Der Tramp und der Diktator - Charlie Chaplins Abrechnung mit Hitler
Als Viktoria Chaplin wieder einmal im Nachlass ihres Vaters Charlie stöberte, fand sie per Zufall einige halbverrostete Filmbüchsen. Ein Koffer von Chaplins Bruder Sydney war in einem Kellerraum der Schweizer Villa des Starkomikers jahrzehntelang ungeöffnet geblieben. Auf den 16mm-Filmstreifen fand sich ein einzigartiges Dokument: Sydney Chaplin hatte 1939 die Dreharbeiten zum 'Grossen Diktator' mit seiner Amateurkamera begleitet - und er drehte in Farbe. Doch Victoria vergass den ungewöhnlichen Fund. Erst viele Jahre später erinnerte sie sich wieder des Filmes - anlässlich der Präsentation eines Buches über ihren Vater. Das erstaunlich gut erhaltene Filmmaterial wirft ein Schlaglicht auf eines der ergeizigsten Projekte Chaplins: seine Abrechnung mit dem Naziregime Adolf Hitlers. Mit satirischem Genie hatte er den "Führer" nicht nur der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern viel mehr das brutale Wesen des Diktators entlarvt. Nicht zuletzt Chaplins Spiel mit der Weltkugel, die unter den gierigen Blicken des Diktators zerplatzt, ist in die Filmgeschichte eingegangen. Spiegel-TV-Autor Michael Kloft hat in Zusammenarbeit mit dem britischen Filmhistoriker Kevin Brownlow eine Dokumentation erarbeitet, die kein klassisches 'Making of...' ist, sondern eine filmische Auseinandersetzung mit zwei der einflussreichsten Männer des 20. Jahrhunderts. Beide haben auf ihre Weise das Bild der vergangenen Epoche geprägt, und doch waren die zwei so unterschiedlichen Leben auf erstaunliche Weise miteinander verknüpft.