Hy Leute.
Ich bin neu hier, wie man sieht, und schreibe einen voraussichtlich großen Post zusammen, weil mir einiges am Freenet Projekt liegt. Ich möchte hier nicht direkt Werbung für das Freenet machen. Zumal ich nicht zum Freenet-Entwicklerteam gehöre und das Projekt ohnehin nicht kommerziell ist, ich also zumindest finanziell nix davon hätte hier Werbung zu machen. Auch kein Prestige. Mich kennt eh niemand.

Nein, ich finde das System mit dem das Freenet arbeitet nur sehr viel versprechend und will daher mal etwas darüber informieren und vielleicht sogar sensibilisieren.
Nun gut. Ich leg' mal los.

Zunächst die Wikipediaseite zum Freenet Projekt:
Das ist nun eine Menge trockener und technischer Blahblah, daher fass ichs nochmal "kurz" zusammen und lass dabei die Details weg.
Das Freenet ist ein Programm, bzw. Netzwerk, welches dezentral, zensurresistent, überschussbasiert und hoffentlich
anonym ist.
Das Ganze funktioniert grob beschrieben so, dass jeder Freenet-Nutzer einen Node (also das Freenet-Programm selbst) auf seinem Rechner laufen hat. Jeder Freenet-Nutzer verbindet sich zu mehreren anderen Freenet-Nutzern (idealerweise >15) und ist in diesem Netzwerk gleichberechtigt. Es gibt keine Admins, keine Moderatoren, keine VIP-Nutzer, keine zentralen Server, nur Nodes.
Jeder Freenet-Node stellt einen sogenannten Storage in variabler Größe. In diesem Storage werden Daten, die jemand in das Freenet lädt zwischengespeichert.
Wenn ich, als Freenet-Nutzer etwas in das Freenet hochlade, auch "insert" genannt, zerhackt mein Node die Datei ich mehrere kleine Stücke (auch Chunks genannt), verschlüsselt diese und schickt sie, über verschlüsselte Verbindungen, an mehrere Nodes zu denen man verbunden ist.
Diese leiten sie ihrerseits an einen oder mehrere Nodes weiter, oder lassen sie auch, zufallsbedingt, gelegentlich fallen. Nach etwa 10 (glaub ich, können aber auch 15 oder 20 gewesen sein) Weiterleitungen über irgendwelche Nodes, werden die nach wie vor verschlüsselten, Chunks in den Storages mehrerer Nodes redundant (also die selben Chunks werden mehrfach) abgelegt.
Der Node-Betreiber, bei dem der Chunk gespeichert wurde, weiß nicht was in dem Chunk steckt, das in seinem Storage gelandet ist, weil er nicht den Key hat. Löscht der Nodebetreiber, in einem Zensurversuch einzelne oder alle Chunks in seinem Storage, sind diese ja noch redundant in anderen Storages hinterlegt, von welchen aus sie sich immer weiter verbreiten, je nachdem wie oft die Chunks abgerufen werden, auf diese Weise das Freenet durchkreuzen und dabei wiederum bei neuen Nodestorages liegen bleiben. Dadurch werden sehr beliebte Dateien leichter und schneller downloadbar. Dateien die kaum runtergeladen werden fallen nach einigen Monaten automatisch aus den Storages des Freenets.
Dadurch dass die Dateien (bzw. Chunks) verschlüsselt über mehrere Nodes geleitet werden (wobei die jeweiligen Verbindungen ihrerseits nochmal verschlüsselt sind), lässt sich am Ende nicht zurückverfolgen, wer ursprünglich eine Datei in das Freenet eingefügt hat. Selbst wenn man den Weg eines Chunks bis zu dem ursprünglichen Node zurückverfolgen könnte (was bereits sehr sehr unwahrscheinlich ist), kann der Betreiber des Nodes jederzeit glaubhaft behaupten sein Node selbst hätte den Chunk nur weitergeleitet. Und dem Node-Betreiber vorwerfen, dass er den Inhalt des Chunks hätte kontrollieren müssen, kann man auch nicht, denn der Chunk ist ja verschlüsselt.
Nun der andere Weg und zwar das downloaden.
Wenn man eine Datei in das Freenet eingefügt hat, erhält man einen Schlüssel, also einen Key. Das ist der Schlüssel um die Chunks zu entschlüsseln und Referenz, bzw. "Link" mit dem sich die Chunks im Freenet finden und abrufen lassen zugleich.
Ruft der downloadende Freenet-Nutzer einen Key über seinen Node ab, schickt der Node, natürlich wieder verschlüsselt, den Request über mehrere Nodes, bis die letzte Verschlüsselungsschale abgeschält ist und die Suche nach den Chunks in mehreren Nodestorages beginnt.
Wurden die Chunks gefunden, werden sie Stück für Stück durch das Freenet gelitten, bis sie beim ursprünglichen Downloader ankommen.
Dort werden sie anhand des Keys entschlüsselt und zu einer einzigen Datei zusammengesetzt.
Das Ganze ist zur Zeit die mir bekannte anonymste Methode zum Filesharing.
Nachteil ist allerdings, dass man für diese Anonymität den Preis der Geschwindigkeit zu zahlen hat. Eine 1 GB-Datei dauert etwa 1-2 Tage runterzuladen. Je nachdem wie gut es dem Netzwerk gerade geht, zu welchen Nodes man verbunden ist, ob die eigene Anbindung gut ist, wie groß der eigene Nodestorage ist (dadurch findet man bei sich selbst bereits viele Chunks), und noch einige Faktoren mehr.
Nutzen mehr Leute das Freenet, werden Downloads und Inserts schneller. Und natürlich steigt auch die allgemeine Anonymität. Aber so schnell wie das normale offene Internet, wird das Freenet niemals sein können aufgrund der Beschaffenheit des Netzwerks.
Zur Zeit gibts auch noch kaum Inhalte im Freenet, bis auf ein paar wenige Kino-Filme zumeist in Englisch und hier und da mal MP3's.
Das liegt einfach daran, dass das Freenet zu wenig Menschen nutzen wodurch es dort noch keine gesunde Filesharerszene gibt.
Und wenn ich ehrlich bin, ist genau das der Hauptgrund, weshalb ich diesen Thread hier eröffne. Ich fänds genial, wenn das Freenet eine wirkliche Option für Filesharer und generell alle, die
anonym Informationen austauschen wollen, würde. Denn dann könnten wir diesen Abmahnmist endlich hinter uns lassen.
Drängen, das Freenet zu nutzen, möchte ich aber keinen. Denn es hätte auch keinen Sinn zur Zeit. Es braucht zunächst erst Idealisten. Leute die die Idee wirklich unterstützen um dem Freenet genug Momentum zu verleihen, dass es für normale Downloader interessant wird.
Aber vielleicht behaltet ihr diese Informationen im Hinterkopf und haltet gelegentlich mal nach neuen Entwicklungen in der Freenet-Sache ausschaut.
Wer Fragen hat oder einfach nur seine Meinung dazu sagen möchte, ist herzlich eingeladen. Ich bin nicht wirklich DER Experte was das Freenet angeht, aber ich habe bereits seit einigen Jahren mein Auge drauf.
Wer es sich mal anschauen möchte...
Die Projektseite ist hier:
The Freenet Project - /index
Das Programm ist kostenlos, frei und quelloffen, in Java und C geschrieben. Gibts für Windows, Linux und andere unixoide Systeme.
Die Installation ist an sich sehr einfach. Ein Gefühl für das Freenet zu bekommen um ihm etwas abgewinnen zu können, dauert aber ein wenig länger.
EDIT: Oi, ich seh ich hab in einem anderen Thread in einem anderen Unterforum hier schonmal was zu Freenet geschrieben. XD
Sorry, wenn das penetrant ausschaut. XD