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Escher - MDR - vom 10.07.2008
laut MDR seite folgende infos zu der info-sendung:
Nachbarschaftsstreit
Bereits Wilhelm Tell wusste: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." Die Zahl der Nachbarschaftsstreitigkeiten nimmt von Jahr zu Jahr zu. In Deutschland gehören sie inzwischen zu den häufigsten Anlässen, vor Gericht zu ziehen.
Wenn der Nachbar zur Plage wird, hilft ein Schlichter.
Jahr für Jahr müssen die Richter in mehr als 400.000 Fällen entscheiden ? Tendenz steigend. Bei den Amtsgerichten ist inzwischen jeder zehnte Fall ein Nachbarschaftskonflikt. Laut Experte Wolfgang Büser geht es bei den Streitfällen "am häufigsten um Lärmbelästigungen, dicht gefolgt von Bepflanzungen in Nähe der Grundstücksgrenze".
Dabei treiben manche Nachbarstreitigkeiten seltsame Blüten und häufig ist es für Außenstehende nur noch schwer nachvollziehbar, worum der Streit überhaupt geht. Nicht selten können selbst die Betroffenen kaum noch schlüssig erklären, was sie eigentlich wollen. Manche Streitfälle entwickeln eine groteske Eigendynamik, bei der die Streithähne unversöhnlich auf ihrer Position beharren. Dabei ist eine außergerichtliche Lösung immer der bessere Weg, um den Konflikt friedlich beizulegen. Häufig können neutrale Vermittler dazu beitragen, dass die Nachbarn sich wieder die Hand reichen. Bevor der Gang vor Gericht beschritten wird, sollten daher zunächst ein Mediator oder eine Schiedsstelle eingeschaltet werden.
Die Fälle aus der Sendung
Streit in Jeßnitz (Sachsen-Anhalt)
In dem kleine Ort Jeßnitz hängt in der beschaulichen Dessauer Straße der Haussegen schief. Familie K. und Diana L. haben seit über zwei Jahren erhebliche Probleme mit ihrem Nachbarn Hartmut B. Stein des Anstoßes ist, dass Hartmut B. sein Grundstück verwahrlosen lässt und unkontrolliert alles sammelt, was ihm in die Hände fällt. Die Nachbarn empfinden diesen Anblick als unzumutbar, außerdem gibt es eine unangenehme Geruchsbelästigung.
Eine Lösung des Problems ist zunächst nicht in Sicht. Bereits im Januar 2007 haben wir in unserer Sendung über diesen katastrophalen Zustand berichtet. Heute, eineinhalb Jahre später, wohnt Hartmut B. nicht mehr in seinem Haus. Dennoch sind die Probleme nicht gelöst, das Grundstück ist nach wie vor vermüllt und wird von den Anwohnern als Zumutung empfunden. Herr B. wohnt inzwischen im "Betreuten Wohnen" und kann sich selbst nicht mehr um sein Grundstück kümmern. Bei einem Ortstermin treffen wir auf den Betreuer von Hartmut B., der eine Besserung des Zustandes in Aussicht stellt.
Streit um eine Lärche
Peter E. aus Zwickau liegt bereits seit über sechs Jahren mit seiner Nachbarin Bärbel G. im Streit. Eine Versöhnung ist nicht in Sicht, geredet wird nur noch über die Anwälte. Objekt des Streites ist eine 50 Jahre alte Lärche, die zu einem Drittel auf dem Grundstück von Frau G. steht. Laut Gutachten gilt die Lärche als "Grenzbaum". Frau G. verlangt die Fällung der Lärche, ihr Nachbar stimmt dem jedoch nicht zu, worauf sie ihn verklagt. Zu Recht, entscheidet das Amtsgericht, denn laut Bürgerlichem Gesetzbuch reicht es, wenn eine Partei die Fällung des Baumes fordert. Der Rentner ist verzweifelt und kann das Urteil nicht nachvollziehen, denn der Baum ist kerngesund und für ihn ein schöner Anblick. Für Peter E. bleibt nur der schwache Trost, dass Bärbel G. die Kosten der Fällung übernehmen muss.
Streit in Hirzbach (Thüringen)
Im idyllischen Hirzbach in Thüringen ist nach vielen Jahren heftigen Streits vorläufige Ruhe eingekehrt. Entbrannt ist der Konflikt bereits Anfang der 90er-Jahre. Die zunächst befreundeten Familien W. und K. gerieten in einen heftigen Streit um eine Grenzbepflanzung, der in wüsten Beleidigungen und Handgreiflichkeiten gipfelte. Das gesamte Dorf nahm regen Anteil und blieb nicht unbeteiligt an den Zwistigkeiten. Erst als es zur Entrüstung von Familie W. zur Verurteilung beider Streitparteien kommt, kehrt in dem Dorf wieder Ruhe ein, die hoffentlich länger Bestand hat.
Streit in Schönwalde bei Berlin
In Schönwalde machen sich Harald K. und der aus Berlin zugezogene Horst R. bereits seit 13 Jahren das Leben gegenseitig schwer. Die Taubenzucht von Horst R. löste den Streit aus, doch inzwischen ist dieser Anlass schon fast vergessen. Beide Seiten bekämpfen sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Im Garten stehen Galgen und Schilder, auf denen vor dem bösen Nachbarn gewarnt wird. Tote Tiere im Briefkasten, Sachbeschädigung und sogar Körperverletzung gehören zum Alltag der Streithähne. Es besteht kaum eine Aussicht auf eine friedliche Beilegung des Konflikts und für Außenstehende drängt sich der Eindruck auf, dass sich der Streit für Harald K. und Horst R. inzwischen fast zu einer Lebensaufgabe entwickelt hat. Auch vor Gericht werden die Streitigkeiten mit unvermittelter Härte ausgetragen. Und so sind es lediglich die Anwälte der beiden Streithähne, die aus dieser verfahrenen Situation noch einen Nutzen ziehen.
Dackelstreit in Görlitz
Görlitz in der Oberlausitz. Eine Siedlung mit Eigentumswohnungen in ruhiger Lage. Doch wirklich geräuscharm geht es hier nicht zu: Tägliches Hundegebell von gleich fünf Dackeln treibt die Bewohner auf die Barrikaden. Familie S. liegt deshalb schon seit rund sechs Jahren im Streit mit ihren Nachbarn. Diese werfen der Familie Lärmbelästigung vor, stören sich aber auch an den ausbleibenden Zahlungen für Verwaltung oder Betriebskosten an die Eigentümergemeinschaft. Vor allem Barbara M., die direkt über Familie S. wohnt, leidet unter dem dauernden Unfrieden. Eine Einigung scheint bisher nicht in Sicht. |