgeschichte schöpfen. Der späte Stummfilm mit seiner ausdrucksstarken Mimik und Gestik, den Schattenspielen und wenigen Zwischentiteln ist seine bevorzugte Periode, aber auch der frühe Tonfilm, der film noir und die surrealen und poetischen Werke von Luis Bu?uel. sixpackfilm.com
Guy Maddin - Tales from the Gimli Hospital (Kanada, 1988)ofdb
?Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besuchen zwei Kinder ihre sterbende Mutter im Krankenhaus. Dort erzählt ihnen ein Verwandter eine isländische Sage von zwei Männern, die während einer Pestepidemie in einer Krankenstation aufeinandertreffen. Es entspinnt sich eine Freundschaft, indem sie sich immer fieberhaftere Geschichten über vergangene Untaten erzählen, in denen es um rücksichtlose Habgier, unterdrückte Leidenschaften und Nekrophilie geht. Guy Maddins düsterer, bizarrer Debütfilm, den er mit wenig Geld im suggestiven Stummfilmstil zusammen mit einigen Freunden im Schönheitssalon seiner Tante drehte, war einer der großen Hits der Midnight Movies im New York der 80er Jahre.? Filmmuseum München
Die grosse Originalität Maddins, die bereits in diesem Erstling angelegt ist, erweckte das Interesse des amerikanischen Verleihers Ben Berenholtz, der auch Lynch oder die Brüder Coen entdeckte. Gedreht wurde über einen längeren Zeitraum mit Freunden von der Manitoba Film Group, wann immer Maddin Lust verspürte und seine Freunde Zeit hatten. 'In einer solchen relaxten Situation', betont Maddin, 'dreht man nur, wenn man wirklich inspiriert ist. Das ist unmöglich, wenn man einmal im professionellen Rahmen steckt'. xenix.ch
1917, Archangelsk: die russische Stadt, schneebedeckt im Durcheinander von Revolution und Erstem Weltkrieg. Das Senfgas hat die Erinnerungen der Soldaten eingeschläfert, die zu kämpfen vergessen, zu schlafen vergessen, ja vergessen haben, dass sie gestorben sind. Sie erinnern sich nur noch an eines: zu lieben. Aber sie vergessen immer wieder, wen.
Hauptpersonen in diesem reizenden Verwechslungs-Drama sind ein kanadischer Soldat, ein belgischer Flieger und eine russische Krankenschwester. Wie süss, für sein Vaterland zu sterben!
Dieses Liebesgedicht in Form einer Kriegsgeschichte besitzt den Charme eines vergessenen Stummfilms, doch die Verfremdungseffekte und der bisweilen durchschimmernde Humor bringen die skurrile Künstlichkeit dieses kleinen Meisterwerks immer wieder zu Bewusstsein. Archangel ist ein Stummfilm auf Acid. Oder hat man sonst schon irgendwo weisse Hasen schneien sehen? Eine kindliche Unschuld schwebt über allem: 'Als ich Archangel drehte war ich mir dessen, was ich drehte, sehr sicher. Genauso wie meine dreijährige Tochter, die man nicht von ihren Zeichnungen wegbringen kann. Ich brauchte diese Energie, um Filme zu machen.'xenix.ch
Zu Beginn eine Warnung: Vorsicht, Kinder! Jedes Niesen, ja jedes laute Wort kann in dieser schneebehangenen Bergwelt, in der die Geschichte angesiedelt ist, eine Lawine auslösen, die ganze Dörfer mit in den Abgrund reisst. Daher: Stille, Kinder, ruhig, nur flüstern! In Tolzbad, irgendwo in den Schweizer Alpen (repräsentiert durch weissgetünchte Bergspitzen aus Pappmaché) lebt die schöne Mutter Zielinde mit ihren beiden Söhnen Johan und Grigorss. Die jungen Männer besuchen die örtliche Butlerschule und erlernen ruhiges, taktvolles Benehmen (in dieser Gegend eine begehrte Berufsgattung). Beim jährlichen Alphornblasen erwacht Johans Liebe zur schönen Klara. Verhängnisvoll dräut jedoch Johans heimliche Lust an seiner Mutter über dem Häuschen, der melancholische Bruder Franz, in den Estrich verbannt, will in den Kreis der Familie zurück und Grigorss' Liebeswerben um Klara mündet in eine Sterbeszene.
In diesem modernen Kitschmärchen aus der hehren Alpenwelt verkehrt sich eine tragische Komödie in die Parodie. Lustvoll spielt der Cineast mit den Bestandteilen der traditionellen Fotografie, erstmals auch unter dem behutsamen Einsatz von Farbe. Man glaubt sich in einem Wunderkabinett, in dem die Laterna Magica uns alle wieder zu staunenden Kindern macht. 'Ein Freund von mir wollte einen Pro-Inzest-Film machen, ich aber trug mich schon lange mit dem Gedanken an einen Bergfilm. So haben wir eben einen Pro-Inzest-Bergfilm gedreht. Eine Art Liebesbrief an die Schweizer Alpen.' (GM) xenix.ch
Dieser politische Thriller von Regisseur Costa-Gavras basiert auf einer wahren Begebenheit: Während eines Militärputschs in Südamerika verschwindet der junge US-Autor Charles Horman (John Shea) spurlos. Sein Vater (Jack Lemmon), ein prominenter New Yorker Geschäftsmann begibt sich zusammen mit Charles Frau (Sissy Spacek) auf die verzweifelte Suche nach dem Vermissten. Von den ausländischen Behörden, und auch der US-Regierung, immer wieder behindert und auf falsche Fährten geführt, bauen die beiden ein Vertrauen auf, das sie nie hatten. Doch am Ende der Suche erwartet sie eine erschütternde Wahrheit!
Out of Sight war einer der besten Filme des Jahres 1998, doch ironischer Weise zugleich eine Enttäuschung an den Kinokassen. Glücklicherweise kann sich diese überragende Krimikomödie nun eines langen Lebens als Video erfreuen, auf das sich jeder stürzen kann, der den Film im Kino verpasst hat. Regisseur Steven Soderbergh hat hiermit seinen besten Film seit seinem 1989 entstandenen Debüt Sex, Lügen und Video gedreht und zollt zugleich der Handschrift, also dem Witz und der Komplexität Elmore Leonards seinen Tribut. Leonards Roman wurde von Scott Frank, dem talentierten Drehbuchautor, der auch schon Leonards von Barry Sonnenfeld mit John Travolta in der Hauptrolle verfilmten Schnappt Shorty adaptiert hat, brillant umgesetzt. Der Film bietet eine ideale Bühne für das Talent von George Clooney und Jennifer Lopez und deren perfekter Chemie. Die beiden spielen einen Profi-Bankräuber, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, und die Bundesagentin, die seinem Charme erliegt, während sie ihn jagt.
Soderberghs Inszenierung besticht durch ihr selbstsicheres, visuelles Flair, die sich ständig verschiebenden Zeitebenen (wie in Pulp Fiction) und die Eleganz, mit der sie alle Nebenhandlungen ineinander verwebt, ohne darüber die grandiosen Figuren Elmore Leonards und die äußerst spritzigen Dialoge aus den Augen zu verlieren. Während die vor Sex knisternden und ungeheuer schlagfertigen verbalen Duelle zwischen Clooney und Lopez an das klassische Zusammenspiel von Humphrey Bogart und Lauren Bacall erinnern, sorgen Ving Rhames und Steve Zahn als Clooneys Komplizen für reichlich komödiantische Abwechslung. Dennis Farina ist unvergesslich als Vater von Jennifer Lopez und Albert Brooks nahezu nicht wiederzuerkennen als Wall-Street-Gauner, dessen Villa mit ihrem Versteck voll mit rohen Diamanten den Schauplatz für den letzten und entscheidenden Coup des Films liefert. Durch Soderberghs Orchestrierung wird der Film zu einem wahren Fest plötzlicher Wendungen und gelungener Überraschungen, die aber eben nie auf Kosten der Figuren und ihrer Lebendigkeit gehen.
Regisseur: Stanley Kramer
Darsteller: Anthony Perkins, Ava Gardner, Donna Anderson, Fred Astaire, Gregory Peck, Guy Doleman, Harp McGuire, John Tate, Ken Wayne, Lola Brooks
USA 1959
Genre: Drama, SF
Videoinfo:
Dateigröße : 900 Mb.
[Film]
Gültig : Ja [AVI]
Dauer : 02:08:57
Film vollständig : Ja
Die Welt nach dem Atomkrieg: Nur Australien wurde von der atomaren Verseuchung verschont. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Fallout auch den fünften Kontinent erreicht und in eine lebensfeindliche Wüste verwandelt. Da erhält Captain Towers (Gregory Peck), der Kommandant eines amerikanischen U-Boots, das sich nach Melbourne retten konnte, Funksignale aus dem fernen San Francisco. Sollte es in der Heimat doch noch Überlebende geben?
Anders als die Andern Xvid Habe leider die falsche (leere) Tonspur erwischt. Daher gelöscht. Eventuell gibt es einen Reupp.
Regisseur: Richard Oswald
Darsteller: Conrad Veidt, Fritz Schulz, Magnus Hirschfeld
D 1919
Genre: Erster Schwulen-Film der Geschichte
Videoinfo:
Dateigröße : 300 Mb.
[Film]
Gültig : Ja [AVI]
Dauer : 00:39:48
Film vollständig : Ja
s/w Der erste Film über Homosexualität wurde seinerzeit vielerorts verboten und hat nur als Fragment einer 1927 von Dr. Magnus Hirschfeld umgeschnittenen Kurzversion überlebt. Die Rekonstruktion des Originalfilms "Anders als die Andern" verwendet neben dem vorhandenen Filmfragment Texte aus zeitgenössischen Protokollen und Besprechungen sowie Standfotos. Die DVD präsentiert zudem die restaurierte umgeschnittene Version "Gesetze der Liebe: Schuldlos geächtet!" von Magnus Hirschfeld und eine Dokumentation über die Zensurgeschichte des Films. Beinhaltet: - "Anders als die Andern" (51 min.) - Gesetze der Liebe: Schuldlos geächtet! (40 min.)
Hamlet (1996) von Kenneth Branagh [Avi] Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 2,4 GB - 232 Minuten
Info & Review
1948 erhielt Laurence Oliviers "Hamlet" gleich vier "OSCAR"s, unter anderem als "bester Film" des Jahres und Olivier selbst als bester Hauptdarsteller. Seitdem wurde Shakespeares Drama oft verfilmt - zuletzt 1990 mit Mel Gibson und Glenn Close - aber nie erreicht, denn Kenneth Branagh wagt es als erster, den Stoff in voller Länger zu zeigen, was den Film immerhin auf stattliche vier Stunden "aufbläht" - keine Angst, nach gut zwei Stunden gibt es in jedem Kino eine "Erfrischungspause".
Wer in der Schule nicht aufgepasst hat, hier noch mal die Handlung: Der König ist tot, es lebe der König! Nach dem Mord am König von Dänemark besteigt dessen Sohn Hamlet (Kenneth Branagh) den Thron. Nur kurze Zeit später heiratet seine Mutter Getrude (Julie Christie) den ungeliebten Onkel Claudius (Derek Jacobi), über den Hamlet in einem Traum erfährt, dass er der wirkliche Mörder seines Vaters ist. Seine Mutter ist für die Wahrheit blind, also muss er sie mit List von der Schuld seines Onkels überzeugen...
Eines hat Kenneth Branaghs "Hamlet" mit Oliviers preisgekrönter Version in jedem Fall gemeinsam: Auch er ist Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person und auch hier ist die ganze Verfilmung stark auf das Charisma des Impressarios zugeschnitten. Branagh verließ sich aber dennoch nicht auf die Zugkraft des Shakesperare-Stoffes (oder gar seines Namens) allein: Eine illustre Anzahl Publikumsmagneten wie Robin Williams, Billy Crystal (als Totengräber!), Jack Lemmon, Gerard Depardieu oder Charlton Heston schneien mal kurz vorbei.
Die 2. Hälfte vom Film war asynchron. Habe das mit VirtualDubMod wieder korrigiert. Falls es dennoch stören sollte, werde ich den nochmal rippen und hochladen.
Adapted from the novel by Sarah Waters. London, 1862, a young orphan named Susan Trinder (Sally Hawkins) grows up amongst the petty thieves known as Fingersmiths, under the guidance of Mrs Suckerby (Imelda Staunton). One evening, Richard 'The Gentleman' Rivers (Rupert Evans) pays them a visit. Rivers has an elaborate plan to defraud the wealthy heiress, Maud Lilly (Elaine Cassidy). Susan agrees to help for a cut of the money, and is quickly installed as Maud's maid. Upon arriving, she discovers that Maud is virtually a prisoner in her own house, as Uncle Christopher (Charles Dance) controls every detail of her life. As the plan begins to unfold, Susan finds herself developing an intimate relationship with the lady of the house...
Othello (1995) von Oliver Parker [Avi] Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,15 GB - 118 Minuten
Info & Review
Wahrscheinlich wird sich in einer fernen Zukunft herausstellen, dass Kenneth Branagh doch der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur...-Enkel des großen William Shakespeare war und somit seine Stücke schon mit der Muttermilch eingesogen hat. Und dass es ja alles so kommen musste ... wenngleich er in dieser Verfilmung von "Othello" nicht selbst die Regie übernommen hat und auch - naturgemäß - nicht die Hauptrolle spielte; aber die tragende Rolle.
Der Schwarze Othello (Laurence Fishburne) ist ein venezianischer General, der vom Dogen in den Kampf nach Zypern geschickt wird. Kurz vor seiner Abreise hat er die angesehene Desdemona (Irene Jacob) geheiratet, die er nun nicht alleine lassen will und kurzerhand mitnimmt. Die Schlacht ist auch bereits gewonnen, ehe sie recht begonnen hat und so kommt Othello mehr seinen Statthalterpflichten nach.
Der mächtige und erfolgreiche Feldherr hat aber auch Neider. Allen voran der Intrigant Iago (Kenneth Branagh). Er verbündet sich mit Roderigo (Michael Maloney), der ebenfalls ein Auge auf die hübsche Dedemona geworfen hatte. Der Weg führt sie über Othellos Stellvertreter Cassio (Nathaniel Parker), dem sie erst Alkohol einflößen, so dass er nach einer Entgleisung seines Ranges enthoben wird, und dem sie dann noch ein Verhältnis mit Othellos Gemahlin anhängen. Dies soll aber nicht nur für Cassio Folgen haben...
Oliver Parker verfilmte Shakespeares Drama weitgehend werkgetreu. Die erstklassigen Darsteller sorgen dabei trotz der 400 Jahre zurückliegenden Geschichte für eine auch heute noch große Glaubwürdigkeit. Allen voran `mal wieder Branagh als fieser Intrigant. Aber auch Fischburne als teils jähzorniger, teils verzweifelter Titelheld vermag durchweg zu überzeugen.
Guy Maddin - Twilight of the Ice Nymphs (Kanada, 1997)ofdb
Als wäre ein Farbtopf auf der Leinwand explodiert, glüht gold und rot ein ewiger Sonnenuntergang, schillert verführerisch die üppige Idylle von Mandragora: das Land, in dem die Sonne nie untergeht. An Bord eines Schiffes kehrt der ehemalige politische Gefangene Peter Glahn in seine Heimat zurück. Seine Reisebekanntschaft Juliana, eine ebenso schöne wie geistreiche Frau, entflammt in ihm sofort ein Gefühl der Verliebtheit. An Land gegangen stellt er fest, daß alle Bewohner Mandragoras in einem Art leidenschaftlichen Liebestaumel schwelgen. Seine Schwester Amelia, Hüterin einer Straußenfarm, verzehrt sich nach dem Magnetiseur Dr. Solti, der seinerseits die Zuneigung der jungen Witwe Zephyr sucht, die ihrerseits wiederum mit dem Wald vermählt ist, sich aber gleich nach dessen Ankunft Peter Glahn hingibt, der Juliana nicht vergessen kann. So dreht sich das Liebeskarussell weiter in schwelgendem Rhythmus, bis das Schicksal zuschlägt. (Filmmuseum München)
Eine internationale Besetzung und ein persönliches Rekordbudget von 1,5 Mio. Dollar: 'Twilight of the Ice Nymphs' stellte für Guy Maddin eine besondere Herausforderung dar. Die Inspiration für diese surrealistisch-erotische Fantasmagorie holte er sich von den Gemälden der französischen Symbolisten des 19. Jahrhunderts. xenix.ch
With a Romantic score ripped from Bernard Herrmann's dead hands, Maddin's florid fairie tale is his only 35mm film, and, abetted by an allstar cast enunciating in a mélange of accents, his most decadent. Twilight of the Ice Nymphs would be a film blanc were it not shot in a colour palette inspired by Gustave Moreau: Toles' purple prose is readily matched by Maddin's iridescent magenta fauxsunlight. At its hermetic heights, Twilight of the Ice Nymphs also recalls another allstudio forest romp: A Midsummer Night's Dream. (Though unlike Max Reinhardt, Maddin shot in an abandoned Winnipeg iron works.) This unfashionable, obscure object emerges from the nether regions very lush, and full of ostriches.
Maddin: 'I had a wee bout of syphilis whilst making this, but I really struggled to get any of the fever onto the screen.' (M.P.) Filmfestival Rotterdam
Guy Maddin- Dracula: Pages from a Virgin's Diary (Kanada, 2001)ofdb
England im Jahre 1880. Die junge Lucy leidet an einer seltsamen Krankheit. Ihr besorgter Verlobter ruft Dr. von Helsing zu Hilfe. Die Spuren an Lucys Hals deuten auf einen Vampirbiss hin. Zur gleichen Zeit eilt ihre beste Freundin Mina nach Rumänien ans Krankenbett ihres Verlobten, dem die Flucht aus Draculas Schloss gelang...
Review
Guy Maddin ist bekannt für seine poetischen Filme, die in ihrer Machart an die Werke von Fellini erinnern. Besonders vielversprechend ist es, wenn Maddin sich des Dracula-Stoffes annimmt, der bereits von so großen Regisseuren wie Dreyer, Murnau, Herzog und Coppola umgesetzt wurde. Maddin hat seinen Schwarzweiß-Stummfilm, in dem nur vereinzelte Töne zu vernehmen sind, als Ballett inszeniert. Die Choreografie nach einer Sinfonie von Gustav Mahler schuf Mark Godden. Maddin, einer der Wortführer der postmodernen Bewegung, knüpft mit seiner Regiearbeit an sein dreiminütiges Meisterwerk "Heart of the World" aus dem vergangenen Jahr an, das eine temperamentvolle Ode an das Kino ist.
In "Dracula - Pages From a Virgins's Diary" mischt sich unter die Schwarzweiß-Töne immer wieder Blut- und Sepia, die Iris öffnet und schließt sich, das Bild wackelt so, als würde die Kamera durch ein Schlüsselloch etwas Verbotenes beobachten, gleich einem Blick aus wässrigen Augen. Die Bewegungen der Körper sind Ausdruck eines brennenden Verlangens und einer Sinnlichkeit, die ihren Höhepunkt in der Liebe bis zum Tod findet. Maddins Dracula-Fassung spricht mehr die Sinne als den Verstand an. Trotz einiger Längen und des stellenweise bizarren Humors geht von manchen Sequenzen eine seltsame, aus Einzigartigkeit und Schönheit entstehende Kraft aus: Mitten in der Nacht suchen geheimnisvolle Schatten in einer weihnachtlich anmutenden Schneelandschaft nach einem unsichtbaren Feind; Dracula hebt langsam Minas Rock an, um sich vor der Sonne zu schützen; die Verführungsrituale Lucys, die im Wahn nach dem Absoluten strebt. Bei all diesen Bilder von beeindruckender und beunruhigender Schönheit ist der Übergang zum Alptraum fließend. Delphine Valloire
Guy Maddin - Cowards Bend the Knee (Kanada, 2003)ofdb
Adapted from a ten-part peephole installation, COWARDS BEND THE KNEE is "jam-packed with enough kinetically photographed action to seem like a never-ending cliffhanger...In this twisted and poisoned wish-fulfillment, the mythomaniacal Maddin casts 'himself' (actually, Darcy Fehr) as a hockey sniper made lily-livered by mother and daughter femme fatales, and resurrects his father as as the team's radio broadcaster and his own romantic antagonist. Set in a shadow-suffused hockey arena and a Mabuse-like beauty salon-slash-abortion clinic, the plot drips with Grecian formula, as sordid family secrets spawn unintentional murder most foul." -Mark Peranson Zeitgeist Films
1986 The Dead Father (Divx 159MB 24min 894kb/s)
1995 Sissy Boy Slap Party (Divx 45MB 4min 1536kb/s)
1995 The Eye Like A Strange Balloon (Divx 31MB 5min 884kb/s) Review 1 Auszeichnung
2000 The Heart of the World (Xvid 45MB 6min 990kb/s) wiki 5 Auszeichnungen
2004 A Trip to the Orphanage (Divx 30MB 4min 1MB/s)
Erzählt wird die Geschichte der Resozialisierung eines Mannes, der einst in glühender Eifersucht seine Frau und deren Liebhaber erstach und darauf eine lange Gefängnisstrafe zu verbüßen hatte. Thematisch erinnert der Film ein wenig an Aki Kaurismäkis "Der Mann ohne Vergangenheit", welcher zwar keinen Doppelmord vorzuweisen hatte, dafür jedoch ebenso ganz von vorne in der menschlichen Gesellschaft anfangen musste - und zwar in einer ziemlich skurrilen Gesellschaft. Auch der Protagonist Imamuras fängt in einer Umgebung von lauter Aussenseitern und Randgestalten an, sich seines vergessenen Menschseins zu nähern, nachdem er im Gefängnis jahrelang nur seinem Aal menschliche Nähe abgewinnen konnte - "Der Aal" schildert meisterhaft, wie am Ende Mensch und Tier die Freiheit erlangen.
Quay Brothers - The Piano Tuner of Earthquakes (EU, 2005)ofdb
Es ist der Abend vor Malvinas (Amira Casar) Hochzeit. Doch die findet nicht statt, denn der geheinnisvolle Dr. Droz (Gottfried John) hat sich in die Stimme der bekannten Opernsängerin verliebt. Der Erfinder verhindert die Vermählung mit Malvinas Verlobtem Adolfo Blin (in einer Doppelrolle César Saracho). Er tötet Malvina um sie später in seiner Villa wieder zu beleben. Die Entführte ist allerdings nicht mehr ganz bei Sinnen. Droz hat aus Malvina einen gefügigen Roboter gemacht. Jede Nacht übt er mit ihr zusammen für eine Oper, die er selbst geschrieben und komponiert hat. Droz lässt den Klavierstimmer Felisberto (César Saracho) kommen, der für ihn seine Musikautomaten in Gang setzen soll. Der junge Mann verliebt sich in Malvina und sucht nach Wegen, sie aus Droz Klauen zu befreien. Die Haushälterin des Doktors warnt ihn, er solle sich in Acht nehmen. Assumpta (Assumpta Serna) weiß allerdings nicht, ob sie Felisberto helfen soll. Einerseits will sie Droz nicht verraten. Andererseits liebt sie ihren Herrn so sehr, dass sie ihn gerne ganz für sich alleine haben würde. filmreporter
Kommentar
Die Quay-Brüder liefern mit "The Piano Tuner Of Earthquakes" sehr anspruchsvolles Kunstkino. Der Film bietet überzeugendes "Theaterspiel" für Freunde des "Abstrakten", starke Bilder in der Ästhetik des frühen 20. Jh. und viel viel Stoff um hinterher zu diskutieren. Ein Story im herkömmlichen Sinne gibt es nicht und eben so wenig Antworten. Am Ende lässt einen der Film ratlos zurück. Aber vielleicht darf man gar nicht versuchen, "The Pianotuner of Earthquakes" zu verstehen, vielleicht muss man ihn einfach als das nehmen was er ist: eine Reise mitten hinein in einen Traum, die schon nach kurzer Zeit einen ganz eigenen, suggestiven Rhythmus und eine seltsame Ästhetik entfaltet. kinokritiker
?Wir machen kein seriöses Programm.
Wir sind ein Nuttensender, der alles
nimmt, was er kriegt."
(Frank Hackett)
?Die ?Gemeinplätze?, die im alltäglichen
Gespräch eine enorme Rolle spielen,
haben den Vorteil, dass jedermann
sie aufnimmt und augenblicklich
versteht: Aufgrund ihrer Banalität
sind sie dem Sender wie dem
Empfänger gemeinsam. Im
Gegensatz dazu ist Denken von
vornherein subversiv: Es muss damit
beginnen, die ?Gemeinplätze? zu
demontieren, und damit fortfahren,
dass es demonstriert, Beweise führt.?
(Pierre Bourdieu) (1)
Ein medialer Reigen tut sich auf. Der Einsatz der Splitscreen-Technik verstärkt dies noch. Es herrscht Quote. Der Name Howard Beale ist auch noch heute bei vielen eine Art Synonym für die Künstlichkeit einer Welt, die das Fernsehen schafft - bei jenen, für die der Film Sydney Lumets noch in Erinnerung ist. Aber auch ein Synonym für die Tragik eines medialen Helden, einer Kunstfigur, hinter der der Mensch Howard Beale zugrunde gerichtet wurde und sich selbst zugrunde richtete.
?Network? ist eine Art Tragikomödie, eine Satire, fast, aber nur fast eine Farce - fast, weil sich hinter dem ganzen gezeigten Rummel eine Dramatik auftut, in der nicht nur Howard Beale (Peter Finch) seine Selbstachtung verliert. Er, über Jahre hinweg der absolute Star der Nachrichtenabteilung einer dieser monumentalen amerikanischen Fernsehanstalten neben ABC, CBS, dem erfundenen UBS, steht vor dem Aus ? die Quote für seine Sendung sinkt rapide, und sein bester Freund und direkter Vorgesetzter Max Schumacher (William Holden in einer seiner besten Rollen) muss ihm verkünden, dass Howard gefeuert ist. In einer seiner letzten Sendungen kündigt er an, am nächsten Dienstag werde er sich vor der Kamera umbringen.
Inzwischen allerdings weht der Wind von einer anderen Seite. Einer der größten Konzerne des Landes mit dem nichts sagenden Kürzel CCA hat sich bei UBS eingekauft. Und der von CCA zu UBS gesandte ?Terminator? Frank Hackett (Robert Duvall) kennt nur ein Ziel: Alles raus aus dem Sender, was kein Geld bringt, vice versa. Die Nachrichtenabteilung und damit auch Max hat Hackett vor allem im Visier. Auf einer Aktionärsversammlung verkündet er indirekt die Entmachtung von Max. Der Direktor des Senders, Ruddy, der noch nicht ahnt, dass er selbst kalt gestellt werden soll, ist bereits entschlossen, Max zu entlassen, weil der Howard Beale erlaubt hat, noch einmal nach seiner öffentlichen Selbstmordankündigung in der Sendung aufzutreten. Und Beale, verzweifelt, seinen Job, seine Lebensaufgabe verloren zu haben, redete sich seinen ganzen Frust von der Seele.
?Du bist eine von Howards
Retortenmenschen. Ich werde kaputt
gehen, wenn ich bei dir bleibe. ... So
wie alles, was du und das Fernsehen
anrühren, kaputt gehen wird. Du bist
die Verkörperung des Fernsehens, Diana,
gleichgültig gegenüber dem Leid,
unempfindlich gegenüber der Freude.
Das ganze Leben ist reduziert auf
eine Anhäufung von Banalitäten.?
(Max zu Diana)
Doch es kommt anders. Die Leiterin einer anderen Abteilung, Diana Christensen (Faye Dunaway), hat eine blendende Idee: Warum Beales Auftritt nicht perpetuieren. Schließlich stieg die Quote nach seinem letzten Auftritt drastisch, die Presse berichtete breit über den Frust-Kommentar. Sie bequatscht Hackett, die Nachrichtensendung völlig anders zu gestalten und Beale mit seinem Die-Schlechtigkeit-der-Welt-Anprangern ins Zentrum zu stellen. Aus der Nachrichtensendung soll eine Show werden. Diana will auch Max für diesen Plan gewinnen, doch der lehnt ab und wird prompt von Hackett gefeuert. Max ahnt, was auf den Sender mit CCA und was auf Beale zukommt. Er weiß, dass das alles Beale kaputt machen wird. Und gleichzeitig fühlt er sich zu Diana hingezogen, schläft mit ihr, verlässt später seine Frau und zieht mit Diana zusammen - auch wenn er inzwischen aus dem Geschäft ist.
Die Quote für die Nachrichtenshow steigt. Beale ruft sein Publikum auf: ?Ihr müsst erst einmal wütend werden. Reißt euer Fenster auf und schreit hinaus: 'Ihr könnt mich alle am Arsch lecken. Ich lass mir das nicht länger gefallen'.? Und die Leute tun es. Beale hält sich inzwischen für einen Auserwählten, einen, den die Energie des Universums erfasst habe. Und Max? Er kann nur zuschauen, was aus seinem Freund wird und was aus seiner Beziehung wird - und was aus den Medien wird ...
?Krieg, Mord, Tod sind für dich dasselbe wie
Bierflaschen. Und der täglich ablaufende
Vorgang des Lebens ist eine korrupte
Komödie. Und selbst die Sensationen
von Zeit und Raum splitterst du auf
in Sekundenbruchteile und sofortige
Wiederholungen. Du bist der Wahnsinn,
Diana. Ansteckender Wahnsinn. Alles,
was du berührst, stirbt mit Dir. Aber
ich nicht - nicht solange ich noch so
etwas empfinden kann wie Freude,
Schmerz und Liebe."
(Max zu Diana)
Als ?Network? 1976 in die Kinos kam, schlug es ein wie eine Bombe. Lumet kannte kein Pardon bei seiner sarkastischen Kritik am Fernsehen, mit der Beherrschung der Szenerie durch die Quote, dem einzigen entscheidenden Faktor für die Gestaltung des Programms, ein Faktor, der das Medium zu einer Anstalt verkommen lässt, in dem alles gemacht werden soll, was Quote und damit Geld bringt. So kommt Diana auf die Idee, eine Serie zu terroristischen Anschlägen und den sie ausführenden Gruppen, hier der ?Ökumenischen Befreiungsfront?, zu produzieren. Denn diese Gruppe hatte einen ihrer Banküberfälle selbst gefilmt und dem Sender den Film geschickt. Sie überredet die Kommunistin Hobbs (Marlene Warfield) und den Führer der anarchistischen Gruppe, den ?großen? Ahmed Khan (Arthur Burghardt), sie dabei zu unterstützen und selbst im Programm aufzutreten.
Hackett ist der personale Inbegriff einer neuen Generation von ?Fernsehmachern?, ein skrupelloser Geldmacher, dem alles egal ist ? außer der Quote. Auch Beale ist ihm gleichgültig. Hackett ist der Inbegriff der Gleichgültigkeit. Und Diana. Unfähig zu irgendeinem echten Gefühl ist sie bereit, alles zu verkaufen, was UBS an die Spitze bringt.
Vieles an ?Network? erinnert an das 1970 von Wolfgang Menge geschriebene und von Tom Toelle in Szene gesetzte ?Das Millionenspiel?, in dem in einer Todesshow drei Killer einen Mann durch die Landschaft bis ins Studio jagen, wobei dem Gejagten entweder der Tod oder ein Geldsegen winkt. ?Network? ist in ähnlicher Weise vorausschauend im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Medien ? der Jagd nach dem scoop, dem Knüller, der abseits jeglicher Qualität die Quote hochtreibt.
Lumet geht aber noch weiter. Er zeigt in der eigentlich tragischen Figur Max Schumacher, einem Insider, wie dieser nicht nur seinen Job verliert, weil er bei diesem Spiel nicht mehr mitmachen will, sondern auch seine Ehe aufs Spiel setzt, weil er unsterblich in Diana verliebt ist. Und doch muss er erkennen, dass auch Dianas Privatleben nicht von Gefühlen, von Leben bestimmt ist, sondern von Inszenierung, von Show. Und ebenso wie die Zuschauer von UBS sich dieser Show, dieser virtuell inszenierten Wirklichkeit hingeben, ebenso gibt sich Howard Beale seiner eigenen Inszenierung hin ? bis die Quote sinkt, weil er nur noch in depressiven Stimmungen die Verlorenheit aller Menschen beklagt.
Lumet visualisiert deutlich, worin die Macht des Mediums tatsächlich besteht und welche Auswirkungen dies für die Konsumenten wie für die Insider hat. Er nimmt damit vieles von dem voraus, was sich später tatsächlich (jedenfalls teilweise) ereignen sollte. Das Medium verkauft alles, selbst die Taten derjenigen, die zu erklärten Feinden nicht nur des Mediums, sondern der Gesellschaft selbst gehören. Beale kann im Medium selbst über das Medium herziehen. Ja, noch mehr. Er kann dort über die Finanzierung von CCA durch saudi-arabisches Geld berichten, was zwar Hackett stört, aber nicht den Chef von CCA Jensen. Der hält Beale einen Vortrag über sein Ziele: Das Erreichen von Globalität. In einer Zeit, in der von Globalisierung noch keine Rede war, schreit Jensen es in Lumets Film bereits hinaus: Die neue Macht auf Erden werden die global operierenden Konzerne sein. Und denen ist es egal, was im Fernsehen ?berichtet?, gezeigt wird ? solang es an ihrer Macht nicht kratzt.
Wie eine schleichende Macht überzieht das Medium die Gesellschaft, und aus der Lebenswirklichkeit wird eine mediale Wirklichkeit ? schneller als es manche merken können. Nur Max Schumacher erkennt die enormen Risiken ? und ist dem gegenüber doch machtlos. Die sich abzeichnende (ökonomische) Globalisierung ? das zeigt der Film in Ansätzen bereits deutlich ? korrespondiert mit der Ersetzung der Lebenswirklichkeit und der verschiedenen Lebenswelten durch eine allumfassende mediale Realität. Dass dies so sein muss, liegt in der Logik der Dinge: Wenn eine Strukturierung der Welt durch das Spinnenetz multinationaler Konzerne, die keine Grenzen in jeder Hinsicht kennen, Erfolg haben will, wenn der Ort von Wahrheit und Wahrhaftigkeit sich verschiebt von unabhängigen Wissenschaften und von jedem zugänglichen Diskursen hin zu diesen Unternehmen, dann benötigt es einer Absicherung dieser Macht durch entsprechende Mittel der ?Wahrheitsgestaltung? ? Medien, die zweierlei ?perfekt? zugleich erfüllen: sie bringen Geld und sie bestimmen, was wahr ist und was nicht, was wichtig ist und was nicht usw. Dass dies in Reinform und in dieser Absolutheit nie geschehen ist, ändert nichts daran, dass es in dieser Hinsicht weit gekommen ist.
Es bewahrheitet sich im Film, was Jahre später Pierre Bourdieu in seinen Essays über das Fernsehen ausführte: Jedes Ereignis ? wenn es denn überhaupt quotenverdächtig ist ? wird nicht nur einfach zu einer Nachricht zurecht gestutzt, nein, es wird in einen sensationsheischenden Event verwandelt. Die gekünstelte Show ersetzt die Information, das ?Äußere? ersetzt das ?Innere?, die Form beherrscht den Inhalt. So wie Diana dies bezüglich der ?Ökumenischen Befreiungsfront? einmal deutlich sagt: Was die Gruppe vertrete, sei ihr völlig egal; Hauptsache, die Show mit der Gruppe stimmt. Die Ereignisse, die Tragik des Lebens, aber auch die Freude des Lebens werden ihrer Vitalität entkleidet; es bleibt eine hohle, inhaltsleere Knüller-Mentalität, ein adrenalintreibender scoop, ein kurzzeitiger Event, der nur in stetiger Wiederholung Permanenz garantiert und damit als Surrogat für die Permanenz des wirklichen Lebens wirken kann.
Während in ?Das Millionenspiel? am Schluss Bernhard Lotz gerade noch einmal mit dem Leben davon kommt, ereilt Howard Beale der inszenierte Tod: Weil der Chef von CCA Beale persönlich in dessen Show gut findet und ihn nicht fallen lassen will, entscheiden sich Hackett und Diana dafür, ihn den Medientod sterben zu lassen: Mitglieder der ?Ökumenischen Befreiungsfront? erschießen ihn während einer Nachrichtenshow. Auch das bringt Quote ? und schafft Endgültigkeit. Das virtuelle Leben hat das wirkliche eingeholt. Der Tod Beales ist echt. Oder sind wir auch hier wieder getäuscht worden und alles war Inszenierung? Ich fürchte: nein. Und dieser Akt der Grausamkeit, der Quoten-Grausamkeit ist nur konsequent, was die Logik der Quotenjäger angeht ? so wie Menges Fernsehshow auch.
Neben William Holden glänzen in ?Network? Peter Finch als langsam, aber sicher dem Wahnsinn verfallender Howard Beale, Faye Dunaway als in die inszenierte Welt des Mediums völlig integrierte Diana Christensen und Robert Duvall als skrupelloser Vertreter der CCA.
(1) Pierre Bourdieu: Über das Fernsehen, Frankfurt am Main 1998 (Originalausgabe: Sur la télévision, Paris 1996), S. 39 f.
Der Bauch des Architekten (1987) von Peter Greenaway [Avi] Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,10 GB - 113 Minuten
Info & Review
Der Handlungsverlauf
Stourley Kracklite, weltbekannter amerikanischer Architekt, fährt nach Rom, um dort eine Ausstellung über den französischen Architekten Etienne-Louis Boullée auszurichten (der fast ausschließlich visionäre, nicht zu verwirklichende Entwürfe produzierte, die z.B. anderthalb Jahrhunderte später Albert Speer als Inspiration dienen sollten). Zusammen mit seiner Gattin macht er sich mit der örtlichen kulturindustriellen High Society bekannt. In einer besonders schönen Szene sitzt er mit deren Vertretern abends beisammen, in breiter Stuhlreihe dem Pantheon zugewandt, dem sie gemeinsam als einem Zeugnis für die Vollkommenheit der menschlichen Schöpfungskraft applaudieren, die schon vor zwei Jahrtausenden ein solch makelloses Bauwerk vollendeter Proportionen und Formen geschaffen und somit die Natur übertroffen habe.
Allerdings wird Kracklite seine tiefe Faszination für das Schaffen des Visionärs Boullée bei der besessenen Konzeption der Ausstellung zum Verhängnis. Während seine römischen Kollegen in gegenseitigem Einverständnis das Ganze eher professionell-kaufmännisch betreiben und ihn zunehmend hintergehen und betrügen, entgleitet ihm die Ausstellung. Zugleich ringt er mit immer seltsameren Magenschmerzen und dem nicht unbegründeten Verdacht, dass ein besonders garstiger Mitarbeiter ihm seine Frau ausspanne.
Von den einheimischen Kollegen immer weiter an den Rand gedrängt, versinkt er in seinen künstlerischen und körperlichen Obsessionen mit Boullée und sich selbst. Unheilbarer Magenkrebs wird ihm diagnostiziert. Halb stoisch und in Anerkennung der Ausweglosigkeit, torkelt er seinem Untergang entgegen. Nicht nur seine Frau, auch die Boullée-Ausstellung wurde ihm vollends entwendet. Zu deren Eröffnung stürzt er sich über einem großen Modell von Boullées ?Kenotaph für Sir Isaac Newton? vor die Füße seiner schwangeren Frau in den Tod. In dem Moment setzen bei ihr die Wehen ein.
Einiges für den Regisseur Unübliches
Vieles entspricht hier nicht dem, was man gemeinhin von einem Greenaway-Film erwartet. Vergleichsweise harmlos ist noch der musikalische Bruch. Peter Greenaway und Komponist Michael Nyman trennten sich erst bei ?Prospero?s Books? 1991 im Streit voneinander, aber schon in ?The Belly of an Architect? arbeitet Greenaway nicht mit seinem Stammkomponisten, sondern mit Glenn Branca und Wim Mertens zusammen (wobei letzterer ? ebenfalls zur Clique der Minimalisten von Nyman bis Glass gehörig -, hier durchaus nach Nyman zu klingen weiß).
Auffälliger ist da schon der Ausbruch des Menschlichen gegenüber seinen anderen Filmen: Man könnte leicht einwenden, dass Greenaway sich hier noch am ehesten an jenem allgegenwärtigen konventionell-dramatischen Kino orientiere, das vor allem anderen die Psychologie der Figuren betont. Tatsächlich enthält der Film die einfühlsame Erzählung vom körperlichen und seelischen Verfall eines Mannes, der vom bärenhaften Brian Dennehy auch noch überaus natürlich und eindrucksvoll verkörpert wird. Üblicherweise ist das höchste Gefühl, das man für Greenaways exzentrische, flache Figuren empfindet, distanziertes Mitleid wegen besonders grausiger Schändungen oder Todesarten. Hier hingegen haben wir in Stourley Kracklite einen achtungsgebietenden und komplexen Charakter als Zentrum des Films.
Trotzdem ist ?The Belly of an Architect? kein leicht konsumierbares Arte-Abendprogramm-Kino. Auch wenn die Stärkung des psychologischen Aspekts für Greenaway scheinbar ungewöhnlich massenpublikumsfreundlich ist, steht diesem dennoch die formbetonte, unbekümmert menschenverachtende Welt- und Filmordnung gegenüber, die man von ihm gewohnt ist. Zwischen beidem ergibt sich eine spannende Reibung, in der zugleich jede erlösende Botschaft, Hoffnung oder Befreiung fehlt. Und der ästhetische Genuss, der Zerstörung des Menschen Kracklite zuzusehen, steht möglicherweise nicht nur für den Zuschauer, sondern auch für die Figur Kracklite selbst im Mittelpunkt.
South (1919) von Frank Hurley [Avi] Dokumentation/Abenteuer - DVD-Rip - Stumm - 719 MB - 80 Minuten
Info & Review
Glorreiches Scheitern - Ein einzigartiges Filmdokument aus dem heroischen Zeitalter der Polarforschung: Nachdem Amundsen 1911 den Südpol erobert hatte, suchte sich der britische Polarfoscher Sir Ernest Shackleton eine neue Herausforderung: die komplette Durchquerung der Antarktis über den Südpol. Am 1. August 1914, kurz vor der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland, sticht sein Schiff, die ?Endurance? (Durchhaltevermögen), mit 27 Männern und Shackleton als Expeditionsleiter in See.
Mit an Bord: Kameramann Frank Hurley, der den Expeditionsalltag filmisch dokumentiert: den täglichen Kampf gegen das Packeis - und dann, wie die ?Endurance? monatelang abdriftet und schließlich zerquetscht zu sinken beginnt, noch bevor der Südpol erreicht ist. Ein dramatischer Kampf ums Überleben nimmt seinen Lauf. Und endet erst am 30. August 1916 als dank Shackletons unermüdlichem Einsatz alle Mannschaftsmitglieder gerettet werden. Einige von ihnen müssen allerdings kurz darauf an der Front ihr Leben lassen.
Auf dieser DVD findet sich die restaurierte Fassung des Films, die vom National Film and Television Archive in London aus einer Vielzahl von Materialien rekonstruiert wurde. Das NFTVA hat eine eigens kolorierte und viragierte, auf das Ausgangsmaterial abgestimmte Fassung erstellt. Als ansehnliches und farbenprächtiges Zeugnis kann nun eines der bemerkenswertesten Kapitel der Expeditionsgeschichte der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.
Shuffle hämmert sich von Anfang an bis Ende hinter die Schläfen des Betrachters, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Thriller bricht, ganz gemäß Ishiis Devise, die üblichen Konventionen des Genres und entfaltet ein Tranceartiges Eigenleben. Der ein oder andere sollte vorab eine Packung Aspirin bereithalten. :p
Technische Details
Allgemein #0
Format : AVI
Format/Info : Audio Video Interleave
Format/Family : RIFF
Dateigröße : 350 MiB
Spielzeit : 32min
Bitrate : 1481 Kbps
Verwendetes Programm : VirtualDubMod 1.5.4.1 (build 2178/release)
verwendete Encoder-B : VirtualDubMod build 2178/release
IAS1 : Japanese
Vier deutsche Klassiker aus den 20er und 30er Jahren:
1. Der Berg ruft 1938 mit Luis Trenker
Inhalt:
Dieses mitreißende Hochgebirgsdrama zeigt Luis Trenker in einer seiner berühmtesten Rollen: als italienischen Bergführer Tonio Carrel.
Im Mittelpunkt des Films steht der authentische Konkurrenzkampf zweier Seilschaften um die Erstbesteigung des Matterhorns. Durch eine Intrige gelingt es einer Gruppe unter der Führung des Engländers Whymper als Erste den Gipfel zu erreichen.
Der geschlagenen Italiener Carrel kehrt daraufhin wenige Meter vor dem Ziel enttäuscht um. Beim Abstieg ins Tal geschieht dann das Unglück. Drei der siegreichen Bergsteiger stürzen in den Tod und Whymper wird verdächtigt, das verbindende Seil
durchschnitten zu haben, um sein eigenes Leben zu retten. Es kommt zu einer dramatischen Gerichtsverhandlung. Whympers Lage scheint aussichtslos. Einzig das gerissene Seil könnte seine Unschuld beweisen. Doch dieses Seil bleibt scheinbar unauffindbar am Matterhorn zurück...
2. SOS Eisberg 1933 mit Leni Riefenstahl - Ernst Udet
Inhalt:
Johannes Brand geht mit einer vierköpfigen Expedition nach Grönland, um seinen verschollenen Kollegen Karl Lorenz zu suchen. An einem Gletscher finden sie Lorenz' Tagebuch, folgen seinem Weg und werden von der Flut aufs offene Meer getrieben.
Auf einer Eisscholle entdecken sie Lorenz lebend, senden Funksignale. Lorenz' Frau Hella fliegt nach Norden, kann sich nach einer Bruchlandung zu den Männern retten, die kurz vor dem Erfrieren und Verhungern stehen. Die Männer kommen um,
das Ehepaar Lorenz wird von Meisterflieger Ernst Udet gerettet.
3. Die weisse Hölle von Piz Palü 1929 - Luis Trenker - Leni Riefenstahl
Inhalt:
Ein junges Paar, das einen Winterurlaub in den Dolomiten verbringt, folgt einem von Todessehnsucht getriebenen Mann in die Nordwand des Piz Pallü. Dort kam vor zehn Jahren dessen Frau ums Leben. Seitdem geht er, von Schuldgefühlen gepeinigt, ruhelos über
4. Der heilige Berg 1926 - Luis Trenker - Leni Riefenstahl
Inhalt:
Diotima ist eine leidenschaftliche Tänzerin: Am Ufer des Meeres bewegt sie sich im Rhythmus der Wellen und spürt mit ihrem Körper der Energie der tosenden Gischt nach. Sehnsüchtig nach neuen Eindrücken macht sie sich in die Berge auf,
wo sie in einem Winterkurort zwei Freunden begegnet, die sich beide von Diotimas Tanz bezaubern lassen. Während Karl, der ältere der zwei Männer ?seinen? Berg besteigt, um seiner Gefühle Herr zu werden, bleibt der jüngere
Vigo in Diotimas Nähe. Als diese wenig später Karl bei einem Spaziergang trifft, kommen die beiden ins Gespräch und stellen inmitten einer wunderschönen Berglandschaft fest, dass sie an diesem Ort nicht nur sich selbst und die Schönheit
der Natur suchen, sondern auch die Liebe - die alsbald zwischen ihnen erwacht.
Doch als Vigo sich zu einem Skirennen aufmacht, verspricht Diotima auch ihm bei einem Sieg die Erfüllung eines Wunsches. Karl, der nicht ahnt, dass Vigo sein Konkurrent um Diotima ist, beschließt, den höchsten Berg der Gegend über die
gefährliche Nordwand zu besteigen. Als er Vigo auf seine gewagte Tour mitnimmt, muss er erkennen, dass gerade dieser sein Rivale in Sachen Liebe ist. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Freunden, die mit Vigos
Sturz in den Abgrund endet - allerdings gesichert am Seil seines Kameraden. Dieser steht trotz Sturm und eisiger Kälte über der Schlucht und hält die ganze Nacht das Seil fest, an dem Vigo über der tödlichen Leere hängt. Diotima, die
derweil vor Sorge fast umkommt, überwindet Schnee, Eis und Gefahr, um Hilfe für ihre beiden Verehrer zu schicken. Doch als die Retter nahen, verlassen Karl die Kräfte?
Es ist morgen. Ramón (Javier Bardem) wacht auf und verlässt sein Bett. Er schiebt es auf die Seite, weg vom Fenster, nimmt Anlauf und springt. Ramón fliegt. Er fliegt über die kleine Farm seines Bruders und die galizischen Flüsse. Er fliegt. Auf und ab, über Täler und Hügel, hinaus aufs Meer. Sein geliebtes Meer. Doch dann wacht Ramón auf. Alles ist nur ein Traum. Er liegt im Bett. Unfähig sich zu bewegen. Seit einem Unfall vor 27 Jahren ist er querschnittsgelähmt. Und seitdem hat er nur einen einzigen Wunsch: Sterben! Einfach nur in Frieden sterben und nicht zu einem Leben gezwungen werden, das ihm nicht lebenswert erscheint. Doch dafür benötigt er Hilfe. Hilfe, die ihm niemand gewähren möchte, die ihm per Gesetz niemand gewähren darf?
Der gebürtige Chilene Alejandro Amenábar ist, obwohl gerade erst 32 Jahre alt, die ganz große Nummer im spanischen Kino. Zu verdanken hat er dies dem seltenen Talent, dass er ein ebenso fähiger Regisseur wie Autor ist. Sein herausragendes Werk in den 90er Jahren war ganz ohne Zweifel ?Abre los ojos? (?Open Your Eyes?). Auf diesen Film wurde auch Hollywood aufmerksam und es folgte das Remake ?Vanilla Sky? von Cameron Crowe mit Tom Cruise und seiner damaligen Lebensgefährtin Penélope Cruz in den Hauptrollen. Bei den Dreharbeiten lernte Cruise Amenábar, der oft als Berater vor Ort am Set war, kennen und vor allem schätzen. Also zückte er eben schnell seinen üppig gefüllten Geldbeutel und fungierte als Produzent bei ?The Others?. Amenábars erster englischsprachiger Film mit Nicole Kidman in der Hauptrolle entwickelte sich zu einem vollen Erfolg und spielte weltweit über 200 Millionen Dollar ein. Doch danach wurde es drei Jahre lang ruhig um Amenábar.
?Das Meer in mir? nahm erstmals konkrete Form an, als Amenábar das 1996 veröffentlichte autobiographische Werk ?Cartas desde el infierno? (?Briefe aus der Hölle?) in die Hände fiel und er dadurch auf die wahre Geschichte des Ramón Sampedro aufmerksam wurde. Als Amenábar den Produzenten Fernando Bovaira mit seinem Vorhaben konfrontierte, einen Film über Ramón Sampedro drehen zu wollen, kippte dieser erst einmal aus seinen Latschen. Das Thema geplanter Suizid ist reiner Zündstoff und hätte dem gesamten Team auch mit Anlauf in die Fresse fliegen können. Doch je mehr sich Amenábar und Bovaira mit Ramón Sampedro und seinem Leben beschäftigten, desto sicherer waren sie sich, dass diese Geschichte ? so brisant und heikel sie auch ist ? einfach erzählt werden muss.
Der wohl größte Stolperstein bei ?Das Meer in mir? wäre gewesen, wenn sich eine generelle Botschaft wie ?mit einer Querschnittslähmung ist das Leben nicht mehr lebenswert? hinein interpretieren ließe. Vom Autor Amenábar war also jede Menge Fingerspitzengefühl gefragt, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, von diversen Interessensverbänden gesteinigt zu werden. Ein gefährlicher Drahtseilakt. Einerseits dem Publikum begreifbar machen, warum ein Mann unbedingt sterben möchte, andererseits aber auch jedwedes pauschale Urteil vermeiden. Durch einige Tricks gelingt Amenábar diese Gratwanderung auf Messers Schneide. Ganz offensichtlich wird dieses Bemühen, wenn er Ramón immer wieder feststellen lässt, dass er es verstehe, wenn sich andere an seiner Stelle anders verhalten würden, die Menschen seine eigene, ganz persönliche Entscheidung aber respektieren sollen. Es gibt aber auch subtilere Szenen. Dazu zählt beispielsweise Ramóns ?Konfrontation? mit dem katholischen Geistlichen Pater Francisco (José Pou), zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch haben beide in ihren Ansichten irgendwo recht?
Auch wenn ?Das Meer in mir? ein im Grunde biographischer Film ist, beschränkt sich Amenábar nicht auf eine stoische Nacherzählung der Geschehnisse. Um dem Leben von Ramón Sampedro in lediglich 125 Leinwandminuten gerecht zu werden, waren aus dramaturgischen Gründen einige Kompromisse notwendig. Die juristischen Auseinandersetzungen werden nur am Rand angeschnitten. Diese im Detail aufzurollen, wäre für den Zuschauer ermüdend gewesen. Mit der Chronologie der Ereignisse nimmt es Amenábar ebenfalls nicht all zu genau. Der Film beschränkt sich im Grunde auf das letzte Jahr im Leben von Ramón Sampedro. Alles, was davor geschah, wird in Rückblenden und Erzählungen abgehandelt. Und auch bei den Figuren gab es hier und da leichte Variationen. Den Charakter der Julia (gespielt von einer starken Belén Rueda) hat es in dieser Form nie gegeben. In ihr werden vielmehr diverse real existierende Freunde Ramóns vereint.
Dass der Film letzten Endes so funktioniert, wie er es nun mal tut, ist jedoch einzig und allein der Verdienst eines Mannes: Hauptdarsteller Javier Bardem (?Perdita Durango?, ?Before Night Falls?, ?Der Obrist und die Tänzerin?). Was er in ?Das Meer in mir? leistet, stellt all die singenden, weintrinkenden Lufteroberer dieser Tage in den Schatten. Es mag zunächst befremdlich wirken, einen attraktiven Schauspieler in den Dreißigern für die Rolle eine querschnittsgelähmten 50-Jährigen zu besetzen, doch dieses kalkulierte Risiko ging voll auf. Was Bardem hier leistet, ist schlicht eine Offenbarung. Nahezu einen ganzen Film über in einem Bett liegen. Sich nicht bewegen dürfen. Keine Körpersprache, keine Gesten. Die Gefühle nur mit Hilfe der Mimik zum Publikum transportieren. Das stellt selbst die besten Darsteller vor eine große Hürde. Bardem ist die Seele des Films. Mit ihm steht und fällt das ganze Gebilde. Würde er seinen Ramón nicht gleichermaßen herzensgut wie gebrochen darstellen, wäre ?Das Meer in mir? wohl allenfalls die Hälfe wert. Dass er mit dieser Glanzleistung lediglich bei den europäischen Filmpreisen beachtet wird, ist eine Schande sondergleichen?
Um es auf den Punkt zu bringen: ?Das Meer in mir? ist kein einfacher Film. Im Gegenteil. Spätestens wenn das qualvolle, schonungslose Ende gekommen ist, stellt sich der Zuschauer diverse Fragen und rutscht dabei immer tiefer in den Sessel. Fragen der unangenehmen Sorte. Fragen, die sich nicht in Kategorien wie richtig und falsch beantworten lassen. Dadurch ist ?Das Meer in mir? aber auch kein Film für Jedermann. Wer sich im Kino gerne unterhalten lassen möchte, ist hier definitiv falsch. Zwar darf auch bei ?Das Meer in mir? durchaus gelacht werden ? insbesondere in den Szenen zwischen Ramón und seinem Neffen Javi (Tamar Novas) ? doch im Grunde ist der Film eine Geschichte über Menschen, die vom Leben in eine außergewöhnliche Situation gebracht wurden. Poetisch und tragisch. Ein Film über Liebe, Leben und den Tod.
Jungle Fever (1991) von Spike Lee [Avi] Drama/Liebe/Romantik - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,22 GB - 126 Minuten
Info & Review
She?s gone black-boy crazy, I?ve gone white-girl hazy
Ain?t no thinking maybe, we?re in love.
She?s got jungle fever, I?ve got jungle fever
We?ve got jungle fever, we?re in love
I?ve gone white-girl crazy, she?s gone black-boy hazy
We?re each other?s baby, we?re in love. (Stevie Wonder)
Die Titelsequenz von ?Jungle Fever? ist im Grunde ein mehrschichtiger kleiner Film im Film, der Themen und Tonart des folgenden main features vorwegnimmt. Insofern macht es Sinn, sie eingehender zu betrachten: Da ist zunächst eine dokumentarische Ebene, die beliebige Passanten in einem New Yorker Wohnviertel zeigt ? die ?reale? Ausgangssituation. Und da ist eine zweite, artifizielle Ebene, die diese überlagert: Auf Straßenschildern, die einkopiert ins Bild ragen, sind die Titelcredits zu lesen. Dieser Kunstgriff, den Jacques Tati bereits in ?Mon Oncle? (1958) anwandte, verweist hier wie dort augenzwinkernd auf die Regelbesessenheit der modernen Gesellschaft, auf den ?Dschungel? von Gesetzen, Codes und Normen, die das Zusammenleben in einer Großstadt bestimmen. Naturgemäß sind die meisten Schilder einschränkender Natur: Parkverbotsschilder, Geschwindigkeitsregulierungen oder das ?One Way?-Schild, das unter dem Namen von Regisseur Spike Lee angebracht ist.
Diese doppelte visuelle Schicht ist wiederum unterfüttert von einer akustischen: Stevie Wonders euphorisierend-souliger Titelsong Jungle Fever nimmt die Grundzüge der Spielfilmhandlung vorweg. Mit einem Unterschied: In Einklang mit der Dur-Tonart ist in seinem Text von einer romantischen Liebe die Rede, die sich den Ressentiments einer bornierten Umwelt stellt. ?We?re each others baby, we?re in love. (?) For color blind are inner feelings, if we feel happiness.? Die filmische Erzählung wird allerdings im Folgenden mit der Beziehung ihrer Protagonisten sehr viel pragmatischer verfahren.
The story runs like this: Flipper Purify, Sohn eines radikalen Baptistenpredigers, hat mit Mitte Dreißig einiges erreicht. Er ist Architekt, lebt mit seiner Frau Drew (Lonette McKee), Einkäuferin des Nobelkaufhauses Bloomingdales, und der zehnjährigen Tochter Ming (Veronica Timbers) in einem jener brownstone-houses, im District Striver?s Row/Harlem, die von der aufstrebenden neuen black middleclass bevorzugt werden. Flippers Lebenswelt ist zweigeteilt: So ausschließlich ?schwarz? seine Wohngegend, so ausschließlich ?weiß? ist sein Arbeitsplatz. Im florierenden, hippen Downtown-Architekturbüro, das er mit aufgebaut hat, ist er nach wie vor die einzige coloured person. Brownstone gegen white walls: Es grenzt an visuelle Polemik, wenn Lee die Büroräume zusätzlich in blendendem Weiß erstrahlen lässt. Passend dazu die Chefs, von Tim Roth und Brad Dourif hemdsärmelig und mit Larry-King-Hosenträgern als Karikaturen des weißen Machismo dargestellt, die ihren Kollegen konsequent desavouieren. Seine Bitte nach einer afroamerikanischen Sekretärin wird ebenso ignoriert wie sein (berechtigtes) Ansuchen um Firmenbeteiligung.
Klare Ausgangfronten also, zwischen denen sich die erotische Beziehung zwischen Flipper, dem Afro-Amerikaner, und Angela (Annabella Sciorra), der Italo-Amerikanerin, anbahnen wird. Sie ist die Zeitarbeiterin, die ihm von den Chefs als Sekretärin oktroyiert wird, jene Frau also, deren Hauptmerkmal von Beginn an als ein Mangel an schwarzer Hautfarbe definiert ist. Dennoch, auf emotionaler Ebene korrespondiert sie mit dem Afroamerikaner. Ihr Kleid leuchtet bei der ersten Begegnung ebenso rot wie Hose und Hosenträger des Mannes. Rot wie die Liebe, allerdings auch warnend rot, wie die Stoppschilder des Vorspanns oder wie die Ampel, die am Morgen nach der ersten impulsiven Liebesbegegnung in Flippers Bildvordergrund ?Don?t Walk? blinken wird.
Diese übermächtigen Farben und Zeichen, von denen Lees Film besessen ist, werden letztlich Recht behalten. Die Verbindung zwischen Schwarz und Weiß hat in ?Jungle Fever? keine Zukunft. Sie bleibt, wie der Titel schon andeutet, ein vorübergehender Rausch- und Ausnahmezustand. Am Ende des Films wird der Mann zu Frau und Tochter nach Harlem zurückkehren, die Frau zum Vater und den Brüdern in den von italienischstämmigen Immigranten bevorzugten Stadtteil Bensonhurst. Das, was Gilles Deleuze ?Die große Form des Aktionsbildes? nennt, ist somit erfüllt. Eine Ausgangssituation (S) gerät durch das Wirken verschiedener Kräfte aus den Fugen und wird im Zuge der Aktion (A) in eine neue, stabile Situation (S?) überführt.
Im klassischen Liebesfilm hieße das S-A-S?-Schema Alleinsein ? Liebenlernen ? Heiraten. Bei ?Jungle Fever? lautet es dagegen völlig konträr: Im Milieu sein ? den Ausbruch proben ? ins Milieu zurückkehren. Es gilt hier also nicht Hindernisse zu überwinden, um die Liebe zu erfüllen, sondern die Liebe als Hindernis zu überwinden, um die Harmonie des Milieus wieder herzustellen.
Wären da nicht die vielen kleinen Widersprüche und Irritationen, man müsste Lees Film eine konservative Botschaft unterstellen, letztlich sogar die Forderung nach Rassentrennung. Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Werden doch die Milieus, jedes für sich ? Harlem, wo zwischen Wohlstand, Crack und Prostitution nur ein paar Schritte liegen, aber auch Bensonhurst mit seinem antiquiert-katholischen Wertfundament ? als pathogen dargestellt. Was bedeutet es also, sich die Liebe zu versagen, um in ein krankes Milieu zurückzukehren?
Auch, wenn es zunächst so scheint: ?Jungle Fever? gibt keine Antworten. Vielmehr kollidieren in Lees Film realitätsgeerdete Milieubeobachtungen mit Stereotypen, normierte Ansichten, die sich wie ewige Gesetze in den Vordergrund drängen mit einem ?hollywoodesken? Anspruch, eine Liebesgeschichte zu erzählen, der irgendwo unterwegs links liegen gelassen wird. So kommt Ebene auf Ebene zu liegen, doch sie wollen nicht recht zueinander passen, ganz so, wie es der Vorspann zeigt. Was aus dieser Kollision entstanden ist, ist ein Film, der in der Tonart schwankt, in der Erzählung zerrissen ist und vieldeutig bleibt in seiner letzten Aussage.
VHSRip - Sorry für die schlechte Quali - Vielleicht kriege ich es irgendwann mal besser hin?
Nach einer Erzählung von Gabriel García Márquez
Regisseur: Fernando Birri
Darsteller: Asdrubal Melendez als Pelayo, Luis Alberto Ramirez als Gonzaga, Fernando Birri als Der alte Mann, Adolfo Llauradó als Lucky, der Karibe, Daisy Granados als Elisenda
Kuba/ Italien/ Spanien 1988
Genre: Drama
Videoinfo:
Dateigröße : 700 Mb.
[Film]
Gültig : Ja [AVI]
Dauer : 01:23:16
Film vollständig : Ja
Henry V (1989) von Kenneth Branagh [Avi] Historienfilm/Krieg/Drama - DVD-Rip - Deutsch/Englisch - 1,32 GB - 131 Minuten
Info & Review
Als seine alten Rechte auf Ländereien in Frankreich bei dessen König auf völlige Missachtung und sogar Beleidigung bezüglich seines Alters stoßen, macht sich Henry V., König von England, beraten von gierigen Kirchenvertretern, auf, um den Besitz mit Gewalt einzufordern. Er erklärt dem französischen König den Krieg, und setzt auf das Festland über, wo er anfängt, die Burgen einzunehmen. Durch die Schlacht, schlechten Nachschub an Verpflegung und furchtbare Wetterverhältnisse, die auch für Krankheit sorgen, lichten sich die Reihen seiner Streitkräfte. Um neue Kräfte zu sammeln will er sich nach Calais durchschlagen, und dort alle weiteren strategischen Pläne schmieden. Doch auf dem Weg dorthin, auf einem Feld bei Azincourt, stellt sich ihm eine riesige französische Armee in den Weg, und es bleibt kein anderer Ausweg als die Konfrontation. Mit seinem kampftechnischen Geschick und vor allem der Gabe seine Mannen mit riesigem Kampfgeist zu beseelen, geht er in die Schlacht gegen einen übermächtigen Gegner...
Meinung:
Anders als die Adaption von Laurence Olivier von 1945 setzt das Multitalent Kenneth Branagh nicht auf pathetischen Grundtenor und Rührseligkeit. Ihm ist es viel wichtiger neben einer werkgetreuen Umsetzung des Stoffes von William Shakespeare auch noch ein klares Plädoyer gegen Aggression und Gewalt auszuführen. Seine Gedanken zu Ehre, Krieg und Verrat sind dabei nicht nur angeschnitten, sondern ? trotz oder gerade wegen der adäquaten Umsetzung ? integraler Bestanteil der Handlung. Selbst die für heutige Rezipienten recht hochgestochene Sprechweise rückt schnell in den Hintergrund und wird nach kurzer Zeit die die absolut dichte Inszenierung nicht mehr wahrgenommen. Auch die schauspielerische Leistung von Branagh ist äußerst beachtlich, zumal er ?nebenbei? ja auch noch Regie geführt hat, und für das Drehbuch verantwortlich war. Die Starriege der Schauspieler ist ebenfalls erstaunlich, und vor allem Ian Holm liefert eine eindrucksvolle schauspielerische Leistung. Seine Kollegen wie Emma Thompson, Robbie Coltrane und Judi Dench runden die erstaunliche Darstellerriege äußerst gut ab. Angesichts eines solchen Staraufgebots ist es umso verwunderlicher, dass sich unter der Riege der Geldgeber kein Global Player der Filmindustrie, sondern die britische BBC findet, die ja eher für Fernsehmaterial in der mittleren Preisregion bekannt ist. Allerdings erkennt man auch manchmal wenige Mittel, denn mit wenigen Männern eine riesige Schlacht darzustellen funktioniert eben nicht immer. Von solchen Kleinigkeiten abgesehen sucht dieses epochale Werk mit passenden Kostümen Seinesgleichen, zumal auch Kleinigkeiten wie der einleitende Prolog vom vermeintlichen Autor, zu begeistern wissen. Das Tüpfelchen auf dem ?i? ist der teils harmonisch unterstützende, in Schlachten aufbrausende Score von Patrick Doyle, der sehr gute Arbeit abgeliefert hat.